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Wiederaufbau von „Wirtschaftlicher Totalschaden“

Verfasst: So 4. Okt 2026, 20:14
von most
Wiederaufbau Teil 1

@blackblade hat seinen wirschaftlichen Totalschaden ja gut beschrieben. @Error hat mich auf den Plan gerufen, da ich an anderer Stelle im Forum die Frage WHAT NEXT? gestellt hatte. Eigentlich habe ich mich schon für einen Vectrix VX-1 entschieden - und dabei bleibe ich auch; Abholung ist kommenden Sonntag.

Dennoch war ich Freitag in Berlin, um den Silence abzuholen. Eine Baustelle nach der anderen; vermeidlich ist der Silence S01 schneller wieder flott… nun ja… wollma ma sehn…

Ein echt netter Tom begrüßte mich an einem traumhaft am See gelegenen Grundstück südlich von Berlin und wir haben uns den Roller angesehen. Kleine Probefahrt war auch drin, aber schon im Vorfeld war ja klar, wo der Hase im Pfeffer lag. Logisch, dass bei der Laufleistung von 25tkm da noch weitere Überraschungen auf mich warten - aber das ist halt das Abenteuer, was ich in WHAT NEXT oben ja definitiv gesucht habe und noch suche!

Kiste nach Abbau von Windschild und Spiegeln verladen; das ganze rückwärts in Hannover. Und dann stand er da.
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Erst mal grob alles reinigen und noch am Freitag habe ich mich dem Akku und der Aufnahme im Roller gewidmet. Fast schon erstaunlich, dass die Akkukontakte 1a sind. Kein Grünspan, nix geschmolzen. Nur jeweils ein Federchen aus den Federkronen rausgebrochen. Ich muss das beobachten, jetzt mache ich da nix. Aber Tom meinte auch, dass er den Akku fast immer im Roller geladen hatte, was bei mir ähnlich sein wird. Dennoch ein Hauch von Kontaktspray drauf, damit das auch so bleibt (ja, die Elektriker unter euch stöhnen jetzt auf!).
Jetzt fluppt der Akku wieder rein- und raus und die Mechanik für die Rollen ist 1a sauber und (gaaanz leicht) geschmiert.
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BTW, jeder hat ja so seine Mittelchen. Ich bin größter Fan von Ballistol Pflegeöl, das löst vieles an und hinterlässt einen leichten Schutzfilm auf metallenen Oberflächen. Dazu kaufe ich bei Bedarf immer mal so 5kg Putzlappen bei Amazon oder eBay; da brauche ich übers Jahr recht viel von.

Re: Wiederaufbau von „Wirtschaftlicher Totalschaden“

Verfasst: So 4. Okt 2026, 20:43
von most
Wiederaufbau Teil 1 (weitergeführt)

Heute ging es dann ans Eingemachte. Erst mal die Werkstattanleitung in der Nähe gehalten!

Erste Überraschung: Die Bremse war total voller zugemptem Bremsstaub. Ja, die Gabel war undicht, das war klar. Aber irgendwann ist wohl mal so viel Öl ausgetreten, dass es die Holme runter zum Bremssattel und auf die Beläge gesifft ist.
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Mit etwas Fantasie kann man sogar die Verschleißmarke erkennen. Als erstes mal Eimer Wasser mit etwas Spüli und die Beläge schrubben.
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Hier war aber schnell klar, dass da neue her müssen.

Bei der Gelegenheit habe ich schnell mal einen Blick in die Ausgleichsbehälter der Bremsarmaturen geworfen... :shock:
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Oha. Das hat großes Potential auf Verstopfung! Muss dringend alles neu. Gut, das erleichtert die Entscheidung, dass ich dann mal die Bremszangen ausbaue und zerlege und revidiere - doch dazu später mehr.

Danach ging's an die Frontpartie - und schon die ersten unerwarteten Problemchen. Die vordere Verkleidung des Beinschildes (gemeint ist die auf der Radseite) ist durch sechs Schrauben im Beinschild (Fahrerseite) verschraubt, wozu auf der Fahrerseite Messingmuttern im Kunststoff umspritzt wurden. Sieht so aus, wenn's keine Probleme macht:
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Und es sieht so aus, wenn es Probleme macht:
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Zwei der sechs Schrauben sind total korrodiert; der Einsatz hat sich im Kunststoff losgedreht und kam mit der Radseite raus. Darum muss ich mich beim Zusammenbau kümmern :roll:

Ich wollte ja noch an die Gabel! Die Baustelle sah zu diesem Zeitpunk so aus:
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Jetzt konnte ich erstmals so richtig die untere Gabelbrücke sehen - das ließ nix Gute erahnen...
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Re: Wiederaufbau von „Wirtschaftlicher Totalschaden“

Verfasst: So 4. Okt 2026, 20:56
von error
Ist das nur ein Kratzer oder ist das was ich denke was es ist? :shock:


Bildschirmfoto 2026-10-04 um 20.54.26.png

Re: Wiederaufbau von „Wirtschaftlicher Totalschaden“

Verfasst: So 4. Okt 2026, 21:04
von most
Wiederaufbau Teil 1 (weitergeführt)

Was augenscheinlich ist: Der Rahmen ist nahezu korrosionsfrei. Es gibt kleine Stellen hie und da, aber ich hatte wirklich Schlimmeres befürchtet. Mal als Beispiel ein Foto vom Kiel - der liegt zwar gut geschützt, aber wenn der erst mal nass ist, wird der auch nicht so schnell wieder trocken - eben weil er ja gut geschützt ist :D .
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Dann die Lenkerverkleidung abgeschraubt - und wie schon unten an den Bremsleitungen, so ist auch hier schnell klar: Die Schutzhüllen sind echt minderwertig und bröckeln ab! Ich muss mal sehen, ob und wie ich das angehe - oder ob ich es aktuell noch so lassen kann. Jedenfalls oben wo der Kabelbinder sitzt, muss da ein Scheuerschutz drum, sonst brutzelt es bald...
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Ausbau Vorderrad und Gabelholme ab ging ohne Probleme. Die Gleitflächen sind nach 25tkm im hervorragenden Zustand - keine Macken, keine Rostpickelchen - was ja durchaus Grund für die Undichtigkeit sein kann. Die Staubschutzkappen sprangen mir geradezu entgegen, aber die Dichtringe nicht. Überhaupt nicht. Also quasi GAR NICHT.
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Ich habe einen Lagerauszieher, der mit Schlaghammer arbeitet. Der taucht durch den Dichtring, wird dann gespreizt und greif von hinten an. Man kann es auf dem Foto erahnen: Da ist kaum Fläche. Dennoch volle Pulle gespreizt, und gehämmert als ginge um mein Leben. Wenns so wäre, dann wär ich jetzt tot und der Thread zu Ende. :lol:
Leider konnte ich nicht mit Wärme arbeiten, da ich die Kunststoff-Holmschutzkappen nicht abbekommen habe. Vermutlich müßte man die aufwärmen, dann abziehen, dann das obere ende der Tauchrohre auf Temperatur bringen... Ich habe mich für die brutale Methode entschieden: Dremeln!
Also GAAANZ behutsam durch das Gummi arbeiten, die beiden Spiralfederringe abnehmen (das sind umlaufende Federn, die die Dichtlippen an den Gabelholm pressen), bis nur der Stahl-Außenring stehen bleibt. Diese VOOOORSICHTIG immer dünner fräsen, bis nur noch ein hauchdünner Rest übrig blieb.
Wärme ging nicht, aber Kälte! Damit die freigedremelte Stelle behandelt - und dann nochmal mit dem Schlaghammer ran. Zusammen mit Rostlöser hat es dann endlich geklappt und der Dichtring war draußen.

Re: Wiederaufbau von „Wirtschaftlicher Totalschaden“

Verfasst: So 4. Okt 2026, 21:18
von error
most hat geschrieben: So 4. Okt 2026, 21:04 Ich habe einen Lagerauszieher, der mit Schlaghammer arbeitet. Der taucht durch den Dichtring, wird dann gespreizt und greif von hinten an. Man kann es auf dem Foto erahnen: Da ist kaum Fläche. Dennoch volle Pulle gespreizt, und gehämmert als ginge um mein Leben. Wenns so wäre, dann wär ich jetzt tot und der Thread zu Ende. :lol:
Leider konnte ich nicht mit Wärme arbeiten, da ich die Kunststoff-Holmschutzkappen nicht abbekommen habe. Vermutlich müßte man die aufwärmen, dann abziehen, dann das obere ende der Tauchrohre auf Temperatur bringen... Ich habe mich für die brutale Methode entschieden: Dremeln!
Also GAAANZ behutsam durch das Gummi arbeiten, die beiden Spiralfederringe abnehmen (das sind umlaufende Federn, die die Dichtlippen an den Gabelholm pressen), bis nur der Stahl-Außenring stehen bleibt. Diese VOOOORSICHTIG immer dünner fräsen, bis nur noch ein hauchdünner Rest übrig blieb.
Wärme ging nicht, aber Kälte! Damit die freigedremelte Stelle behandelt - und dann nochmal mit dem Schlaghammer ran. Zusammen mit Rostlöser hat es dann endlich geklappt und der Dichtring war draußen.
Näh, viel zu kompliziert: großen flachen Schraubenzieher mit Lappen drunter am Rand des Rohres aufgelegt und die Klinge mitten in den Dichtring. Dann einmal kurz und energisch gehebelt und das Teil ploppt raus. Nach dem zweiten oder dritten Dichtring hast du den Bewegungsablauf gespeichtert.

So macht man wenigstens nichts kaputt und produziert auch keine Späne. Keep it simple.

Re: Wiederaufbau von „Wirtschaftlicher Totalschaden“

Verfasst: So 4. Okt 2026, 21:22
von most
Wiederaufbau Teil 1 (weitergeführt)

Zeit für einen Milchkaffee.
Und dem Lenkkopflager. Das mache ich hier kurz: Oberes Lager war ähnliche Methode wie Dichtringe: Lagerauszieher eindrehen, spreizen bis der Arzt kommt und dann hämmern.
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So wie im Foto hat's nicht funktioniert; was aber an meinem Werkzeug liegt. Die Spreitzer sind nicht dünn genug, um ordentlich hinter die Lagersitze zu kommen. Dann muss es eben mit unordentlich gehen - und irgendwann ging der obere Lagersitz raus.

Was lernen wir an dieser Stelle? ALLES dauert IMMER viel Länger, als man so denkt... :lol: Okay, ich geb's zu, das liegt sicher nur an mir und Niemandem von Euch würde sowas passieren. :roll: Oder kennt das doch der eine oder andere? :D

Gut, schauen wir uns mal den unteren Lagersitz an:
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:shock: Oh! Da wurde ja gar kein Lagersitz verbaut, sondern ein Rillenring?!? :lol:
tatsächlich habe ich SOWAS noch nicht gesehen. Das ist nicht die Einwirkung von Feuchtigkeit, sondern eindeutig viel zu weiches Material des Lagersitzes.
Hier habe ich wieder den Spreitzer des Schlaghammers angesetzt - wie schon @Schnabelwesen mal sagte, geht das noch mal eine Spur schlechter als oben, weil der Absatz quasi nicht existent ist. Ein Hauch ist da schon, aber kein seriöser Absatz. Also habe ich auch hier meinen Freund von den Gabel-Dichtringen geholt, die Trennscheibe drauf und vorsichtig den Lagersitz geschwächt. Man kommt sich vor wie ein Kieferchirurg :P .
Am Ende hat sich der Lagersitz zwar gewehrt, aber Spreitzer von unten, und dann mit Verlängerung von oben durch den Lenkkopf mit 500g Hammer sanft massierende Schläge (oder wie nennt man besinnungsloses Draufhämmern?) :lol: - und am Ende kam ich mir vor wie ein Neandertaler, der einen brennenden Ast hochhält und die Bedeutsamkeit des Momentes genießt!
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So, das war's erst mal mit Teil 1! Ich habe etliche Kleinteile bestellt und muss mich morgen um Reifen kümmern. Mit Teil 2 müsst ihr Geduld haben, das wegen der Teile kann dauern...

Re: Wiederaufbau von „Wirtschaftlicher Totalschaden“

Verfasst: So 4. Okt 2026, 21:25
von most
error hat geschrieben: So 4. Okt 2026, 21:18 Näh, viel zu kompliziert: großen flachen Schraubenzieher mit Lappen drunter am Rand des Rohres aufgelegt und die Klinge mitten in den Dichtring. Dann einmal kurz und energisch gehebelt und das Teil ploppt raus. Nach dem zweiten oder dritten Dichtring hast du den Bewegungsablauf gespeichtert.

So macht man wenigstens nichts kaputt und produziert auch keine Späne. Keep it simple.
Das hatte ich als allererstes probiert - wie auch bei den Staubschutzkappen.
Ich hätte Fotos machen sollen: Die Sitze im Tauchrohr hatten Aufblühungen; hier hat Wasser sein Werk getrieben. Habe ich mittlerweile mit einer Dremel-Rotationsbürste gereinigt. :roll:
Wie überhaupt die Suppe, mit denen die Federbeine (Gabel-Federbeine ;) ) gefüllt war, quasi eine Emulsion darstellte. Da ist irgendwie in BEIDE Holme gut Wasser reingekommen!

Re: Wiederaufbau von „Wirtschaftlicher Totalschaden“

Verfasst: So 4. Okt 2026, 21:28
von error
OK, jeder wie er mag, aber das hast du gesehen?

Bildschirmfoto 2026-10-04 um 20.54.26.png

Re: Wiederaufbau von „Wirtschaftlicher Totalschaden“

Verfasst: So 4. Okt 2026, 21:32
von most
error hat geschrieben: So 4. Okt 2026, 20:56 Ist das nur ein Kratzer oder ist das was ich denke was es ist? :shock:
Oh - SEEEHR guter Hinweis! Wäre mir erst bei der Revision aufgefallen...

Re: Wiederaufbau von „Wirtschaftlicher Totalschaden“

Verfasst: So 4. Okt 2026, 21:39
von most
Puhhh! Schwein gehabt!
Es ist tatsächlich kein Riss, sondern eine im ungünstigen Winkel aufgenommen Druckguss-Werkzeugtrennung.
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Bin eben extra nochmal in den Schuppen ... ähh ... in meine Profi-Werkstatt :lol: und nachsehen gegangen.