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Hausmittel bei Lagergeräuschen/defekten Radlagern hinten

Verfasst: Mi 17. Dez 2025, 15:56
von Parkhausblinker
Das Radlager ein Verschleißteil sind, die eine begrenzte Lebensdauer haben, sollte niemanden Überraschen. Bei meinem EK1 hat sich schleichend ein schleifendes Geräusch entwickelt, welches vom hinteren Radlager kam. Diese sind leider nicht als Ersatzteil bei Horwin geführt und ich bezweifle auch dass sich jemand findet der einen Austausch vornehmen würde. Bei dem Preis eines Ersatzrades, ist entspricht das also einem wirtschaftlichen Totalschaden.
Ich habe also versucht das Problem selbst in die Hand zu nehmen. Hier die Vorgehensweise (10 Schritte) mit Gesamtkosten von ca 30 € und so 2 Stunden Arbeit.
1. Hinterrad wird ausgebaut: Akku raus, Sitzbank und die Plastikschüssel darunter raus. Kabelbinder des Strangs zum Hinterrad lösen und einen Stecker sowie die Schraubverbindung der Stromversorgung am Steuergerät lösen. Seitenverkleidung der Schwinge hinten lösen (Schrauben hinter den grauen Plastikabdeckungen). Bremssattel ab und sichern (Sperrholz zwischen die Beläge). Dann kann die große Radmutter (27er Schlüssel) und die Sicherungsschraube auf beiden Seiten gelöst werden und dann das Rad entnommen werden.
(Auf der Achse sind Distanzhülsen und Unterlegscheiben. Man sollte sich merken wie die draufgehören. Hab ich damals nicht gemacht als der Reifen fällig war. Musste also beim Einbau raten)
2. Die Halterung vom Bremssattel muss von der Achse runter. Saß bei mir ziemlich fest, aber mit einem Schenkel einer langen Schraubzwinge lässt sie sich vorsichtig abhebeln.
Halter von Bremssattel
Halter von Bremssattel
3. Alle Inbusschrauben (5er glaube ich) ab, die die Nabe mit der Felge verbinden. Radmuttern wieder am Ende der Achse aufschrauben um das Gewinde nicht zu beschädigen
4. Jetzt kommt der unheimliche Teil. Man legt ein Holzbrett auf den Boden und knallt das Rad mit der Achse drauf. Ich hab das bei Youtube jemanden machen sehen und dachte erst das geht schonender aber es funktioniert tatsächlich nur so. Die "Aluteller" poppen so easy ab. Die Achse mit dem Stator wird ziemlich stark in dem Magnetfeld der Permanentmagnete an der Felge gehalten. Ich würde da nicht die Finger dazwischen bekommen wollen. Das Kabel lässt sich easy durch den entsprechenden Nabenteller fädeln. Der Stecker kann dranbleiben.
Nabe von Innen
Nabe von Innen
Stator auf Achse
Stator auf Achse
5. Man sucht sich aus der Kiste mit den Kugellagern ein passendes Ersatzteil raus oder bestellt halt welche. Hab die Wellendichtringe auch getauscht.
Man benötigt:
Lager: 6007-2RS und ein 6205-2RS (steht RS drauf ist aber 2RS)
Dichtungen: 35x45x7 FPM und 25x45x7 NBR (keine Ahnung warum eine NBR ist und eine FPM)
Defektes Lager vs Ersatzteil
Defektes Lager vs Ersatzteil
6. Während man die Dichtungen mit einem kräftigen Schraubendreher leicht rausbekommt, machen die Lager nicht freiwillig mit. Ich habe die Aluscheiben gleichmäßig mit einem Gasbrenner erwärmt (so ca 80 °C) und dann mit einem Hartholzklötzchen und einem Gummihammer die Dinger rausgeklopft. Die Teller dazu auf eine ebene Werkbank legen. Soll sich nichts verziehen.
7. Die neuen Lager im Gefrierschrank lagern, Klebereste von Felge und Nabe entfernen und die Buchsen für die Radlager vorsichtig blank putzen. (Man möchte nicht zuviel abtragen, aber sollte glatt sein. Hab eine Messingbürste für den Akkuschrauber verwendet)
8. Vor dem Einpressen der Lager die Teller wieder erwärmen. Hab dann auf das Lager ein Hartholzbrett gelegt und das ganze auf der ebenen Werkbank mit 3 großen Schraubzwingen eingepresst. Wenn das Lager verkantet bewegt es sich nicht rein. Mit 3 Schraubzwingen kann man gleichmäßig runterschrauben.
Lager einpressen
Lager einpressen
9. Wellendichtungen einsetzen (Gummihammer). Die Verbindung von Felge und Nabe war mit einer Art Silikon verklebt. Ich hab Curil T2 genommen das lässt sich im Zweifel einfach lösen und ist angeblich für Sensoren safe. 2 Würstchen von ca 0.8 mm auf die Felge und dann alles zusammengesetzt und die Inbusschrauben gleichmäßig ranziehen. Das Dichtmittel ist ganz leicht rausgepresst worden und zwar ringsrum. War also vermutlich die richtige Menge. Hab mit 10 nm festgezogen, weil ich die Gewinde nicht durchdrehen wollte aber auch fest genug damit sich nichts löst.
10. Rad wieder im Roller einbauen. (Vielleicht kann mir mal einer die korrekte Anordnung der Distanzhülsen auf der Achse mitteilen). Profitipp: Tagsüber arbeiten, spät abends verliert man leicht eine Schraube im dunklen Hof.

Bin mittlerweile 500 km gefahren und das Geräusch ist weg.
Anbei noch ein paar Fotos. Viel Spaß beim Schrauben.

Re: Hausmittel bei Lagergeräuschen/defekten Radlagern hinten

Verfasst: Mi 17. Dez 2025, 17:58
von rainer*
Ich öffne bei dem alten Lager den Außenring mit der Flex oder dem Meißel, schmeiße das Innenleben raus und benutze den Außenring als Einpresswerkzeug. Damit ist garantiert, das beim Einpressen keine Kraft auf den Innenring gelangt. Wenn z.B. das von Dir benutzte Holz drückt man dann vielleicht doch mit auf den Innenring.
Die Wellendichtringe sollte man immer mit machen. Die kosten nicht viel und wenn der kaputt geht, ist das Lager auch bald tot. Für die gibt es für verschiedene Umgebungsbedingungen (Hydrauliköle, höhere Temperaturen) verschiedene Kunststoffe. Ob das jetzt für das Hinterrad erforderlich ist, weiß ich nicht. Mir wäre da ein Wellendichtring lieber, der über eine zusätzliche Staublippe verfügt - das erhöht die Lebensdauer. Beim Kauf sind das z.B. die Dichtringe mit dem Zusatz BASL.
Den Raum zwischen Lager und Wellendichtring mit Fett füllen. Auch das dichtet etwas das Lager ab und hält das Wasser (eine Weile) draußen. Sobald Wasser oder Salzwasser am Lager angekommen ist, rostet es und das war es dann...

Zu den Kleberesten: Manchmal sind die Lager eingeklebt - vielleicht auch nur, weil schon mal jemand dran war. Manchmal ist der Lagersitz so verschlissen, das das Lager locker sitzt und sich mit drehen könnte. Schnell und schlampig kann man den Lagersitz mit einem Körner etwas anrauen, es funktioniert - aber keine Garantie, das es dauerhaft hält. Ansonsten gibt es dafür extra Fügekleber dafür (z.B. Loctite 638).

Re: Hausmittel bei Lagergeräuschen/defekten Radlagern hinten

Verfasst: Mi 17. Dez 2025, 18:09
von Goggl
Vorbildlich erklärt und Fotodoku angelegt, prima..... und jetzt nochmal das Ganze für den NIU Ngt bitte.....plus Angaben der Lager und Wellendichtringe....

Re: Hausmittel bei Lagergeräuschen/defekten Radlagern hinten

Verfasst: Mi 17. Dez 2025, 18:23
von Fasemann
Ich hatte wohl Glück , bei mir blieben die Lager in den Deckeln.

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