Mag daran liegen, dass die letzten zehn Jahre meiner Zweiradkarriere auf dem Motorrad waren, aber ich finde das echt krass, was einige Leute hier an Schutzkleidung tragen, bzw. nicht tragen und sogar anderen Leuten empfehlen! (Bei Reifen das gleiche)
Aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich sagen, man kann noch so vorsichtig fahren, irgendwann kommt der Linksabbieger, der den Roller nicht sieht. Vielleicht erwischt es dich, vielleicht deinen Nachbarn, aber es passiert, egal wie vorausschauend man fährt.
Ich bin zwar der Meinung, dass es beim (45km/h-)Roller andere Anforderungen an die Schutzkleidung gibt, aber groß sind die Unterschiede nicht.
Die Unterschiede ergeben sich daher, dass bei maximal 60km/h die Kleidung bei weitem nicht so abriebfest sein muss, wie auf dem Motorrad, gleichzeitig ist aber die Prell- und Quetschsicherheit noch wichtiger, weil die typischen Einsatzgebiete eines Rollers nunmal Stadt und Hauptverkehrszeit sind.
Helm:
Beim Motorrad ist ein Integralhelm Pflicht, möglichst leicht, so fest sitzend wie es geht.
Beim Roller ist ein Jethelm mit Kinnbügel auch okay, die Kollisionen bei Rollergeschwindigkeit schafft der, durch die oftmals bessere Sicht erhöht man sogar die aktive Sicherheit. Sonnenblende, ebenfalls für die aktive Sicherheit ist sehr gut, das höhere Gewicht nicht schlimm, wieder wegen der geringeren Geschwindigkeit. Helmverschluss sehr eng stellen, sonst fliegt der Jethelm ab!
Mein Helm für alles: Integralhelm Shoei XR1100 mit neongelben Streifen, in der Hoffnung dass es hilft.
Handschuhe:
Selbst bei geringsten Geschwindigkeiten zerreibt man sich auf Asphalt die Hände, Handschuhe müssen einfach sein.
Dabei sollten es auch richtige Motorradhandschuhe sein, die am Handballen eine Abriebverstärkung haben.
Dünnes Leder bringt nichts, das ist zwar abriebfest, reisst aber einfach durch, habe ich sogar bei billigen Motorradhandschuhen schon erlebt.
Ich habe für warme Temperaturen ein paar Lederhandschuhe von Held, mit Abriebverstärkung aus Rochenhaut.
Für Regen und/oder kalte Temperaturen habe ich ein paar Textilhandschuhe mit Membran.
Schuhe:
Hier gilt im Prinzip das gleiche wie bei den Handschuhen, das müssen richtige Schutzschuhe sein.
Beim Roller darf es ein bischen weniger sein, wenn's unbedingt nötig ist, es gibt spezielle Turnschuhe mit Knöchelschutz.
Ich trage immer meine Daytona Touring Star GTX (oder so), die haben mir bereits einmal den Fuß gerettet. Mir ist ein Auto quer ins Motorrad gefahren (Auto Linksabbieger, ich Schlenker nach rechts). Das war bei meinerseits unter 30km/h, das Auto Anfahrgeschwindigkeit.
Mein Fuß und Knöchel war komplett blau und auf die Dicke meines Oberschenkels angeschwollen.
Hätte ich Turnschuhe angehabt, wär mein Sprunggelenk Matsch gewesen, so waren es nur ein paar Jahre schmerzen, die mittlerweile komplett weg sind.
Oberkörper/Jacke:
Hier kann man beim Roller ein paar Abstriche machen. Leder ist nicht nötig, Textilmotorradjacken tun es problemlos, wenn Protektoren drin sind.
Ich trage aber immer meine Daynese Lederjacke, habe halt nichts anderes. Wenn es kalt oder nass ist kann ich kurzfristig noch eine Regenjacke drüberziehen. Ein Futter für innen habe ich auch noch. Wenn es zu warm wird hilft es meistens, den Reisverschluss zu öffnen, wenn nötig mache ich das bis zu zwei Drittel, da kommt dann prima Fahrtwind rein. Über 30~35° ist das natürlich zu warm, aber das ist meiner Meinung nach mit egal welcher Bekleidung so, da fahr ich eh lieber mit der Bahn oder dem Auto.
Ich kann es nicht nachvollziehen, wie man überhaupt ohne Jacke fahren kann, ich fühle mich dabei unwohl. Mit dem Motorrad habe ich schon Insekteneinschläge erlebt, die durch die Lederjacke noch weh getan haben, aber zugegeben, das war bei 100km/h.
In jedem Fall ist ein Nierengurt absolute Pflicht, auf dem Motorrad nutze ich statt Nierengurt einen Wirbelsäulenprotektor von Daynese, da ist der Nierengurt mit dran.
Hose:
Auf dem Motorrad natürlich Lederkombi, oder wer dran glaubt eine Textilkombi.
Auf dem Roller ist eine Textilhose mit Protektoren das Optimum, Leder braucht man nicht. Ich selbst verzichte in der Stadt darauf und trage nur eine Jeans mit Kevlarverstärkung. Mit den hohen Stiefeln unten und der Lederjacke oben ist da nur noch die Hüfte gefährdet, da kommt man eigentlich mit Prellungen davon.
Dieses Outfit ist auch absolut alltagstauglich. Die Jeans kann man den ganzen Tag tragen, Unterschied sieht keiner. Die Stiefel kann man unter der Jeans verstecken, das merkt man auch kaum, ggf. Schuhe wechseln wenn nötig.
Helm und Kleinkram kommt ins Topcase, die Lederjacke ist als einziges eindeutiges Erkennungsmerkmal übrig, an den meisten Arbeitsorten hat man aber eine Garderobe, wo man die einfach wegpacken kann.