Ja, Markus, es ist Liebe, warum wir uns mit Dir unterhalten.
In anderen Worten: wenn E-Fahrzeuge erfolgreich sein sollen, dann müssen Verhältnisse her, unter denen diese
- genauso leicht diagnostiziert und repariert werden können wie Benziner
- eine Ersatzteilversorgung genauso schnell machbar ist wie bei Verbrennern
- Händler genauso schnell gute Leistungen bei Reparaturen und Gewährleistungen abliefern können wie bei Verbrennern
- ich nicht nach zwei Jahren auf einem Haufen Schrott sitze, der irreparabel ist und entsorgt werden muss
Diese Verhältnisse haben wir nicht, und ich sehe auch nicht, dass die erreicht werden.
Wie so häufig: hier trifft Ideologie auf ungünstige Fakten. Fakten müssen geändert sein, damit die Ideologie erfolgreich umgesetzt werden kann. Dummerweise ändern manche Leute die Fakten an der falschen Stelle - da wird der Individualverkehr so unattraktiv wie möglich gemacht und Regelungen gegen Verbrenner geschaffen, die aber teilweise auch E-Fahrzeuge treffen (z.B. Poller - Seuche) oder die die Anbieter von E-Fahrzeugen dazu animieren, einfach den Preis-/Leistungsabstand weiter aufrecht zu erhalten, also ebenso die Preise zu verteuern und den Service zurückzufahren, weil irgendein Dummer kauft das Zeugs ja trotzdem.
Wenn man durch die Foren geht, dann haben wir querbeet eine Menge Probleme: Segway-Ersatzteilversorgung und Reparaturen, Ray zeitweise auch, wegsterbende Onlinefunktionen (Kumpan, Ray, RGNT, ...), gänzlich weggefallener Support durch Herstellerpleiten, Ausdünnen des Händlernetzes aufgrund neuer Firmenpolitik oder Eigenkündigungen aufgrund von Importeurproblemen, Verschiffungsproblemen, ...
Dummerweise treten die komplexen Fehler aber immer unter Beteiligung von elektronischen Komponenten auf, die richtig Probleme machen. Einen kompatiblen Bremsbelag oder Armaturen findet man immer, eine defekte ECU ist gerne mal Totalschaden.
Letzendlich: mit E-Fahrzeugen habe ich Geld verbrannt, bei Verbrennern hat die Geldverbrennung aber immer für Vortrieb gesorgt. Bei der RGNT hat mich jeder Kilometer 1€ gekostet - selbst ein Audi A8 fährt sich sparsamer. Die RGNT wäre immer noch mein Traummoped, wenn ich sie denn noch 6 -8 Jahre auf der Straße halten könnte.
Kommen wir nochmal zu dem unliebsamen Thema Fakten: wir haben in DE eigentlich nur zwei Hersteller, bei denen man m.E. bedenkenlos kaufen kann: BMW mit CE04 und CE02, und BTM. Ersterer hat ein Händlernetz und ahnt, dass Schlechtleistungen auf die gesamte Zweirad- und Vierradsparte zurückfallen könnte. Zweiterer setzt auf relativ einfache und substituierbare Standardkomponenten, so dass Reparaturen leicht durchgeführt werden können (wie all die Zweiradhersteller in Westdeutschland in den 50er- und 60ern, die entweder eigene Motoren erfolgreich entwickelt und über Jahre verkauft haben, oder die gleich F&S verbaut haben). Es mag gerade auffallen, dass das nur deutsche Hersteller sind, und dass es nur zwei Hersteller sind, trotz der vielen Unterforen hier.
Fakt ist aber auch, dass E-Autos nur wenige Jahre gefahren werden, kürzer als Benziner. Es ist mitunter durchaus wirtschaftlicher, die Dinger mit künstlich erhöhten Zulassungszahlen unters Volk zu bringen um den Flottenverbrauch zu senken als Strafzahlungen dafür zu leisten. Im Endeffekt wird damit eine Umweltsauerei begangen, wenn 4 Jahre alte Fahrzeuge wieder zerlegt werden, weil die gebraucht nicht mehr loszuschlagen sind, aber in den Neuzulassungsstatistiken auftauchen müssen.
Die Ideologen tanzen auf der Straße um jedes E-Moped wie ums goldene Kalb - dass die Dinger eine bescheidene Halbwertszeit haben wird dabei völlig ausgeblendet. Lösungsansätze werden nicht einmal ernsthaft überlegt - ich wäre für einen Treuhänder, bei dem sämtliche Software, Schaltpläne, Protokolle auf einem Bussystem, Bezugsquellen für elektronische Komponenten ... hinterlegt werden müssen, um im Fall einer Herstellerpleite usw. beliebigen Drittanbietern oder dem Besitzer selbst eine Reparaturmöglichkeit damit einzuräumen. Keine Hinterlegung, dann kein Import oder Verkauf der Waren.
Das Problem ist halt: hat man hohe Zulassungszahlen, dann kann man damit protzen, was man politisch erreicht hat. Dann ist es egal, dass die Fahrzeuge nach kurzer Zeit entsorgt werden, und das Thema "Nachhaltigkeit" wird hier unterm Teppich gekehrt, nicht mal zur Kenntnis genommen. Nach vier E-Zweirädern bin ich endgültig überzeugt, dass diese Kisten i.d.R. ein teurer Irrweg sind.
@Falcon:
Es gibt auch gute und engagierte Händler für E-Fahrzeuge. Der Ducatodriver hat mir schon geholfen, Kabee hilft uns hier, ein Händler wie Krain würde nicht jahrelang existieren, wenn er nicht "funktionieren" würde, ..., und im Forum sind ja noch weitere unterwegs oder deren Mitarbeiter, die hinter den Kulissen auch mal gerne weiterhelfen. Das ist schon super. Nur es reicht halt nicht in der Fläche, was nutzt mir ein guter Händler in HH, wenn ich in B sitze? Was nutzt es mir, wenn der Hersteller oder dessen Rechtsnachfolger am Ende des Lateins ist - da wäre nicht mal ein Händler in der Nähe hilfreich.
Luft machen im Forum kann man machen, allerdings sehe ich bei vielen Beschwerden hier genug eigene Versäumnisse. Letztendlich gibt es eine ausgezeichnet dokumentierte Rechtslage, Gerichtsurteile, ..., das kann man alles mittels Internet selbst recherchieren, leichter als vor 30 Jahren. Und selbst da hat das richtige Reklamieren geklappt, weil man bei sowas noch selbst die Initiative ergriffen hat.
Und irgendwann wird sich der erste so blöde beim Reklamieren anstellen, dass die Werkstatt Standgebühren eintreiben will.
