Relevante Aussagen aufgeführt und zur Referenzenzierung mit Buchstabenaufzählung versehen ...
Realmccoy hat geschrieben: Di 17. Okt 2023, 10:28
a) Trotzdem kannst du doch eine KS 175 nicht mit der Tinbot vergleichen, ...
b) AGR, Injektoren, Kat, SCR, ABS, ASR usw. gab es früher alles nicht.
c) Ich kenne die Ursachen, warum Zündapp und Konsorten Pleite gegangen sind...
d) Du liegst falsch, weil du eine Zeit, wo die Technik anders war und es wenig Globalisierung gab mit Heute vergleichst, das ist schlichtweg Humbug.
...
a) Ich habe keine KS 175 mit der Tinbot verglichen, sondern Verarbeitungsqualität damaliger deutscher (Spitzen-)Hersteller mit heutigen billigen Chinamopeds.
b) Und was haben die erwähnten Bauteile mit Verarbeitungsqualität zu tun? Bei vielen Alrendos hat das ABS nun nicht dazu beigetragen, dass die Maschine zuverlässiger wurde, dafür geht eine Warnlampe mehr im Cockpit an ...
c) Nein.
d) Also waren saubere Schweißnähte früher eine zeitgeistige Erscheinung, und heute ist der Stand der Technik, trotz aller Fortentwicklungen auch bei den Produktionsmitteln, eben krumm und schief zusammengesetze Bauteile, miserable Rostvorsorge usw. ?
Machen wir mal eine kleine Auflistung über die typischen Mängel, mit denen wir hier im Forum querbeet zu tun haben:
- Radlager und LKL sind die Klassiker. Die würden in höherer Qualität 20€ mehr kosten.
- Rostvorsorge, z.B. Zinkauftrag vor dem Lackieren, oder Pulverbeschichtung (heute Stand der Technik, und Qualitativ besser als die Lacke der 70er) macht 50
- ordentliche Biege- oder Schweißtechnik ca. 100€ pro Fahrzeug, Rahmenlehren für mehr Passgenauigkeit inkludiert
- ordentliche Schrauben (da hat ja auch die CE04 tw. Probleme) 10€ mehr
- ...
Und auch wenn die Ausstattung der E-Mopeds in den letzten Jahren klar zugelegt hat - die Problemstellen sind alle noch identisch zu denen, mit denen wir vor 10 Jahren uns im Forum schon beschäftigt haben.
Für rund 500€ Mehrpreis für den Kunden könnte man echte Qualitätssprünge bekommen, die die Haltbarkeit erheblich verbessern könnten, die Reparaturanfälligkeit deutlich zurückfahren, und die die Zuverlässigkeit erhöhen. Dann wäre die Qualität deutlich näher an einer CE044 oder RGNT, ohne gleich 5000€ mehr zu kosten.
Bei einem Einstandspreis von ca. 9000€ für ein elektrisches Moped wäre ich der Meinung, dass viele Kunden dann auch nochmal 500€ drauflegen würden, wenn damit eine deutliche Steigerung der Wertigkeit erfolgt.
Die Importeure und Hersteller verkaufen das, was kurzfristig Gewinn macht - denen reicht es, wenn die Mängelquote in der Gewährleistungszeit nicht zu hoch ist, und nach zwei Jahren kann man dann noch an Ersatzteilen verdienen. Das Moped von Importeur A liegt in der Preisklasse von Importeur B und bloss nicht viel darüber oder darunter, und um Konkurrenz zu simulieren, gibt es dann diverse Markennamen mit eigenen Webpräsenzen, und nur das jeweilige Impressum verrät, dass hier jemand mehrere "Markennamen" betreibt. Also wie die frühere Scheinkonkurrenz zwischen Mediamarkt und Saturn. Nur ist es eben keine Konkurrenz - es gibt marginale Unterschiede, die mein Händler wie folgt zusammenfasste: die Brixtons rosten nach seinen Erfahrungen schneller als die Online.
Wenn Dein Händler neben der RS1 auch noch für 500€ mehr eine RS1_de_Luxe stehen gehabt hätte, dann würdest Du doch hoffentlich bei der zugegriffen haben? Denn knapp 9000€ für ein Moped ist ja schon nicht mehr "Geiz ist Geil", sondern viel Geld für ein Fahrzeug. Dann wären 9500€ wohl auch drin gewesen.
Nur: wenn Du als Kunde beide Augen vor der jetzigen Situation zudrückst und mit "Globalisierung" und anderen Schlagworten entschuldigst und behauptest, es würde gar nicht besser gehen, und wenn Du kein Feedback über die Kette Händler - Importeur - Hersteller erzeugst, dann verbessert sich nichts, dann wird das Angebot auch nicht breiter oder zumindest besser am Markt. Dann wird auch weiterhin mit Leistungsdaten beschissen, mit Reichweite, Tachovorläufen von 20%, und dünnster Lack ohne Metallvorbehandlung aufgetragen.
Komischerweise geht es im Alrendo-Unterforum gesitteter vor in der Diskussion - dort verteidigt niemand die gravierenden Minderleistungen des Herstellers (dagegen ist die Tinbot bislang ein "Qualitätsprodukt"). Da kann man dann auch davon ausgehen, dass der Händler, der dieses Jahr die Kisten wohl selbst importiert hat und sich mit der ein oder anderen Rückabwicklung konfrontiert sieht, bei der nächsten Importrunde wohl mehr Qualität vom Hersteller einfordern wird.
An mir hätte ein Tinbot-Verkäufer keine Freude gehabt - den hätte ich kräftig damit geärgert, dass ich die versprochenen 35KW geliefert haben möchte.