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E-Retro Blei Umbau auf LFP

Verfasst: Mi 28. Jan 2026, 15:22
von Dieter F.
Hallo erst einmal,

ich habe mich hier angemeldet um weitere Informationen zu den elektrisch angetriebenen Rollern zu bekommen.

Aber zunächst möchte ich mich vorstellen, mein Name ist Dieter und ich komme aus dem Raum Dülmen. Meine Grundkenntnisse sind eher Bastelarbeiten manchmal auch mit dem Hang zur Perfektion. Geht nicht gibt es nicht, so zumindest meine Denkweise und was ich nicht weiß erarbeite ich mir.

Jetzt zu der eigentlichen Geschichte und mein Vorhaben. Im letzten Jahr hatte ich das Glück einen sehr gut erhaltenen Nova Motors E-Retro zu bekommen. Das Fahrzeug stammte von einem älteren Herrn, der den Roller wohl sehr gepflegt und geschätzt hatte. Noch im Oktober 2025 lief der Roller mit den originalen Akkus 35km. Die Kilometeranzeige stand bei gut 3000km auf der Uhr. So wie ich es verstanden habe wurde der Roller mit einem speziellen Ladegerät geladen, was nicht von Nova Motors stammte. Allerdings konnte ich nur den Roller mit dem originalen Ladegerät erhalten. Im Dezember stellte ich aber fest, dass die Bleibatterien erheblich nachließen. Leider, war ja auch vorauszusehen bei dieser Laufleistung.

Mein Konzept was ich mir dann ausgedacht habe war, dass ich die Bleibatterien durch LFP Zellen ersetze. 20 Stück a. 20Ampere/Stunde und ein BMS oben drauf. Als Ladegerät kommen eine 73 Volt 10 Amp. soweit so gut, es funktioniert sehr gut und selbst kleine Steigungen nimmt das Fahrzeug jetzt sogar bis in die Abregelung der 45km/h. Es wurde fast 30kg an Gewicht über Board geworfen und das Fahrverhalten hat dazu auch einen positiven Effekt. Auf einer ebenen Strecke pendelt jetzt die Tachonadel zwischen 45 und 50km/h. Allerdings weiß ich jetzt noch nichts über eine mögliche Reichweitem da es mir im Moment einfach zu kalt ist um es auszutesten. Ich glaube nicht, dass der Roller viel weiter läuft.
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Das brachte mich auf eine zweite Idee und zwar das Helmfach zusätzlich zu nutzen. Ich möchte also noch einmal das selbige Akkusystem aufbauen und es passt sogar sehr gut dort hinein. Dazu sollte es nicht fest eingebaut werden, nur wenn mehr Reichweite gefordert wird. Allerdings wirft das die Frage des BMS auf. Kann ich zwei voll geladene Module die beide ein eigenes BMS haben parallel einfach darauf schalten?



Gruß Dieter
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Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Verfasst: Mi 28. Jan 2026, 15:44
von freesty
Ja das geht.
Da deine Arbeit sauber aussieht, kriegst du das mit dem 2. Akku auch hin. Einfach parallel schalten. Aber aufpassen, nicht bei zu hohen Spannungsdifferenzen.
Bzw. die BMS Einstellungen konservativ vornehmen, damit bei Überstrom das BMS trennt.

Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Verfasst: Mi 28. Jan 2026, 15:46
von freesty
Kleine Ergänzung, ich würde die Balancer Kabelschuhe über die Busbar Schrauben, um dort möglichst geringe Übergangswiderstände zu haben.

Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Verfasst: Mi 28. Jan 2026, 15:58
von Dieter F.
freesty hat geschrieben: Mi 28. Jan 2026, 15:44 Bzw. die BMS Einstellungen konservativ vornehmen, damit bei Überstrom das BMS trennt.
dass heißt???

Danke für die Antwort. Muss ich noch etwas am BMS einstellen? Das Teil kann 100 Amp. bei maximaler Leistung fließen etwas über 30 Amp. mehr geht wohl nicht, ist wohl begrenzt. Hab ich so auf der App gesehen. Dann könnte ich es versuchen zu verkleinern, ich brauche den fetten Strom ja nicht. Die Sicherung ist 40 Amp.

Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Verfasst: Mi 28. Jan 2026, 16:51
von Fasemann
Sehr schönes Projekt, ich habe auch eine Nova , der hatte 250 km runter und Das Blei war tot.
viewtopic.php?t=27724

Jetzt Standardakku aus China, aber Controller offen :shock:

Zum Thema 2 Akkus gibt es mehrere Ansätze, 2 BMS und das ganze mit der App kontrollieren.
Einfach beide gleich laden , zusammen klemmen und regelmäßig messen ob es Drift gibt.
Es gibt Controller zum zusammen schalten von 2 Akkus.

Ich habe das hier gerade auf AliExpress gefunden:
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https://a.aliexpress.com/_EIl7aKu

Ich habe in meinem Tisto 2 Akkus mit 2 BMS und dem "Mischer" zum gleichmäßigen belasten der Akkus.
viewtopic.php?t=39875

Im aktuellen Projekt UNU aus 2016 will ich einfach beide Akkus mit einem Y- Kabel verbinden .
viewtopic.php?t=13405

Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Verfasst: Mi 28. Jan 2026, 20:37
von STW
Erstmal ein herzliches Willkommen, Selbstbau finde ich immer gut.

"20 Stück a. 20Ampere/Stunde"

An dieser Stelle will ich leicht vorsichtige Kritik üben.

Fangen wir mal mit der Reichweite: Du hast ca. 1.4KWh Kapazität. Damit würde ich die Reichweite zwischen 30-40km schätzen. Bei einem Roller dieser Kategorie dürfte der Stromverbrauch mit 4-5KWh auf 100km je nach Strecke, Fahrweise usw. zu kalkulieren sein (am besten mal mit einem Energiekostenmessgerät die Ladevorgänge mitschneiden, als Schätzmeter reicht ein billiges für unter 20€). Nun hast Du anscheinend ein gutes BMS, das zuverlässig gegen Unterspannung schützen dürfte. Trotzdem würde ich aus Lebensdauergründen die Zellen nur auf 20-30% entladen, so dass ich Reichweitenversuche nur von ca. 25 - 30km empfehlen würde in der täglichen Nutzung. Im Winter würde ich nochmals um 20-30% reduzierte Reichweite ausgehen, LFP ist recht temperaturempfindlich.

Die Zellen sehen gut aus, aber aussagekräftiger ist natürlich ein Datenblatt. Du ziehst 1.5C aus den Zellen, was für manche Zellen schon grenzwertig ist.

Ich würde eher in Richtung Neuaufbau des Akkusystems mit doppelter Kapazität gehen, d.h. immer zwei Zellen parallel schalten und weiterhin mit nur einem BMS arbeiten. Damit sind dann eine Menge Probleme gleichzeitig gelöst:
- geringerer Innenwiderstand, trotz des Mehrgewichts dürfte der Roller spritziger werden
- C-Last halbiert auf gesunde 0.75C
- Winterbeständigkeit erhöht
- Reichweite erhöht
- flache Ladezyklen, was der Lebensdauer der Zellen nutzt

Der Aufbau sieht richtig sauber aus (war bei mir damals eigentlich gut funktionierender Pfusch :D), aber die Empfehlung des Vorposters freesty würde ich umsetzen: Zelle-Zellverbinder-BMS-Abgriff-Mutter. Bei den hohen Strömen kann sonst durch Übergangswiderstände unangenehme Punkthitze entstehen, und plötzlich wundert man sich über Leistungsverluste und ausgeglühte Schrauben (ich spreche da aus Erfahrung ...).

Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Verfasst: Mi 28. Jan 2026, 21:32
von Peter51
Das Jikong BMS hat keine einstellbare Strombegrenzung. Meine Empfehlung ist jedem Akku einen 40A Leitungsschutzschalter spendieren. Bewaehrt hat sich der ABB S201C40.
Schaltet man zwei 20Ah Akkus parallel ergibt sich der gleiche Innenwiderstand wie beim 40Ah Akku.

Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Verfasst: Do 29. Jan 2026, 00:11
von freesty
Keine Strombegrenzung?

@Dieter
Genau, 40A würden reichen und eine Überlastung der Kabel und Stecker verhindern.
Du kannst die restlichen BMS Einstellungen hier posten.

Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Verfasst: Do 29. Jan 2026, 15:00
von Dieter F.
Hallo zusammen,

kleine Ergänzung und die Busbar Muttern sind Self-Lock-Nuts. Das heisst, dass keine Unterlegscheiben etc. auch nicht ein Kabelschuh darunter liegen darf, da sonst die Wirkung der Mutter als Klemmfunktion aufgehoben werden würde. Bei einer möglichen Unterlegscheibe darunter, vielleicht aus Unwissenheit oder weil man meint es ist besser, gibt es keine Klemmwirkung mehr der Mutter, da diese ja nur auf der Unterlegscheibe klemmen würde und nicht auf der Busbar die steif ist und sich nicht verdrehen kann. So zumindest meine Auffassung der Materie. Alle Zweifel darüber erhaben, schraubt man eine Polystoppmutter darauf. Das kann man machen wie man möchte, wichtig ist das es hält. Das Bild zeigt nur provisorisch die Montage, da ich die Abstände der Kabelschuhe mit in das Maß der Konstruktion nehmen wollte.

Eigentlich war der E-Retro eine kleine Enttäuschung für mich, gerade weil sich kurzfristig die Bleiakkus verabschiedet haben. Ich bin damit zweimal 35km am Stück gefahren und er wurde auch sofort geladen. Der restliche Verlauf waren nur wenige Kilometer bis ich dann gemerkt habe es gibt kein Strom mehr. Ein Bleiakku war defekt zumindest konnte ich es so lokalisieren. Die Zahlen auf den Akkus verrieten mir, dass diese aus dem Jahr 2020 waren. Ich überlegte mir neue Bleiakkus oder gleich einen Umbau starten ohne große Vorkenntnisse. Es gab einige Frage und als Hardware baute ich diese Typen ein: BMS - B6A20S10PR. LFP - EVE C40 40135 - 20Ah.

Das sollte eigentlich genügen um die Bleiakkus zu ersetzen. Um die LFP Batterien zu entlasten und eine mögliche Reichweitenerhöhung kam mir eben ein zweites Batteriemodul in den Sinn. Der Kostenfaktur spielt hier eine Rolle, da ich für gute 200Euro keine Bleiakkus bekomme. Dazu tritt man wieder in die selbige Tretmühle und mein System kann ich reparieren und hält hoffentlich länger. Dazu gab es noch eine Überlegung dieses mit NMC Zellen, aber diese passen nicht so gut zum verbauten Controller. Bei 18 Zellen liegt der Spannungswert deutlich über die 75.6 Volt (Bleiakku Ladeschluss 73.5max) Entladen der NMC bei 18 Zellen 54 Volt. Das würde unterhalb passen aber oben nicht. Bei 17 NMC Zellen voll 71.4 und darunter 51. würde der Controller zu früh abschalten und der Rest kann nicht genutzt werden. Also irgendwo dazwischen funktioniert es schon aber aus meinem Gedankengang nicht vollumfänglich. Die LFP passen von den Spannungswerten besser zum verbauten Controller. Der verbaute 12Volt Regler glänzt mit der Aufschrift maximal 72Volt. Schön dachte ich mir, das passt ja auch nicht zu der maximalen Ladung der Bleibatterien. Entweder kann der mehr als der Hersteller es aufgedruckt hat oder es ist einfach nur Glück das es hält. Aber das hat ja funktioniert.

Für eine Kiste Bier habe ich jetzt einen tollen Lerneffekt, 200 Euro ärmer ein elektrisches Moped was ich noch austesten möchte und eine neue Bastelarbeit. :D

Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Verfasst: Do 29. Jan 2026, 15:29
von Dieter F.
noch mal ein paar Bildchen des Umbaus.
Die nackte Konstruktion ohne Aluwinkel und montierten BMS. Diese besteht nur aus zwei Holzteilen mit entsprechenden Bohrungen die die Zellen aufnehmen. Das alles passt eins zu eins in die Metallwanne wo ursprünglich drei der Bleimonster steckten. Mit dem zerlegen der Karosserieteile hatte ich mehr Probleme da alles geklammert ist und man muss schon aufpassen das einem die Plastikteile nicht abbrechen. Der Powerknopf für das BMS fand unterhalb der Ladebuchse seinen Platz. Sieht aus wie original, fährt sich spritzig aber ich weiß nicht wie lang. Werde das noch nachreichen.
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Passt es oder passt es nicht?
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Es passt!
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So sollte es montiert werden.
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Alles raus was Blei heißt.
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