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Akku laden, wie häufig?

Verfasst: Do 15. Okt 2026, 09:48
von Voyager1964
Ich weiß nicht ob das Thema schonmal behandelt worden ist, gefunden habe ich nichts dazu.

Ich fahre meinen Chopper (M1P, 30 AH Akku ) momentan fast nur Kurzstrecke.
Mal eben 4 Kilometer hier hin, 6 Kilometer dorthin, etc. ......
Wenn der Akku voll geladen war ( 67 V ) ist er danach meistens bei 64 - 65 Volt.
Da der Roller in der Garage steht und für mich der Strom kostenlos ist ( PV - Anlage ), hänge ich den Chopper immer wieder an das Ladegerät, teilweise auch über Nacht.

Ist das eine gute Idee oder schade ich dem Aku mehr als das es was nützt?

Mein Handy kommt jeden Abend über Nacht an das Ladegerät und das schon über Jahre- der Akku ist immer noch Top!

Was meint Ihr dazu ?

Re: Akku laden, wie häufig?

Verfasst: Do 15. Okt 2026, 16:28
von didithekid
Hallo,

wenn es um den Vergleich Roller-Akku zu Handy-Akku geht, ist in aktueller Zeit, wo in beiden Anwendungen Lithium-Ionen-Mischoxid-Akkus eingesetzt werden, der technische Unterschied nur die Zellenzahl. Im Handy ist lediglich eine Akku-Zelle drin. In Deinem Fahrzeug-Akku sind hingegen 16 Akkuzellen (bzw. Zellenstränge) in Serie. Bei den Merhzeller-Akkus ist es ab und an notwendig diese mal vollständig aufzuladen, um einen Abgleich der Zellen mittels Balancing durch das BMS zum Ladeende hin, zu ereichen.
Allerdings behandeln die meisten Besitzer ihre Rollerakkus schonender als ihre Handy-Akkus, da sie sich eine Lebensdauer über 10 Jahre hinweg erhoffen, während beim Handy nach zwei/drei Jahren schon Ausschau nach einem Nachfolgemodell gehalten wird.
Im Handy gibt es neuerdings auch Einstellungen den Nutzungsbereich zwischen Aufladung bis maximal 80 % oder maximal 90% und für die Entladung bis z. B. 20% zu begrenzen, um Ladezustandszonen mit höherer Akkualterung/höherem Akkuverschleiß zu meiden.
Wie das genuzt wird, kann ich nicht sagen. Beim Elektrofahrzeug und auch hier im Forum gibt es vielzahl Äußerungen dazu, wo ich folgere, dass sich da mehr Gedanken gemacht werden.
Beliebt ist die (missverständliche) Aussage, der Fahrzeugakku solle beim Ladezustand im Bereich zwischen 80% und 30% betrieben werden. Das hieße dann ja quasi bei 60 km Reichweite von 100% auf 0%, dürfe man nur mit 80% losfahren und lediglich die 30 km fahren, bis der Akku 30% erreicht hat. Also 15 km vom Ladegerät entfernt, schnell wieder umkehren? oder wie?
Ganz so schlimm ist es dann doch nicht.
Die aktuellen Akku-Zellen schaffen in den Labormessungen bei 25 °C inzwischen schon teils über 1.000 Ladezyklen bei Ladung auf 100% und Entladung auf 0%.
Wer in wenigen Jahren mit dem Akku für 60km volle 60.000 km fährt braucht sich also wenig Gedanken machen.
Anders sieht es beim Wenigfahrer (und zu denen gehörst Du ja) aus, der das Leben seines Akkus über 15 Jahre hinausretten will.
Dummerweise altert der Akku auch beim (sinnlosen) herumstehen über die Jahre. Fährt man in 10 Jahren nur 20.000 km muss zu der Alterung durch die Ladezyklen (erst 1 Drittel des Lebens) ein zweiter Anteil durch die Jahre hinzugerechnet werden, der von der Größenordnung ähnliche Ausmaße haben kann, wie der Verlust an nutzbarer Reichweite durch den Zyklenverschleiß. Schont man den Akku, in dem dieser sein Leben überwiegend im Bereich der mittleren Ladezustände fristet, kann man den Anteil der zeilichen Alterung deutlich (bis vielleicht um die Hälfte) reduzieren. Man muss sich daber aber nicht bei der Reichweite einschränken sondern es reicht, einen Akku der wochenlang bei 50% herumgestanden hat, kurz vor der Weitstreckenfahrt vollzuladen und wenn man dann mit 5% Restakku zurück ist, lädt man eben nur bis 50% wenn der Roller am nächsten Tag nicht gebraucht wird.
Bei Dir mit 16s Akku wären die 50% zwischen 58 und 59 Volt, falls Du keine Prozent-Anzeige hast. Lädst Du etwas höher, weil Du ohnehin täglich nur wenige Kilometer fährst kannst Du auch mehrmals die Kurzstrecke ohne nachzuladen fahren.
Der Bereich minimaler Akkualterung über die Zeit liegt zwischen 30% und 55% und die Alterung steigt bis 70% auch noch nicht so stark an, aber ab 80% und erst recht ab 90% wird der Alterungstess deutlich stärker. Und unter 20 % Ladezustand wird es auch extrem mit dem Alterungsstress im Akku. Der Bereich ist eher als Reserve für Eizelfälle zu sehen und nicht für die tägiche Nutzung (über lange Zeit).
Hitze spielt auch eine Rolle beim schleichenden Verschleiß. Ungenutzt sollte der Akku eher kühl stehen.
Soll er Strom abgeben, mag er es lieber warm.

Viele Grüße
Didi

Re: Akku laden, wie häufig?

Verfasst: Do 15. Okt 2026, 17:39
von Voyager1964
Dankeschön "didithekid" für die ausführliche Antwort!

Kurz gefasst bedeutet es also, viel fahren und regelmäßig aufladen und der Akku freut sich.
Dann werde ich die letzten warmen Tage noch ein wenig für Ausfahrten nutzen.
Im Winter kommt der Aku eh seperat in den wärmeren Keller und bekommt ab und an mal einen Schluck Strom.

Re: Akku laden, wie häufig?

Verfasst: Fr 16. Okt 2026, 05:16
von didithekid
NaJa,
wenn es alleine um den Akku-Stess und den "glücklichsten" Akku ginge, würde der natürlich bevorzugen in einem kühlen/frostfreien Kellerraum in Ruhe gelassen und alle drei Monate wieder auf 50% Ladeustand nachgeladen zu werden, ohne jemals hohen Strom zum Antrieb eines Fahrzeuges ausspucken zu müssen.
Aber man will ja mit dem Fahrzeug fahren und nimmt den dazu notwendigen Stress für den Akku in Kauf. Aber wenn das Fahrzeug zunächst nicht wieder genutzt werden soll, kann man es dem Akku in diesen Ruhezeiten etwas leichter machen, wenn er nicht "prall gefüllt" unter heißer Sonnenstrahlung herumsteht und es der schleichenden chemische Zersetzung nicht zu leicht gemacht wird.
Wie schon angedeutet: Es geht darum, ob das Lebendauer-Ende des Akkus nach 7 Jahren, 10 Jahren oder erst nach 15 Jahren erreicht wird, falls der Rest des Fahrzeugs überhaupt so lange lebt. Bei 60km Neureichweite bedeutet "Lebensende erreicht", dass eine Strecke von ~45 km auch im Sommer nicht mehr zu schaffen ist. Bei Akku-Zellen-Typen, die erst seit 2012 produziert werden, kann Niemand so recht sagen, ob eine noch längere Nutzung möglich sein wird. Falls die Elektronik des BMS ausfällt, was den Akku vor Schädigung schützt, ist früher Schuss, egal wie sehr man sich um die Schonung der Akku-Zellen auch bemüht hat.

Für die Wintereinlagerung hängt es immer vom jeweiligen Akku ab, wie gut dessen Batteriemanagement-System in den "Winterschlaf"/Hybernation-Modus schalten, und mit minimalstem Stromverbrauch seinen Job tun kann. Oft ist es da ausreichend auf z. B. 70% aufzuladen und auch ohne Nachladung hat der Akku im März dann vielleicht immer noch seine 30-40% Ladestand. Aber im ersten Winter bei neuem Fahrzeug ist es natürlich ratsam das mal zu Beobachten, wie schnell der Allu sich in Ruhe entleert. Der Akku sollte dabei auch nicht im Fahrzeug eingesteckt bleiben, um zu verhindern, dass dadurch ein noch höherer Stromverbrauch entsteht. Bei eingeschalteter Diebstahlwarnanlage reichen in bestimmten Fahrzeugen ja schon wenige Wochen Stand, um den Akku in einen kritischen Zustand zu bringen.

Viele Grüße
Didi