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Ultra Bee als Pendler mit 17 schlau?

Verfasst: Sa 19. Sep 2026, 13:26
von technorail
Hallo zusammen

ich bin 17, mache eine Lehre im Kanton Aargau und überlege, mir eine Sur-Ron Ultra Bee (L3e, Kat. A1, Version mit All-Terrain-Reifen) zu kaufen. Ich möchte sie als Daily nutzen.

Meine Situation:
    Arbeitsweg: ca. 22 km einfach, Landstrasse und ein Stück Stadt
      1 bis 2 Tage pro Woche Berufsschule, ca. 8 km einfach
        Ausweis (A1) mache ich erst, also Nothelfer, Theorie, Grundkurs und Prüfung
          Preis: ca. CHF 5600 (Direktimport aus Deutschland)

          Warum die Ultra Bee: Ich mag die Beschleunigung, sie hat wenig Wartungsaufwand und Laden ist günstig.

          Meine Bedenken:
            Grip bei Nässe auf All-Terrain-Reifen (ich habe an den Metzeler Roadtec 01 in Originalgrösse gedacht)
              Winterbetrieb: Kälte, Reichweite, Schmutz
                Bremsen: ich habe nicht sicher gefunden, ob sie ABS oder CBS hat
                  Versicherung für einen 17-Jährigen und Reifenverschleiss
                    Ich kenne die BFU-Zahlen zu jungen Töff-Lenkern (bfu.ch) und nehme sie ernst

                    Meine Fragen:
                      Hat jemand Erfahrung mit der Ultra Bee oder einer anderen Sur-Ron im Schweizer Alltag, auch im Winter?
                        Ist sie als erstes Motorrad sinnvoll, oder wäre eine normale 125er oder ein E-Roller vernünftiger?
                          Was zahlt ihr als Junglenker für die Haftpflicht, und bei welcher Versicherung?
                            Hat jemand im Aargau andere Strassenreifen eintragen lassen?
                              Würdet ihr an meiner Stelle warten und zuerst den Ausweis und etwas Fahrpraxis sammeln?

                              Ich bin offen für Gegenargumente. Danke im Voraus!

                              Re: Ultra Bee als Pendler mit 17 schlau?

                              Verfasst: Sa 19. Sep 2026, 15:55
                              von Alex_ING
                              Zum Thema Schweiz kann ich nichts sagen, aber ein wenig zur Alltagsnutzung. Wartungsaufwand ist wirklich echt niedrig, das einzige was regelmäßig anfällt ist das schmieren der Kette. Nimmt man Schmiermittel wie ich z.B. das Motul C3 wird so gut wie kein Dreck angezogen und man muss nur alle paar mal die Kette reinigen. Sonst reicht zwischendurch wirklich nur das nachschmieren. Die originale Kette taugte bei mir nicht viel und kam nach 2000km raus. Jetzt ist eine DID VX3 verbaut und die macht sich besser.
                              Meine hat jetzt seit mitte Juni knapp 3000km runter ohne Ärger zu machen. Ich habe auch die Road und bin mit den Reifen eigentlich zufrieden, fahre zu 90% nur Straße und ab und zu mal einen Feldweg. Die Reifen sollen rund 5000km bis 6000km halten sagte man mir. Aber das wird deutlich mehr, viel hat sich noch nicht abgenutzt. Als es die letzten male etwas frischer um die 10°C war konnte ich noch keinen negativen Einfluss auf die Reichweite spüren. Stadt und Land bin ich im Mix unterwegs und komme knapp 80km mit einer Ladung. Im reinen Stadtbetrieb sind es tatsächlich um die 100km.
                              Was sich bei höheren Geschwindigkeiten negativ auf die Reichweite auswirkt sind Seitentaschen oder Seitenkoffer. Auf der Landstraße so ab 80km/h nuckelt es dir richtig den Akku leer. Da ich oft mit Gepäck unterwegs bin und sie auch zum einkaufen nutze ist jetzt ein wasserdichtes Topcase drauf. Das ist ein absoluter Traum und super praktisch! Bin ja gespannt wenn es jetzt richig kalt wie sie sich dann schlägt. Sie bleibt dann nur stehen wenn die Straßen salzig und/oder vereist sind.
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                              Grüße
                              Alex

                              Re: Ultra Bee als Pendler mit 17 schlau?

                              Verfasst: Sa 19. Sep 2026, 16:30
                              von technorail
                              Moin Alex

                              Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Der geringe Wartungsaufwand der Ultra Bee ist mit einer der grössten Pluspunkte der für die Ultra Bee und generell E-Motos spricht. Jetzt noch zur Notwendigkeit oder wie schlau es ist, die dann mit 17 Jahren zu fahren. Ist es ein anfängerfreundliches Bike auch mit dem unfassbar starken Drehmoment und würdest du mir eine Vollkasko dafür ans Herz legen? Ich zerbreche mir gerade den Kopf darüber da ich in der Schweiz Vollkasko über 1000 Franken pro Jahr zahle.

                              Grüsse
                              Nevio

                              Re: Ultra Bee als Pendler mit 17 schlau?

                              Verfasst: Sa 19. Sep 2026, 19:59
                              von Evolution
                              Kommt drauf an, wieviel Schaden Du dir zutraust. Bist Du ein Draufgänger oder eher ein verhaltener Fahrer.

                              Re: Ultra Bee als Pendler mit 17 schlau?

                              Verfasst: Sa 19. Sep 2026, 20:46
                              von technorail
                              Ich weiss jetzt nicht wie gut sich das übertragen lässt auf E-Motos aber in der Oberstufe fuhr ich jeden 4 mal am Tag in die Schule mit dem Fahrrad und ich habe in dieser Zeit sehr viele Unfälle vermeiden können durch hohe Aufmerksamkeit im Strassenverkehr. Ich halte auch nicht viel von diesen Leuten die mit 95 in der 50er Zone fahren und bin ein Typ der sich gern an Regeln hält

                              Gruss
                              Nevio

                              Re: Ultra Bee als Pendler mit 17 schlau?

                              Verfasst: Sa 19. Sep 2026, 21:02
                              von didithekid
                              Hallo technorail und willkommen im Forum,

                              so wie Du deine Fragen hier stellst, klingt das für mich nicht nach einem Draufgänger-Typ, der alle Risiken ignorierend, das eigene Schicksal herausfordert.
                              Die Frage, die Du dir stellen solltest: Wie gut und sicher kannst Du mit einem Mountain-Bike umgehen? Wenn Du jetzt auf eine motorisierte Art des geländetauglichen-Zweirads umsteigen willst, wäre eine Vorerfahrung ja nicht schlecht. Mit Sitzhöhe 85 cm als Anfänger klar zu kommen, wird durch lange Beine erleichtert. Ich gehe aber davon aus, dass Du für dich bewusst eine Ulta Bee ins Auge gefasst hast, auch wenn Andere auf dem Weg zur Arbeit einen niedrigen Motorroller mit Stauraum für ihren Mittagsproviant wählen würden. Den Tipp von Alex mit dem Top-Case solltest Du trozdem ernst nehmen. Am Ziel: Tasche raus und Helm rein. Rückfahrt: Helm raus und Tasche rein.

                              Metzeler ROADTEC 01 ist - glaube ich - ein reiner Straßenreifen bzw. Tourenreifen.

                              Die Ultra Bee hat offenbar Traktionskontrolle (was dir bei feuchter Fahrbahn den A.. retten könnte), aber sie hat wohl kein ABS (-> CBS ist dann Pflicht). Aber ABS hatte dein Mountain-Bike bisher wahrscheinlich auch nicht. Man muss dann eben selbst lernen richtig zu Bremsen, wenn diese Hilfe nicht eingebaut ist.
                              Egal ob nun Enduro-Motorrad, Super-Moto, Straßen-Motorrad oder Roller. Wenn Du dich nicht schon direkt in den ersten Wochen auf die Nase legst, lernst Du mit 17 Jahren so schell das Fahrzeug zu beherrschen, dass etwas mit 45 km/h auf Dauer nur frustrieren würde.
                              Klar, wenn Du zukünftig mit 80 km/h unterwegs bist und dabei Fehler machst, siehst Du das was gleich höllisch weh tun wird, viel scheller auf dich zukommen. Solche Fehler müssen halt vermieden werden. Eine Vollkasko kann Dir nur den selbstverschuldeten Schaden am Motorrad ersetzen, nicht aber den Schaden an der Gesundheit. Fährst Du so, dass Du gar nicht erst riskierst selbsverschuldet die Straße zu verlassen oder in eine Kollision zu geraten, mag auch die Zusatzprämie für die Vollkaskoversicherung nur etwas sein, was die Versicherung reicher macht.

                              Zum Fahren im Winter: Selbst wenn die Temperatur in der Sonne +8°C hat musst Du nach Frost in der Nacht immer noch damit rechnen, dass im Waldschatten eine vereiste Stelle auf der Fahrbahn sein kann. Ab 0°C kann es natürlich überall vereist sein und auch auf Straßen mit Streusalz ist nich immer zu erkennen, ob noch salznass oder schon vereist. Im Auto hat man vier Räder und drei mit Gripp reichen. Mit dem Zweirad reicht es nicht mehr, wenn nur noch ein Rad Gripp hat. Dann braucht man die Volkaskoversicherung.

                              Ein Akku mit 74 Volt 60Ah sollte im Sommer für gut 70 km Landstraße reichen und im Winter zumindest für 50 km. Die Ultra Bee erfüllt deine Bedingungen also perfekt.

                              Viele Grüße
                              Didi

                              Re: Ultra Bee als Pendler mit 17 schlau?

                              Verfasst: Sa 19. Sep 2026, 21:30
                              von technorail
                              Hallo Didi

                              Vielen vielen Dank für diese tolle und ausführliche Antwort. Ich kann jetzt sagen, dass du endlich mal Licht in die Dunkelheit gebracht hast. Danke vielmals dafür. Bezüglich der Sitzhöhe bin ich gerade um die 176, Tendenz eher gegen oben, da ich zurzeit erst 16 bin (hab es leider im originalen Post falsch angegeben) und bin der Typ bin, der sich extrem mit etwas befasse, bevor ich es überhaupt in Erwägung ziehe.

                              Die Metzeler Roadtec 01 sind mir auch schon mehrmals ins Auge gestochen das sie mir mehrmals als Strassenreifen vorgeschlagen wurden und sie perfekt für den ausschliesslichen Strassengebrauch passen würden.

                              Ich glaube, für die ersten 1-2 Jahre würde ich trotzdem bei einer Vollkasko bleiben und danach nach genügend Fahrerfahrung auf eine Teilkasko wechseln, was die Prämie stark runterdrückt.

                              Vielen Dank nochmals für die ausführliche Unterstützung und einen schönen Abend.

                              Liebe Grüsse
                              Nevio

                              Re: Ultra Bee als Pendler mit 17 schlau?

                              Verfasst: So 20. Sep 2026, 00:53
                              von Alex_ING
                              Noch mal ganz kurz das Thema Gepäck.
                              Ich fuhr zuvor immer nur Seitentaschen oder Rucksack. Dann wollte ich ein Topcase das man schnell abnehmen und wieder montieren kann, hätte ich doch nicht gebraucht. Das Ding ist immer drauf und vom Handling her so viel besser. Optisch ist es natürlich nicht der Knaller, aber jetzt möchte ich nie wieder ohne fahren.
                              Ohne jegliche Erfahrung mit einem motorisierten Zweirad ist die Ultra Bee schon nicht ungefährlich. Das Risiko sich lang zu machen für einen Neuling ist höher. Ich fuhr rund 25 Jahre so einige Mopeds(auch etwas frisiert :D ). Gerade mit der Simson in den letzten Jahren auch einige scharfer 85er Motoren. Das ist aber kein Vergleich mit der Ultra Bee, die zieht gerade von unten bärig an. Es gibt auch Leute die kommen nicht mal mit einem Mofa zurecht?! Am Ende des Tages liegt es am Fahrer.

                              Re: Ultra Bee als Pendler mit 17 schlau?

                              Verfasst: So 20. Sep 2026, 08:28
                              von didithekid
                              Hallo,
                              im Manual der Ultra Bee habe ich mir mal die Einstell-Möglichkeiten angeschaut, mit denen sich das Gerät für die Fahrt auf der Straße "zähmen" lässt.
                              Neben der Traktionskontrolle lässt sich auch das ABS (offenbar hat die Ultra Bee das doch) für die Fahrt auf der Straße ON-Schalten, während es im Geländebetrieb abschaltbar ist. Der Antrieb ist in den Stufen ECO (zahme, stromverbrauchsoptimierte Charakterisik), DAILY, und SPORT einstellbar.
                              Als Anfänger wird ECO wohl ersteinmal die Grundeinstellung sein.
                              Eine Feineinstellung an der Primär-Übersetzung (bevor die Kraft auf die Kette übergeht) ist offenbar auch möglich. Vielleicht kann Alex dazu mehr schreiben?
                              Fahrwerkseinstellungen (Straße/ Gelände) kommen natürlich noch dazu.
                              Alles viel komplizierter, als bei einem Elektroroller; aber die Ultra Bee soll ja auch mehr können, als nur breite Straßen von A nach B zu fahren.
                              Wie Alex schon geschrieben hat: Es hängt vom Talent des Menschen ab, ob ihn schon ein Mofa überfordert, oder ob er ein Zweirad mit erhöhtem Antriebspotetial gebändigt bekommt. Im öffentlichen Straßenverkehr kommen aber noch andere Fahrzeuge wie Autos oder gar LKW als Risikoquelle dazu. Das Gespür dafür, dort lebensbedrohlichen Konflikten aus dem Weg zu gehen, braucht man als Mofa-Fahrer genauso. Mit einem Leichtkraftrad, dass 95 km/h erreicht und Ziele im Umkreis von 40 km um das Ladegerät herum erschließt, wächst das Verkehrsrisiko naturgemäß an, gegenüber: "mit dem Mofa zum Bahnhof und den Rest mit dem Zug".

                              Aber der Mensch lebte ja auch vor 80.000 Jahren schon mit dem Risiko, den Tag nicht zu überleben, wenn Nachts das Gebrüll der Löwen zu hören war.
                              Wir sind Nachkommen Jener, die es verstanden haben, nicht Opfer der Löwen zu werden.

                              Viele Grüße
                              Didi

                              Re: Ultra Bee als Pendler mit 17 schlau?

                              Verfasst: So 20. Sep 2026, 10:46
                              von technorail
                              Hallo Didi und Alex

                              Danke für deine weisen Worte. Zum Thema ABS habe ich auch etwas gefunden aber es ist so wie es scheint nicht automatisch in der Strassenzugelassenen Variante dabei zu sein. Das was ich in der Anleitung gefunden habe war, dass ein ABS auch bei der L3e immer noch ein optionales Upgrade ist und nur das CBS Pflicht ist.
                              Ich glaube auch wenn man sich genug Zeit gibt um mit dem Bike zu fahren unter keinem Stress wie: „Ich komme zu spät zur Arbeit, ich muss Gas geben“ fahren lernen und am Anfang eher in der Stadt im ECO herumfahren und ein Gefühl für den Gashebel bekommen. Das einzige Problem bei der Sache war ist, dass die erste Fahrt mit dem Bike nach dem Import zur MFK (KFZ-Zulassung) um die 10km pro Weg ist und auch kurze, wenn auch wenige, Landstrassenetappen hat.

                              Und bezüglich der Gepäckbox habe ich mir das noch nie richtig durch den Kopf gehen lassen, wäre aber sicher etwas schlaues für den Arbeitsweg und etwas mehr Gepäck. Muss ich mir mal etwas genauer anschauen.

                              Liebe Grüsse
                              Nevio