Der mit dem Strom fährt hat geschrieben: So 31. Mai 2026, 00:13
Der C Evolution hat eigentlich alles. Das "One Pedal driving" beim Eco Modus und stufenlose Reku über den Vorderrad und Hinterradbremshebel.
Wie soll denn das gehen?
Woher soll der Controller wissen, dass Du jetzt mit 30% Kraft (oder Weg) am Bremshebel ziehst, oder mit 50%?
Ich habe jedenfalls noch nie einen drive-by-wire Bremshebel gesehen, nur drive-by-wire Gasgriffe. Da ist es einfach, mit Hallsensoren kann man sehr genau den Drehwinkel des Gasgriffs auslesen.
Man könnte einen analogen Drucksensor in die Bremsflüssigkeits-Leitung setzen. Sowas gibt es ja schon ewig als digitalen Sensor, um das Bremslicht einzuschalten. Dann hätte man den Druck. Den müsste man aber immer noch aufteilen in Motorbremse (Reku) und Radbremse. Sowas gibt es bereits bei E-Autos, wo per Bremspedal zuerst rekuperiert wird und dann erst die mechanische Bremse dazukommt. Bei Zweirädern gibt es sowas aber AFAIK noch nicht. Vor allem gibt es ja gute Gründe, Vorder- und Hinterradbremse getrennt zu halten. Jedenfalls für Leute die wissen wann sie welchen Hebel ziehen (oder treten) - für andere gibt es dann CBS (combined braking system) wo jeder Hebel auf alle Bremsen wirkt. Piaggio verbaut sowas am MP3: Der rechte Handbremshebel wirkt zu 80% auf die beiden Vorderräder und zu 20% aufs Hinterrad, der linke mehr auf's Hinterrad aber auch nicht unerheblich auf die Vorderräder, und der Fußbremshebel verteilt die Bremskraft gleichmäßig auf alle drei Scheiben. Das ist für Leute die aus Angst und/oder Unwissen sich nicht trauen, vorne richtig zu bremsen, oder für Autofahrer die nur den Fußbremshebel nehmen. Damit kann man gar nicht vorne NICHT bremsen...
Zurück zum C Evolution - es ist zwar schon Jahre her dass ich mal einen probegefahren bin (immerhin hat BMW den damals für drei Stunden ausgegeben), aber ich erinnere mich daran dass man "segeln" (keine Reku) und "one pedal" (volle Reku beim Gaswegnehmen) sowie eine Stufe dazwischen (moderate Reku) einstellen konnte. Aber ob die Bremshebel (bzw. die Bremslichtschalter) da einen Einfluss drauf hatten weiß ich nicht mehr. Ganz sicher aber konnte der BMW nicht mit den Bremshebeln von 0-30% Weg (oder Kraft) die Rekuperation stufenlos von 0-100% aufdrehen, und von 30% bis 100% dann (Reku bleibt bei 100%) die Scheibenbremse (0-100%) dazu geben, damit die Gesamt-Bremswirkung stufenlos ansteigt je mehr man den Hebel zieht. Das wäre schön und vor allem für Nicht-Stuntfahrer optimal, aber so eine Technik gibt es im Zweirad noch nicht.
Was man mit derzeitig möglicher Technik eigentlich will, ist dass der Gasgriff beim Loslassen nicht auf 0% zurückspringt, sondern dass die Nullstellung bei 20 oder 30% Gasgriff-Rotation ist. Also dass man aus der Neutralstellung den Gasgriff auch rückwärts drehen kann, und damit stufenlos die Rekuperation bestimmt. Eine Hinterradbremse braucht man dann im Prinzip gar nicht mehr (bzw. nur noch als Notbremse), weil man mit dem Motor das Hinterrad ausreichend verzögern kann - sofern man nicht oben am Berg volllädt und dann ins Tal abfährt. Analog zu "One Pedal driving" kann man dann per "One Hand driving" den Motor im Normalbetrieb sowohl zum Beschleunigen als auch zum Bremsen verwenden, und wenn man ausnahmsweise doch mal etwas mehr bremsen muss kommt die Handbremse dazu.
Livewire hat sowas ähnliches. Leider aber nicht analog/stufenlos. D.h. man stellt z.B. ein (Modus-Settings) dass in der Gasgriff-Neutralstellung 50% Reku wirkt, und kann dann mit dem Gasgriff beschleunigen, konstantes Tempo fahren (Tempomat gibt's auch), und durch zurückdrehen bis zur Neutralstellung eben auch stufenlos 0-50% Reku einstellen. Wenn man dann den Gasgriff über die Neutralstellung hinaus (gegen eine zweite Rückstellfeder) noch ein paar Grad weiter zudreht, wird die Reku (langsam) von 50% auf 100% angehoben. Leider nicht analog, sondern man schaltet digital die Reku auf volle Pulle. Aber eben weil das nicht ruckartig passiert sondern in einer (halben?) Sekunde sanft von 50% auf 100% Reku "schaltet", fühlt sich das trotzdem ganz OK an.
Wenn ich von meiner Mulholland auf meine Zero FXS umsteige wo erstens die maximal mögliche Reku eh weniger ist als die 50% der Livewire, zweitens die Stufe zu 100% fehlt, und drittens die Reku schließlich unter 15km/h ganz ausgeschaltet wird (bei der Livewire kann man bis zum Stand rekuperieren; hält man dann den Gasgriff über Neutral hinaus weiter "zugedreht" fährt sie sogar rückwärts) so dass man jedesmal beim Anhalten noch die Handbremse ziehen muss, dann komme ich mir vor wie im Mittelalter. Mit der Livewire kann man im Normalbetrieb ohne Bremse fahren, nur mit Gas-zudrehen verzögern. Mit der Zero nicht.
Aber wenn ich dann auf den nagelneuen China-Elektroroller meiner Frau steige, der überhaupt nicht stufenlos rekuperieren kann (Gas wegnehmen = segeln), und wo die Bremslichtschalter (auch wenn man noch Gas gibt) schlagartig den Vortrieb aus- und die Reku einschalten (mögliche Verzögerung nochmal deutlich weniger als bei der Zero, obwohl der Akku mit 4,5kWh fast dieselbe Kapazität hat), dann bin ich in der Steinzeit... Immerhin, beschleunigen und fahren tut er gut. Und wenn man den "R"-Taster gedrückt hält kann man mit dem Gasgriff (stufenlos) rückwärts fahren - das kann meine Mulholland nicht, die schleicht nur ein bißchen rückwärts wenn man den Gasgriff zurückdreht. Digital (Rückwärtsmodus ein)... Naja, besser als nix.