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Re: ATU E-Cruzer: Alternativer Akku
Verfasst: So 24. Mär 2024, 19:55
von Blowfly
Hallo @Schnabeltier bzw. Bertolt,
Ich habe doch erst mal den mühseligen Weg auf mich genommen und den Originalakku zerlegt, die alten Zellen ausgebaut und die neuen ein. Hat mich als Anfänger fast zwei Tage Arbeit gekostet, eine Punktschweißen- und Lötorgie halt. Die alten Zellen habe ich mal stichpunktartig getestet, keine hat viel mehr als 1600mAh, die meisten im Bereich 1200-1500mAh. Die Innenwiderstände liegen zwischen 50 und 90 mOhm, entsprechend lassen sich viele Zellen kaum mehr laden, ohne dass sie das Kochen anfangen. Aber jetzt geht der Akku wieder 1A sogar mit dem originalen BMS. Die verlängerte Ladezeit passt auch zu der +30% höheren Kapazität der Zellen, die Ladeendspannung wurde jedenfalls erreicht. Muss jetzt noch testen, ob sich die Kapazitäts- und Restkilometeranzeige wieder auf die neuen Zellen kalibriert. Ich hätte sogar noch die Original-BMS Software zum Einstellen gefunden, aber habe noch nicht versucht, die anzuschließen.
Das Ganze war aber eh nur als Übergangslösung geplant. Parallel werde ich jetzt ein zweites Zellenblock 16s8p zusammenschweißen. Das möchte ich dann zusammen mit dem ersten parallel schalten und beide dann in ein größeres Gehäuse setzen. Damit habe ich dann eine vernünftige Reichweite, wir benötigen 50 km am Tag inkl. deftiger Steigungen, was eine normaler Akku nicht hergibt. Das Doppelpack soll natürlich ein neues BMS bekommen, welches Daly BMS hast du dafür verwendet, hast du eine Typbezeichnung oder ein Bild?
Vielen Dank und viele Grüße
Hans
Re: ATU E-Cruzer: Alternativer Akku
Verfasst: So 24. Mär 2024, 20:24
von Schnabelwesen
Hallo Hans, herzlichen Glückwunsch zur Reparatur des Akkus - wie neu, nur besser! Hast du Fotos vom Schweißequipment bzw. den Arbeitsschritten? Würde mich interessieren...
Wo hast du denn die BMS-Software gefunden? Kannst du die verlinken?
Du könntest ja auch zwei Akkus getrennt bauen und dann über Y-Kabel verbinden. So plane ich es für meinen Trinity Neptun. Dann kann man sie bequemer entnehmen und - falls gewünscht - später auch wieder getrennt verwenden. Allerdings ist die Konstruktion nicht so sicher wie ein Akku mit einem gemeinsamen BMS.
Ich hatte zwei Daly 17s gekauft, die jetzt ungenutzt rumliegen
https://de.aliexpress.com/item/40009657 ... pt=glo2deu. Denn ich hatte, wie gesagt, den einen E-Cruzer mit einem 72V-China-Akku 40Ah
https://de.aliexpress.com/item/10050027 ... pt=glo2deu versehen statt ursprünglich geplantem Selbstbau. Und für den anderen E-Cruzer habe ich auch schon zweimal das Innenleben einschl. BMS (ohne BT)
https://de.aliexpress.com/item/10050055 ... pt=glo2deu. Die Akkus sollten in das vorhandene Gehäuse passen.
Schöne Grüße, Bertolt
Re: ATU E-Cruzer: Alternativer Akku
Verfasst: So 24. Mär 2024, 23:37
von Blowfly
Hallo Bertolt,
danke für die Infos zum BMS! Ja, definitiv viel besser und billiger! Die Samsung Zellen waren von NKON für 2€ das Stück, waren zwar schon mal verbaut, aber angeblich unbenutzt. Das glaube ich auch, stichpunktartig hatten die alle konstant zwischen 3300 und 3400mAh bei 20mOhm.
Zu deinen Fragen: Ich habe mir einen kWeld
https://www.keenlab.de/index.php/produc ... plete-kit/ gegönnt, mit einem 6000mAh LiPo als Powersupply. Funktioniert top, war allerdings alles zusammen nicht gerade günstig (gut 300€ inkl. LiPo Ladegerät). Vielleicht verscherbele ich das Equipment wieder, wenn ich mit dem Explorer Projekt fertig bin.
Fotos von den Arbeitsschritten habe ich leider keine gemacht, die Einzelschritte waren:
- Akkudeckel abschrauben, obere gelbe Isolierungsplatte abziehen
- serielle Sammelschiene (dicke Kupferschiene am Plus- bzw. Minuspol des Akkupacks) von der Platine lösen (erst +, dann -). Wenn man einen leistungsfähigen Lötkolben (>180W) hat, am besten damit, ich habe die Kupferstreifen mit einem Dremel durchgeflext, da meine Lötpistole mit der guten Wärmeableitung des Kupferstreifens überfordert war
- die einzelnen Balancer-Anschlüsse von 15-1 der Reihe nach ablöten, da sollte man schnell sein, da hier wohl parasitäre Ströme aktiv werden, jedenfalls werden die Leistungswiderstände im Balancerblock recht warm, wenn nur die ersten Anschlüsse fehlen
- Akkupack von der Bodenplatte losschrauben, ist jetzt frei
- Nickelstreifen von den Zellen abreißen/abdrehen (zeitaufwendig)
- Die Kupfer-Sammelschiene am Plus- bzw. Minuspol vorsichtig abmachen, können wieder verwendet werden, wenn die alten Nickelstreifen entfernt werden. Einfach einen neuen Nickelstreifen drauflöten (schweißen geht nicht), den Nickelstreifen etwas in die Öffnungen des Kupferstreifen drücken, damit die Zellen wieder angepunktet werden können
- Plastikhalter der Zellen abschrauben (die Schrauben sind sehr gut versteckt) und abnehmen, jetzt können die alten Zellen entnommen und die neuen wieder eingesetzt werden (Polaritäten merken).
- jetzt im Prinzip wieder alles rückwärts zusammenschrauben bzw. anlöten
- Am Schluß das Ladegerät anstecken, dann startet das BMS auch wieder
Alles kein Hexenwerk, man muss halt aufpassen mit den freien Akkukontakten (habe immer alles abgeklebt). Und es dauert... Bei Detailfragen zu den einzelnen Schritten helfe ich auch gerne weiter, ohne Fotos ist das vermutlich nicht so einfach nachzuvollziehen.
Die Software habe ich direkt von der Herstellerseite des BMS Litongwei
https://www.ltw-bms.com/download/. Denke das "Atomtool" sollte passen, schaut auch sehr ähnlich wie das "Apollo-Tool" aus, das muss man allerdings in der .ini vorher auf Englisch umstellen. In beiden Tools kann man haarklein quasi alle Parameter einstellen. Frage ist nur, wie man die Hardware anschließt. Auf der BMS-Platine ist ein unbestückter Lötplatz für einen Stecker mit drei Pins (Send/Receive/GND), vermutlich muss man da eine serielle Schnittstelle anflanschen. Da habe ich mich noch nicht weiter mit beschäftigt.
Das mit dem Y-Kabel habe ich mir auch schon überlegt, am Originalakku ist ja ein zweite Buchse, die könnte man auch für die Verbindung verwenden. Da muss man halt immer höllisch aufpassen, dass beide Akkus auf der gleichen Spannung sitzen, sonst werden die Käbelchen warm... Wie würdest du das machen? Nachdem ich den Roller selten nutze, sondern hauptsächlich meine Jungs, wird das aber vermutlich nicht meine bevorzugte Lösung.
Viele Grüße
Hans
Re: ATU E-Cruzer: Alternativer Akku
Verfasst: So 24. Mär 2024, 23:58
von Schnabelwesen
Hallo Hans, danke für die ausführliche Beschreibung. Das ist auch ohne Bilder alles nachvollziehbar. Ich weiß ja, wie die Batterien von innen aussehen (und hatte deswegen ja auch davor gewarnt, dass das Auslöten des BMS nervig werden könnte

).
Mit einem Freund haben wir das Equipment für's zeitgesteuerte Punktschweißen mit Mikrowellentrafo (bevorzugt) oder eben die Akku-Lösung zusammen. Aber im Endeffekt haben wir es noch nicht probiert, auch weil es ziemlich gute passende Akkus aus China gibt.
Die Akkus für meinen zweiten E-Cruzer haben ein BMS ohne Bluetooth. Die werde ich nicht zusammenschalten, zumal ich das Teil in absehbarer Zeit verkaufen werden. Aber die Akkus für den Trinity haben BT. Damit kann ich die Zellen regelmäßig überwachen. Da werde ich versuchen, die beiden Blöcke über Y-Kabel zu entladen und auf der Ladeseite ebenfalls über Y-Kabel mit zwei gleichen Ladegeräte beide Akkus gemeinsam zu laden.
Übrigens: unsere Tochter, die in Zwickau lebt, war die erste in der Familie, die einen E-Roller gekauft hat - eben einen E-Cruzer. Den fährt sie seit 3 Jahren ganzjährig und tauscht die Akkus immer brav aus. Jetzt hat sie die beiden besten Batterien aus unserem Bestand bekommen und ich baue halt neue in die netten Gehäuse.
Schöne Grüße, Bertolt
Re: ATU E-Cruzer: Alternativer Akku
Verfasst: Sa 11. Jan 2025, 15:50
von peterpan1337
Hi Bertolt,
Wie aufwändig war der Austausch mit dem 72V China Akku in das Cruzer Gehäuse? Meiner geht dem Ende entgegen und ich überlege derzeit, was ich machen soll. Die Lösung klingt auf jedenfall interessant.
Danke

Re: ATU E-Cruzer: Alternativer Akku
Verfasst: So 12. Jan 2025, 20:17
von Schnabelwesen
Hallo @peterpan1337 und herzlich willkommen im Forum!
Ich habe unterschiedliche Umbauten vorgenommen. Den 72v /40Ah-Akku habe ich fest verbaut. Das ist aber die maximale Herausforderung, weil auch Controller und Display getauscht werden müssen. Den Roller fährt meine Frau. Das Ding ist zuverlässig, schnell und spritzig, aber wie gesagt: aufwendig.
Bei dem anderen E-Cruzer habe ich Batterien mit BMS in China gekauft. Sie passen in das Originalgehäuse, wenn man innen ein paar dünne Führungen wegflext. Das BMS taugt nichts, daher habe ich ein 16S-Daly mit BT eingebaut, das oben quer genau reinpasst. Der Roller fährt gut mit zwei Akkus, die parallel geschaltet sind.
Der Aufwand ist nicht so hoch, aber man braucht etwas Werkzeug und Geschick.
Ich schau mal, ob ich das genauer dokumentieren kann.
Schöne Grüße, Bertolt
Re: ATU E-Cruzer: Alternativer Akku
Verfasst: Do 16. Jan 2025, 14:35
von techniker1484
Kurzes Feedback: Die Reparatur des Akkus war letztendlich erfolgreich auch durch das Engagement der Anbieters. Der Fehler wegen der fehlerhaften Leistung ist gefunden, und der Roller läuft wieder sehr gut.
Hallo, ich habe auch das selbe Problem mit dem Roller. Nach dem Zellentausch hat sich nicht an Reichweite geändert und auch die gleichen Probleme.
Kannst du mir sagen was genau der da geändert hat?
LG
Re: ATU E-Cruzer: Alternativer Akku
Verfasst: Do 16. Jan 2025, 15:29
von peterpan1337
Schnabelwesen hat geschrieben: So 12. Jan 2025, 20:17
Hallo @peterpan1337 und herzlich willkommen im Forum!
Ich habe unterschiedliche Umbauten vorgenommen. Den 72v /40Ah-Akku habe ich fest verbaut. Das ist aber die maximale Herausforderung, weil auch Controller und Display getauscht werden müssen. Den Roller fährt meine Frau. Das Ding ist zuverlässig, schnell und spritzig, aber wie gesagt: aufwendig.
Bei dem anderen E-Cruzer habe ich Batterien mit BMS in China gekauft. Sie passen in das Originalgehäuse, wenn man innen ein paar dünne Führungen wegflext. Das BMS taugt nichts, daher habe ich ein 16S-Daly mit BT eingebaut, das oben quer genau reinpasst. Der Roller fährt gut mit zwei Akkus, die parallel geschaltet sind.
Der Aufwand ist nicht so hoch, aber man braucht etwas Werkzeug und Geschick.
Ich schau mal, ob ich das genauer dokumentieren kann.
Schöne Grüße, Bertolt
Hi Bertolt,
vielen Dank für deine schnelle & nette Antwort!
Der 72V / 40Ah Umbau klingt mir etwas zu aufwändig.
Wenn du mir ein paar Infos zu der 2. Option geben könntest (Batterien mit BMS in China gekauft. Originalgehäuse, 16S-Daly mit BT ) wäre das super. V.a. welche Akkuzellen genau du gekauft hast.
LG & DANKE

!
Re: ATU E-Cruzer: Alternativer Akku
Verfasst: Fr 17. Jan 2025, 06:57
von techniker1484
Hi,
ich habe das BMS vorsichtig abgelötet, die origial von ATU verbauten Zellen entnommen, dann Anschließend LG MJ1 Zellen in die Zellenhalterverbaut und das BMS wieder angelötet. Die original verbauten zellen hatte neu 2600mAh und die LG MJ1 3500MAh.
Dem nach muss der Akkus jetzt viel besser sein als der neue ATU Akku. Ich kann den Akku laden und er wird auch vom ATU Roller erkannt, hat aber die gleiche Reichweite, ich komme damit nur soweit wie der Alte AtU Akku vor der Reparatur. Jetzt meine Fragen, muss man da was zurücksetzten oder woran liegt es das der Akku nicht die volle Kapazität ausnutzen kann? Muss man da was zurücksetzen?
Oder ist es einfacher das ein anderes BMS zu verbauen welchen offen ist (Dali oder JK BMS) ?
Wäre euch sehr dankbar. Der Zellentausch ging schenell, ca 5h aber mit dem BMS muss ich jetzt eine Lösung finden
Bitte helft mir.
Danke
Re: ATU E-Cruzer: Alternativer Akku
Verfasst: Fr 17. Jan 2025, 17:50
von EEKFZ
techniker1484 hat geschrieben: Fr 17. Jan 2025, 06:57
...
Jetzt meine Fragen, muss man da was zurücksetzten oder woran liegt es das der Akku nicht die volle Kapazität ausnutzen kann? Muss man da was zurücksetzen?
Oder ist es einfacher das ein anderes BMS zu verbauen welchen offen ist (Dali oder JK BMS) ?
...
Das lässt sich pauschal bei einem BMS, auf dessen Einstellungen Du keinen Zugriff hast, nicht beantworten, weil die Art und Weise der SOC-Berechnung von BMS zu BMS variiert. Manche BMS benötigen tatsächlich in ihren Einstellungen eine Information zur theoretisch nutzbaren Kapazität in Ah. Andere rechnen ungenauer über die Spannung. Und da Du ja keine Spannungsveränderung, sondern lediglich eine Kapazitätsveränderung vorgenommen hast, sollte es grundsätzlich auch mit dem alten BMS funktionieren, aber um hier eine verlässliche Aussage treffen zu können, muss man das BMS kennen.
Wenn Du aber schon Geld und Zeit investiert hast, um neue Zellen zu verbauen, hätte ich Dir auf jeden Fall empfohlen, auch ein neues Bluetooth-BMS zu installieren, das Du selbst konfigurieren und genau an die neue Situation anpassen kannst. Aber vielleicht kann Dir ein anderer User hier auch zum Original-BMS einen Tipp geben. Ich baue zwar Akkupacks, aber kenne Deinen E-Roller und damit den Akku und dessen BMS nicht.