Ja, genau, eine Aufputzverteilerdose (bäh, aber die gab es im nächsten Baumarkt und war von allen Boxen am besten geeignet). Die Boards hatte ich von lipopower, das sind 4 Balancerboards auf einer Platine (shop.lipopower.de/Balancer-4-Zellen-15A-LiFePo4 , ich bin mal so frech und setze einen Link auf einen kommerziellen Verkäufer hier herein). Die dort angebotenen Platinen entsprechen ungefähr meinen, wobei bei meinen das Balancieren ab 3.6xV beginnt und ich wohl auch ein paar Euros weniger bezahlt hatte, falls ich mich recht entsinne.
Zu beachten ist das, was in roter Schrift auf der Seite steht! Ebenso sollte wie auf der Seite beschrieben die Schaltschwelle tiefer gesetzt werden nach meinem Geschmack - dann hat der Balancer etwas mehr Spielraum für den Beginn mit der Bypassfunktion.
Hinweise und Abschreckung:
a) der Einbau in so einer Verteilerdose ist nicht ganz problemlos. Die Widerstände werden zeitweise heiß (nicht allzulange, aber immerhin), und daher sollte die Luft zirkulieren können. Trotzdem muß der Einbau zumindest Spritz- und Regenwassergeschützt erfolgen. Sicherlich ist auch jede andere Art von Gehäuse geeignet, das am Einbauort diese Voraussetzungen erfüllt. So wie es aber bei mir aussieht, würden viele Leute zu Recht die Händer über den Kopf zusammenschlagen - aber ich schäme mich für gar nichts, niemals
b) es gibt den gleichen Nachteil wie bei den einfachen Balancerboards oder auch den teureren Lösungen: die Boards setzen mit einer Bypassfunktion ein bis maximal 1.5A und können daher nicht den kompletten Ladestrom eines "ernsthaften" Ladegerätes kompensieren. Wenn die Zellen sehr weit auseinandergedriftet sind, reichen die Balancerboards nicht aus, um Überspannungen zu vermeiden. Die holen zwar die Zellen wieder in vertretbare Spannungsbereiche zurück, können aber kurzfristig keinen Akkupack heilen, bei dem eine Zelle 10% "Vorlauf" hat. Ein auseinandergedrifteter Akkupack wird aber mit jedem Ladevorgang besser zusammengeführt. Ist der Akkupack bereits deutlich gedriftet, kann man aber mit Hilfe dieser Boards und einem "kleinem" Ladegerät mit weniger als 1.5A Stromabgabe die Zellen wieder angleichen.
c) Da niemand weiß, wie sich Zellalterung auswirkt, ist es ungewiss, wie lange die Lösung greift. Altern die Zellen gleichmäßig, ist das kein Problem. Reißt eine vorzeitig aus, dann hilft die Balancerlösung nicht mehr (aber auch die meisten anderen denkbaren Lösungen würden sich hier die Zähne ausbeißen)
d) Die Lösung kommuniziert nicht mit dem Ladegerät. Schöner wäre eine Lösung, die in dem Moment, wo eine Zelle die 3.7xV überschreitet, das Ladegerät abschaltet, die Zelle etwas entlädt und dann das Ladegerät wieder anwirft. Ein findiger Bastler würde daher die Boards mit LEDs nehmen, die LEDs durch Optokoppler ersetzen und damit das Ladegerät ansteuern.
e) Es müssen reichlich Kabel verlötet und sauber verlegt werden, dabei dürfen keine Anschlüsse vertauscht werden (siehe rote Schrift auf der Seite). Die ersten Tage habe ich reichlich Kontrollen durchgeführt, ob alles so arbeitet wie es soll, ob mir nicht meine Aufputzdose schmilzt, die Spannungen der Zellen stimmen - sowohl nach den verschiedenen Ladephasen als auch nach einer Nacht Stillstand usw.. Terminplanung: bis Donnerstag abend sind die Platinen in der Box versenkt, Anschlußleitungen vom BMS auf die Unaussprechlichen geführt (die hinterher wieder demontiert werden, weil dann die Kabel eins nach dem anderen an den Unaussprechlichen im Roller angeschlossen werden), Freitag nach der Arbeit einbauen, Ladevorgang mit dem Voltmeter überwachen, Samstag morgen alles nachmessen, fahren, laden, dabei messen, ..., und Sonntag nochmals das gleiche Spiel und zumindest an einem Tag am folgenden Wochenende. Wenn es geht, sollten die Boards so eingebaut werden, dass man mittels Daumen die Temperatur der Widerstände erfühlen kann. Achso, innerhalb der Dose Markierungen anbringen, welches Board / welche Einheit für welche Zelle zuständig ist. Dann kann man mit dem verbrannten Daumen gleich zum Voltmer greifen und die richtige Zelle für die Messung erwischen.
f) ist eine Einheit auf dem Board defekt, muß entweder das ganze Board getauscht werden oder die Einheit für die Zelle durch ein Einzelboard ersetzt werden
g) ... Die Lösung tut es für meine Zwecke in meiner Umgebung. Ich weiß, dass so eine Lösung zum Totalverlust von Roller, Batterien, Carport usw. führen kann und bin bereit, das Risiko zu tragen.
Vorteil:
a) Ohne Balancer ist klar, was passiert - einzelne Zellen übersteigen regelmäßig auf längere Zeit die 4.2V. Die Boards können daher eine tragfähige Lösung sein, wenn man um die möglichen Probleme drumherum Bescheid weiß und die möglichen Risiken tragen kann.
b) Ich habe meinen Roller tagelang unbeaufsichtigt am Bleiladegerät. Ohne Balancer würde ich das nicht tun, denn Bleilader neigen zur Erhaltungsladung / Equalisationladung. Das macht das Thundersky-Ladegerät entgegen aller Spezifikationen zwar auch, weil es nur ein umgelabelter Bleilader ist, aber das bekommt den Zellen nicht, wenn nach dem Vollladen später regelmäßig nochmals das Ladegerät nachpumpt. Damit wird die Zellspannung immer weiter hochgetrieben. Mit den Balancern stört mich das nicht, ganz im Gegenteil, dient das doch eher dem weiteren Balancieren. Das entspricht allerdings auch nicht den Ladespezifikationen, ob es negative Folgen hat, werde ich in ein paar Jahren wissen.
c) Der Preis. Die Freude am Selbstbau. Der Lerneffekt. Die virtuellen Diskussionen mit Leuten, die bei 200AH-Zellen anfangen, die Ladungen mit 500mA zwischen den Zellen zu transportieren, weil alles andere wie z.B. das Energieverbrennen über Widerstände Humbug sei (Anmerkung: der hat aber schon Zellen geschrottet, ich nicht).
d) Und ich kenne dann endlich noch jemanden, der diese Boards einsetzt, falls ich mal Erfahrungsaustausch benötige
