Große Projekte sind immer gut für Überraschungen.
Nachdem ich alles verkabelt hatte, wollte ich den Roller über einen Vorwiderstand (die gute alte Glühbirne) anschließen. Das Leuchtmittel bleibt dunkel. Also fest verbinden - kein Funke, alles bleibt tot.
Die Ursache ist unklar. Das Daly-BMS schaltet nicht frei. Vor dem BMS habe ich eine Batteriespannung von ca. 138V. Am Ausgang bleibt lediglich knapp 4V davon übrig. Zwischen Ein- und Ausgang kann ich den Spannungsabfall von 134 V nachvollziehen.
Die App erkennt aber BMS und Batterie. Die Zellspannungen liegen etwa bei 3,8V und weisen eine Differenz von max. 0,05V auf. Alle Parameter sind vernünftig eingestellt.
Vielleicht hat das BMS einen an der Waffel. Daly hat es ja praktisch für mich auf 36s konfiguriert. Das muss ich später prüfen.
Die originalen Li-Vectrixumbauten fahren ohne BMS. Sie haben nur Balancer, Temperaturüberwachung und CAN-Anbindung.
Also erstmal das BMS überbrücken, und siehe da: Das Infotainment-Spektakel der VX-1 startet.
Roller noch mal aus - Bremshebel rechts ziehen - gleichzeitig Vollgas geben - Zündung ein: die Routine zum Einmessen des Encoders läuft sauber durch. Vorher hatte ich noch die Passleeren aus dem 3-D-Drucker von @Himan0 zum Einsatz gebracht. Meine Einstellungen mittels Fühlerleere waren schon ganz gut. Die Teile funktionieren also - vielen Dank nochmal!
Jetzt läuft der Roller auf dem Hauptständer, auch Rekuperation und Rückwärtsgang.
Zum Laden musste ich erstmal die Firmware flashen, erstmal nur die für den Lader. Ohne @errors Unterstützung hätte ich mich wohl nicht getraut.
Nun lädt der originale Lader. In der Vectrix-Diag-Software kann man das genau verfolgen, auch auf dem Display. Die Tachonadel zeigt 10km/h pro Ampere. Bei 60km/h bleibt die Anzeige stehen - in der von mir gewählten Software-Version ist wohl nur die halbe Leistung eingestellt. D. h. bei etwa 840Watt ist Schluss. Damit bräuchte ich zwei Tage (und Nächte), um den leeren Akku wieder aufzuladen. Aber immerhin - es tut sich was. Vielleicht finde ich noch bessere Software.
Cool ist, dass man über das Dashboard in der Diag-Software die Einstellungen so verändern kann, dass die Ladestansanzeige im Display wieder stimmt. Da hätte ich fast auf das zusätzliche Coloumbmeter verzichten können. Aber das wusste ich vorher nicht.
Für ein 3-phasiges Typ2-Ladegerät habe ich schon alle Bauteile zusammen. Die drei Ladeziegel lassen sich - wie die Vectrix - mit dem PCan-Adapter programmieren. Leider kenne ich mich mit hex-Dateien nicht aus, sodass dieses Projekt noch warten muss. Den Anschluss für den externen Lader habe ich schon mal gelegt.
Hier noch ein paar Fotos von einem aufregenden Tag.
Die Leere muss richtig rum liegen, sonst passt es nicht.
Encoder fertig montiert.
Das schöne Daly-BMS habe ich zur weiteren Überprüfung ausgebaut.
Ladeanzeige in der Diag...
... und in den Armaturen. Links die Spannung und die Ladezeit, Mitte der Ladestrom und rechts die "Tankanzeige".
Die Fehleranzeige "Schraubenschlüssel" korrespondiert mit der km-Standsanzeige unter dem Tacho: dort erscheinen normalerweise im Wechsel die per CANbus übermittelten Infos der Balancerplatinen, z.B. Zelltemperaturen oder auffällige Zellspannungen. Die fehlen natürlich.
Schöne Grüße, Bertolt