Hallo zusammen,
meine Horwin EK3 habe ich im März 2023 bestellt/erhalten.
Eigentlich wollte ich schon damals diesem Forum beitreten, zwecks Erfahrungsaustausch, dann kam aber einiges dazwischen unter anderem mit der Horwin.
Deswegen jetzt meine Vorstellung bzw. Erfahrungen mit der EK3 in 2023 und nach etwa 2200 Kilometern.
Als langjähriger Motorradfahrer (25+ Jahre) habe ich keine Berührungsängste mit Kettenantrieben, deswegen war das Konzept der EK3 für mich in Ordnung.
Parallel fahre ich derzeit nur noch eine Suzuki FL 125 (Bj 2009) und die hat auch einen Kettenantrieb (allerdings mit Kettenkasten, doch dazu später mehr).
Interessant fand ich zunächst zwei Dinge:
Zwischen Anfang März (Datenblatt Version 04/2022) und Ende März hat Horwin die Reichweite der EK3 mit 2x 36 Ah von 180 km auf 150 km reduziert.
Letzteres scheint realistisch, da ich laut Fahrzeugdisplay etwa einen "Verbrauch" von ca. 1% Akkukapazität auf einen Kilometer habe.
Wohlgemerkt in der Ebene, bei gemütlicher Fahrweise im Fahrmodus "Eco" und milden Temperaturen.
"Your mileage may vary", wie es so schön heißt.
Aber immerhin muss ich Horwin zugestehen realistische Angaben zu machen (woher die Differenz von 2022 zu 2023 kommt kann ich nur vermuten).
Ich war da eher skeptisch, bin aber positiv überrascht.
Der zweite Punkt ist die Aussage des Händlers, dass ich mit dem Roller "auf der Autobahn fahren kann/darf".
Ich habe das seinerzeit amüsiert und unkommentiert zur Kenntnis genommen.
Selbst mit meinem Verbrenner-Leichtkraftrad bin ich nicht so wahnsinnig mich auf der Autobahn auf ein Wettrennen mit 40-Tonnern einzulassen, obwohl die Voraussetzungen formal mit einer angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 95 km/h gegeben sind.
Bei der EK3 fließt bei Vmax in der Ebene geschätzt ein Strom von 70 bis 80 Ampere.
Wie weit ich damit bei einer Akkukapazität von 36 Ah komme, kann sich jeder leicht ausrechnen.
Was auf einer Stadtautobahn noch realistisch sein mag, fände ich bei uns in der Provinz fahrlässig.
Denn da liegen zwischen Auffahrt und Abfahrt gerne mal 30 Kilometer.
Letztlich liegt die Entscheidung und Verantwortung beim Fahrer.
In der Hoffnung, dass sich auch Händler und Importeur(e) hier im Forum tummeln, bitte ich aber solche Aussagen zu überdenken.
Was die Alltagserfahrungen betrifft:
Die Fahreigenschaften sind nicht zu beanstanden.
Ich hatte eine gewisse "Kopflastigkeit" aufgrund des hohen Gewichts und der relativ hohen Position der Batterien befürchtet, bin aber gut mit dem Handling klargekommen.
Die Kette ist ein Thema für sich und wurde hier im Forum ja bereits erschöpfend behandelt.
Bei mir stellt sich nach kurzer Zeit ein relativ großer Kettendurchhang ein.
Die Horwin Vertragswerkstatt fand es bei der Erstinspektion nicht nötig dies zu korrigieren, obwohl für 12,50 EUR Kettenspray berechnet wurde (keine Übertreibung und kein Witz).
Insofern ist die Sinnhaftigkeit der Inspektion in einer Fachwerkstatt fragwürdig.
Insbesondere, da die Dokumentation seitens Horwin anscheinend recht dürftig ist (die mitgelieferte englische Betriebsanleitung erwähnt einen Getriebeölwechsel bei 3000 km, welcher in der deutschen Version fehlt).
Als ich einige Tage nach der Inspektion die Kette selbst nachspannte und dem Roller eine Wäsche gönnte entdeckte ich vorne die (hier im Forum auch bereits behandelte) durchgescheuerte Bremsleitung.
Wie es zu so etwas kommen kann, darüber möchte ich mich hier nicht auslassen.
Die
gesamte Bremsanlage wurde auf Garantie getauscht.
Jedoch mit einigen Wochen Wartezeit, bis das Ersatzteil beschafft war und ein Termin gemacht werden konnte.
Und letztlich wurde die neue Leitung exakt so montiert wie die alte verbaut war.
Da Horwin nur 9 Monate Garantie auf die Bremse gibt scheint man dort keine Veranlassung zu sehen dem Problem auf den Grund zu gehen.
Als Bonus waren allerdings die beiden Seitenleuchten angeschlossen, als ich den Roller abholte.

Nachdem alle Verkleidungen runter mussten um die komplette Bremsanlage zu tauschen, war beim Zusammenbau anscheinend nicht klar, dass die Stecker für die Seitenleuchten nicht eingesteckt gehören.
Positiv ist, dass ich die Kette nur noch gelegentlich schmieren musste, nachdem ich sie selbst einmal gespannt hatte.
Also scheint die Längung überschaubar zu sein, wenn die Kette einmal eingefahren ist.
Ob der Roller ein wartungsarmes und sorgenfreies Alltagsfahrzeug ist und bleibt wird sich noch zeigen.
Von dem Gedanken, dass ich meinen Roller brav zur Inspektion bringe und mich sonst nicht groß kümmern muss (wie bei der FL 125) habe ich mich allerdings verabschiedet.
Nicht, dass ich dem Händler die 70 bis 100 EUR nicht gönnen würde, wenn ich mich darauf verlassen könnte, dass anschließend alles okay ist.
Leider würde mein Mechaniker des Vertrauens die EK3 nicht einmal mit dem kleinen Finger anfassen.
Im Großen und Ganzen war's das.
Kleinigkeiten werden ich eventuell an geeigneter Stelle posten.
Heiko