Warum der Kapitalismus im Prinzip nicht zu retten ist
Das Ende des Kapitalismus wird anders kommen, nämlich dadurch, dass einfach die Rohstoffe ausgehen und die Umwelt verbraucht ist.
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Also, ein einziges neues Automodell, Milliarden. Ein einziges neues Medikament, Milliarden. So. Wenn man jetzt diese Milliarden investiert, dann will man hinterher auch wissen, dass man den richtigen Gewinn hat, sonst investiert man gar nicht. Das heißt, man kommt zu diesen Konzernstrukturen, um das alles planen zu können. Das heißt, der Staat muss anders vorgehen, nicht, indem er Kartelle auflöst, sondern indem er ganz stark reguliert.
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Das ist auch durch die große Hoffnung, dass man Energieverbrauch, Materialverbrauch und Wachstum entkoppeln kann, das ist inzwischen auch widerlegt, das wird nicht funktionieren, weil man einfach immer mehr produzieren wird. Also eine Zügelung des Wachstums, über die seit 1973 geredet wird, seit das Buch „Die Grenzen des Wachstums“ herausgekommen ist, das ist nicht wahrscheinlich.
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Von A nach B. Da ist immer – A, das ist der Kapitalismus, und B, das ist die Kreislaufwirtschaft. Aber wie man von A nach B kommen soll, das steht in keinem dieser Bücher drin.
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Und solange man das nicht hat, muss man sagen, die wahrscheinliche Perspektive ist, es wird so weiter gehen, bis es nicht mehr geht. Also, es gibt in dem Buch von dem Reiner Klingholz, der sagt, Asien wird nicht aufhören, weiter zu wachsen, bis sie auf unserem Niveau sind, dann kommt Afrika dran -
„Wir fahren vor die Wand, und keiner erforscht den Bremsweg“
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ohne Wachstum geht es nicht, dann bricht der Laden zusammen. Das ist durchgerechnet, davon kann man ausgehen.
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Das Ende. Ja, ja, genau. Also ich stelle mir das eigentlich so vor wie im vierten, fünften Jahrhundert nach Christus, also als das Römische Reich unterging. Da war es ja so, dass die Germanen, die dann im Römischen Reich saßen, noch die Aquädukte sahen – die standen da ja noch –, aber nicht mehr wussten, wie man die betreibt. Und sie haben dann die Aquädukte und so benutzt als Steinbruch.
Und genau so wird es auch, glaube ich, mit dem Kapitalismus kommen. Die Leute werden noch wissen, was ein Computer war, aber sie werden ihn nicht mehr gebrauchen können. Sie werden wissen, was eine Autobahn war, aber sie werden nicht mehr die Energie haben, um diese Autobahn zu benutzen.
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Ja, genau. Und wenn man nicht mehr konsumiert, dann bricht die Produktion zusammen, und dann bricht das Gesamtsystem zusammen. Das ist dann nicht so, dass nur VW zusammenbrechen würde. Sondern es wäre dann am Ende so, dass sich die Frage stellt, wie man eine Krebstherapie finanzieren soll.
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Für wie wahrscheinlich halten Sie das in den nächsten 20 Jahren?
Herrmann: Ja, eigentlich unbedingt für wahrscheinlich, denn man muss sich ganz klar machen, die Gewerkschaften und auch die Arbeitgeber, die zum Beispiel Autos produzieren, sind total panisch. Weil den Unternehmern ist ja auch sonnenklar, dass das Auto ein Auslaufmodell ist. Und es ist aber Deutschlands größtes Exportgut. Das ist – also die Deutschen sitzen sozusagen auf einem Vulkan, weil klar ist, die Energie wird abnehmen, das Auto wird nicht mehr fahren. Was macht man jetzt? Also, die suchen nach Lösungen. Und das Problem ist eher, dass bisher noch kein einziger Weg modelliert wurde, wie man in ein anderes System wechseln kann. Sonst würden die Kapitalisten sofort wechseln.
https://www.deutschlandfunk.de/wirtscha ... _id=313835
P.S.: Gibt übrigens sehr interessante Vorträge von ihr auf Youtube