Hallo alle zusammen!
Nun gibt es eine Fortsetzung der Radlagerwechselgeschichte (für mich jetzt schon das Unwort des Jahres)

und die möchte ich allen Abonnenten dieses Kanals natürlich nicht vorenthalten.
Big Credits an @Error für die telefonische Unterstützung!
Die Ausgangslage war daß ich den Motor, ausgebaut aber noch nicht geöffnet, vor mir liegen hatte.
Zwischendurch ein paar Tage auf Tournee geben einem Zeit endlos darüber nachzudenken wie und ob man nun weiter verfährt.
Dann 3 Tage zuhause und ich habe mich drangemacht... mental gestärkt durch o.g. Telefonat.
Mit Hilfe von 4 sehr dünnen Messern (sehen aus wie Tafelsilber

), die ich vorsichtig in den Spalt geklopft habe, dann als der Deckel anfing sich zu lösen mit Holzkeilen fortgesetzt habe ich, ganz langsam und Stück für Stück, den bremsseitigen Motordeckel aufbekommen.
Auch schön zwischengewärmt mit Heissluftpistole sanft auf das (grosse) Lager damit sich der Sitz lockert. Das tat er tatsächlich und einfacher als gedacht hatte ich den Motor einseitig offen! Voilá!

- photo_2026-08-06_21-56-21.jpg (212.69 KiB) 17 mal betrachtet
Siehe da, nun zeigte sich dass mein Bauchgefühl definitiv richtig war. Das bremsseitige Radlager hatte nur noch die Hälfte der Kugeln die es verdient, der Kugelkäfig hatte sich in Wohlgefallen aufgelöst.
Und natürlich haben sich all diese Fragmente im Motorraum ( "Motorraum"klingt komisch in diesem Zusammenhang, ich weiß) verteilt und sind da mehr oder weniger zerrieben worden.
Größere Fragmente habe ich auch noch gefunden.
Somit also nicht verwunderlich daß meine Mó zuletzt nur noch einige Meter zurücklegen konnte bevor der Motor kollabierte.
Soweit - so gut.
Neues Lager (tiefgefroren bei minus 24 für 4 Stunden im Eisschrank) in den mit der Heißluftpistole vorgewärmten Deckel eingepaßt - flupps saß es als hätte es schon immer dort gewohnt.
Natürlich vorher Lagersitze penibel gereinigt, dies vergaß ich zu erwähnen.
Einfach wieder zumachen? Oder doch auch gleich das kleinere Lager auf der anderen, bremsabgewandten Seite mit wechseln, wenn man nun einmal dabei ist? Ist wohl klar...
Also gut. Mit gleichem Prozedere (Messer und Holzkeile) auch die andere Motorseite aufmachen... wollte ich. Erstmal den Encoder ausgelötet. Nur kommt man dann trotzdem mit der Heißluftpistole nicht so recht an das Lager heran dessen Sitz recht proper ist.
Hmmm. Ungewöhnliche Lösungsansätze gibt es bei mir immer. Also: ich backe gern Brot. Warum nicht auch...
... gesagt, getan. Den gesamten Motor bei 75 Grad in den Backofen für 2 Stunden und danach trennten sich Motordeckel und Lager spielend.
Bei Funktionseinschätzung des Lagers stellte ich fest daß es noch sehr gut und geräuschfrei läuft.
Trotzdem wechsele ich es jetzt auch. Und SKF muss es sein.
Nun sah ich aber daß auch noch viele größere und kleinere, teilweise zerriebene Fragmente der herausgefallenen Kugeln und des Käfigs des bremsseitigen Lagers sich im Bereich zwischen Rotor und Stator befinden. Dort natürlich durch die Magnetwirkung wie festgeklebt. Ich habe einen starken Kompressor und der hat erstmal gute Arbeit geleistet beim Versuch diese Viren einfach auszublasen. Aber es sind immernoch welche da.
Der Rotor wird ja von den Permanentmagneten ziemlich sehr fest gehalten. Einfach so rausdrücken ist da nicht, auch wenn ich das zum gründlichen Reinigen am liebsten machen würde.
Auch haben die im Motor herumschiessenden Fragmente manche "Ecken der Rotoreisen" (ich weiß nicht wie ich es besser benennen soll) leicht hochgebogen sowie die Fäden mit denen die Wicklungen zusammengehalten werden, zerstört.
Weiss jemand ob diese "Zusammenhaltefäden" wichtig sind?
Und nochwas: beide Motordeckel waren mit irgendeiner Dichtmasse versehen, ich sah die Reste davon als ich sie auseinander hatte. Weiss jemand ob man das einfach mit ein wenig Silikon dichten kann beim Zusammenbau oder gibts da etwas mehr Zweckmässigeres?
Ich werde also in den nächsten Tagen (erstmal ist wieder Tournee angesagt) wenn ich wieder daheim bin mit Hilfe eines Fadens den ich durch den Motor ziehe (zwischen Rotor und Stator also) und dann wie mit einer Stichsäge auf- und abbewegend die restlichen Fragmente versuchen herauszupuhlen. Gleichzeitig starkes Saugrohr dazu oder Kompressor, mal sehen...
Bessere Vorschläge sind herzlich willkommen!
Dann das (kleine) Lager wechseln und alles wieder zusammensetzen.
Und das Spannendste: ob der Motor dann wieder läuft ohne ihn neu zu kalibrieren?

Bin wirklich gespannt ... und werde euch auch darüber auf dem Laufenden halten
Euch allen einen ruhigen Abend wünscht herzlichst
Botzino