Erfahrungsbericht iTango 45 km/h nach 800km

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Rollerfritte
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Erfahrungsbericht iTango 45 km/h nach 800km

Beitrag von Rollerfritte » Fr 18. Okt 2019, 12:49

Hi,

da man im Internet sehr wenig Informationen zum iTango findet, schreibe ich hier mal einen Erfahrungsbericht zur 45 km/h Version, quasi mein Foreneinstand.

Ich habe vor vier Monaten sowohl den iTango als auch den iTank angeschaut und getestet. Habe mich dann für den iTango 45 km/h-Version entschieden, da dieser das geringere Gewicht hat und ich mich als Motorroller-Fahranfänger (bisher nur E-Bike) darauf sicherer gefühlt habe. Den Roller verwende ich für den Weg zur Arbeit und habe jetzt fast 800 km damit gefahren. Meine tägliche Strecke besteht aus Stadtverkehr inklusive Tempo 30 Zonen und Hauptverkehrsstraßen. Außerdem Steigungen, da ich im Mittelgebirge wohne und Arbeit und Wohnung auf einem Berg liegen (nicht dem gleichen).

Hier meine bisherigen Erfahrungen:

Motorleistung


Der iTango 45 km/h-Version hat einen Boschmotor mit 1200 Watt Leistung, da sollte man keine Wunder erwarten (zum Vergleich: Eine 5000€ teure eSchwalbe hat 4000 Watt). Mit Schutzkleidung und Gepäck bin ich bei 110 kg. Der iTango beschleunigt in der Ebene trotzdem zügig auf 30 km/h. Um weiter auf die 45 km/h zu kommen, braucht er aber einige Zeit Schneller als 45 km/h fährt er nur, wenn man bergab rollen lässt. Berg hoch geht der iTango, zumindest bei meinem Gewicht, in die Knie, je nach Steigung runter auf 14 bis 22 km/h. Die steilste Steigung, die ich gefunden habe, wo bei Nässe auch Autos mit schlechten Reifen Probleme haben, hat der iTango mit 9 km/h geschafft. Die Leistung bewerte ich aber insgesamt nicht als negativ, da es beim Kauf klar sein sollte, dass der 1200 Watt Boschmotor keine Rennmaschine ist. Für den Stadtverkehr aber auseichend.


Reichweite

Mit 80% Akku komme ich ziemlich genau 30 km weit (Stadtverkehr, insgesamt 400 Höhenmeter, mit 110kg, bei 20 bis 30 Grad Außentemperatur). D.h. die reale Reichweite beträgt für mich 35 km, dann wäre der Akku bei 10% und ich würde Aufladen aus Angst vor einer Tiefenentladung. Die über 40 km im Datenblatt schafft man wohl nur ohne Berge und als Leichtgewicht.


Akku, Ladezeiten und Stromkosten

Man kann den Akku recht einfach aus seinem Fach unter dem Sitz raus nehmen und dann drinnen laden. Alternativ kann der iTango auch direkt geladen werden. Der Akku hat einen Tragegriff, was zum Tragen vom Parkplatz ins Büro reicht, ist aber relativ schwer. In einer Stunde lädt der Akku um 20% auf, also fünf Stunden, wenn er ganz leer wäre. Das Ladegerät hat einen deutlich zu hörenden Lüfter, über Nacht neben dem Bett aufladen würde ich daher nicht. Das Ladegerät schaltet sich automatisch in Stand-By (= leise), wenn der Akku geladen ist. Ich habe mit einem Stromverbrauchsmessgerät ausgerechnet, dass ich ca. 25 Cent an Stromkosten für meinen täglichen Arbeitsweg von 15 km habe (Angabe ohne Gewähr, eventuell habe ich das Messgerät falsch bedient).


Lenkradschloss, Tachometer und sonstige Funktionen

Viele Funktionen im Tacho können nur per App aktiviert werden. Hier ist aber das Problem, dass zwar QR-Codes für App und Fahrzeug in der Sitzklappe vorhanden sind, man aber keinen Account in Deutschland einrichten kann. Daher sind die Funktionen nicht nutzbar. Ob sich das in Zukunft ändert, wissen nur Gott und Doohan.

Der iTango hat ein Keyless-Go-System, was ich persönlich für überflüssig halte. Den Schlüssel benötigt man nur, um das Lenkradschloss zu sperren/entsperren und um die Sitzklappe zu öffnen, um an den Akku zu kommen. Beim Sperren, Entsperren und Starten gibt es eine englische Sprachansage. Nervt etwas, aber man gewöhnt sich dran. Lässt man den Akku drin und schließt den iTango per keylessGo ab, dann wird die Alarmanlage aktiviert. Die ist höllisch empfindlich und aktiviert sich beim kleinsten Stubser. Resultat ist lautes Hupen und Piepen und einer weiteren englische Sprachansage. Versucht man den Roller zu bewegen, schaltet sich zusätzlich die Motorsperre ein und die Räder fahren abwechselnd vor und zurück. Unbemerkt klaut diese Ein-Roller-Disco so schnell keiner.

Beim Rückwärtsgang erklingt ein dezentes Piepen, was ganz in Ordnung ist (beim iTank ist das Piepen beim Rückwärtsgang lauter als bei der Müllabfuhr). Einen Tempomat, wie in der deutschsprachigen Anleitung beschrieben, gibt es nicht. Der Blinker ist gut zu erreichen und gibt ebenfalls ein lautes Piepen von sich. Das ist wichtig für Radfahrer und Fußgänger, da der iTango so leise ist, dass er kaum wahrgenommen wird. Zusätzlich gibt es noch eine Taste, die ein digitales Motorengeräusch erklingen lässt XD Klingt albern, habe ich aber bereits mehr als einmal verwendet, um mich sicherheitshalber bei Fußgängern und Fahrradfahrern anzukündigen.


Bremsen

Sehr hart eingestellt. So hart, dass man alle Leute, die zum ersten mal mit dem iTango fahren, deutlich warnen muss, wie fest die Bremsen auf einmal packen.


Achsenfeststellung und Ständer

Sowohl der iTango als auch der iTank kippen trotz ihrer drei Räder um, wenn man sie einfach hinstellt, da die vordere Achse flexibel ist. Für das Fahren ist das auch nötig. Beim iTango kann man per Schalter die vordere Achse blockieren (nicht während der Fahrt machen!), dann steht der Roller von alleine. Verwende ich aber nie, da dann das gesamte Gewicht auf den Achsen der Fahrmechanik liegen würde. Der iTango hat einen hervorragenden, sehr stabilen Mittelständer, den man, wenn man den Dreh raus hat, ohne Probleme ausklappen kann. Steht der iTango auf dem Ständer, kann ich mich ohne Probleme drauf setzen und mir in Ruhe Helm und Handschuhe ausziehen, da wackelt und ruckelt gar nichts.


Reifen

Der Händler hatte mir beim Verkaufsgespräch vorgeschlagen, bessere Reifen (Goodyear oder so) aufzuziehen. Es stellte sich dann aber heraus, dass es derzeit nur Reifen von zwei Herstellern gibt, die beide qualitativ gleich sind (Aussage Reifenhändler). Daher sind die Originalreifen drauf geblieben. Bei nasser Fahrbahn bin ich mit denen eher vorsichtig unterwegs.


Stauraum


Der iTango hat nur wenig Stauraum. Unter der Sitzklappe ist Platz für eine Warnweste und Handschuhe,. Beim Heckgepäckträger gibt es derzeit zwei Probleme. Das erste Problem ist, dass man den derzeit nur in Kombi mit einer Box kaufen kann, die zu klein für Helme ist. Der Händler hatte mir als Verkaufsangebot auf seine Kosten eine größere Box dazu gegeben, wo auch mein Helm reinpasst. Nach dem Kauf hat sich aber das viel größere Problem heraus gestellt. Der Heckgepäckträger ist so lang, dass er mit einer Halteplatte für ein zweites Paar Rückleuchten und Blinker ausgeliefert wird. Die sind aber nicht mitgeliefert worden. Auch mein Händler war hier ziemlich überrascht und hat dem Importeur auf die Füße getreten. Der Importeur hat die fehlenden Lichter nachbestellt hat. Hat jetzt über drei Monat gedauert bis die da waren. Auf eine Montageanleitung warte ich noch… Der Händler hatte davon abgeraten, ohne die Lichter den Träger zu verwenden, da ansonsten im Falle eines Unfalles der Versicherungsschutz erlöschen könnte (Heckträger zu lang und ohne Licht = Gefahr für den Straßenverkehr). Daher fahre ich ohne Heckgepäckträger mit Rucksack, was so langsam tierisch nervt! Über die Gepäckträgerboxen für die Seiten kann ich nichts sagen.


Licht

Tagfahrlicht ist automatisch an. Die LED-Beleuchtung ist sehr hell, im Dunkeln kann man damit gut fahren.


Versicherung


Ich bin jetzt beim ADAC gelandet, wo ich deutlich über 100€ pro Jahr zahle. Knackpunkt bei den Versicherungen für Elektroroller ist der Akku, der beim iTango nicht fest im Fahrzeug verbaut ist. Zu dem Thema gibt es aber schon Forenbeiträge zu genüge.


Sonstiges


Nach 400 km ist einer der beiden Spritzschutze aus Gummi an den Vorderreifen abgegangen. Habe dann gesehen, dass die nur mit M4 Schrauben+Muttern befestigt sind. Irgendwelche Gegenschrauben oder Schraubenkleber, Fehlanzeige. D.h. die können sich durch Erschütterungen beim Fahren nach und nach los drehen. Dabei habe ich aber auch festgestellt, dass die Schrauben so lang sind, dass die bei Schlaglöchern je nach Reifeneinschlag gegen die Reifen kommen könnten. D.h. die ragen da lang und scharfkantig an die Reifen ran, das darf meiner Meinung nach nicht sein! Habe die Spritzgummis erst abmontiert und jetzt die Schrauben durch kürzere ersetzt.

Habe ein paar Regenschauer abbekommen, konnte aber bis jetzt keinen Rost feststellen. Display ist auch dicht. Der Akku liegt unter dem Sitz, da ist auch keine Nässe dran gekommen. Also zum Glück noch keine Probleme wie in einem anderen Foreneintrag beim iTank beschrieben.


Fahren und Handling


Die Hauptaufgabe des Rollers ist es, mich von A nach B zu bringen. Und das tut er. Es macht einfach verdammt viel Spaß, mit dem iTango zu fahren und damit im Stadtverkehr zu schwimmen und über Dorfstraßen zu cruisen. Bisher hatte jeder, der mit dem Ding Probegefahren ist, anschließend ein dickes Grinsen im Gesicht. Selbst mit Körpergröße von 1,95m und Schuhgröße 47 ½ (→ Trittbrettgröße) sitze ich saubequem auf dem Roller. Allerdings würde dann als Mitfahrer höchstens noch ein Koala-Bär mit drauf passen, zu zweit wird es eng auf dem Roller. Durch das relativ geringe Gewicht des iTangos habe ich das Gefühl, eine gute Kontrolle zu haben. Beim Probefahren mit dem iTank war das nicht der Fall bei mir. Meine Anfangsängste als Roller-Neuling habe ich ablegen können. Manchmal wünsche ich mir etwas mehr Leistung vom iTango, vor allem am Berg.


Fazit


Einem guten Fahrgefühl durch die drei Räder, dem Spaß am Fahren und dem Lithium-Akku, stehen auf der negativen Seite einige Dinge gegenüber, die das gesamte Bild trüben. Insgesamt ist bei mir der Eindruck entstanden (kann natürlich falsch sein), dass der Hersteller in China nicht gezielt den deutschen Markt beliefert sondern sich eher der Importeur gedacht hat „cooles Ding, den Verkaufen wir in Deutschland“. Daraus resultieren die Probleme mit der App, kaum Alternativen für Reifen und das Heckgepäckträger-Problem.

Habe ich den Kauf bereut? Bisher nein. Ob der iTango 45 km/h was taugt, wird sich aber erst auf lange Zeit heraus stellen. Wie lange hält der Akku? Wann werden die ersten Reparaturen fällig? Wie teuer wird das und wie gut sind Ersatzteile zu bekommen? Da es auf diese Fragen bisher kaum Antworten gibt, wird sich noch heraus stellen, ob das ein guter Kauf oder ein Griff ins Klo war.

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Re: Erfahrungsbericht iTango 45 km/h nach 800km

Beitrag von Rollerfritte » Sa 23. Nov 2019, 20:42

Update erste Inspektion bei 1000km

Nur zwei Kleinigkeiten: Zum einen Bremse verschmutzt, hat der Händler gereinigt und mir gezeigt, wie ich das auch selber machen kann. Bremsverhalten ist jetzt besser. Zum anderen war bei einem Bremshebel die Verbindung zur Bremsleuchte fehlerhaft, kleine Reparatur auf Garantie. Rest alles in Ordnung. Kosten knapp 70€.

Eigentlich sollte auch der Gepäckträger mit Bremsleuchten und Blinkern montiert werden, da war aber die Bremsleuchte defekt und es ist warten auf Ersatz angesagt.

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Re: Erfahrungsbericht iTango 45 km/h nach 800km

Beitrag von Rollerfritte » Mi 4. Dez 2019, 22:32

Update Rücklicht/Heckgepäckträger

So, neues Rücklicht ist recht schnell mit der Post gekommen. Funktioniert, Kabel war aber etwas kurz, habe ich dann noch verlängert mit Lötstation, Schrumpfschlauch und Isolierband. Der Heckgepäckträger mit Box und den Blinkern+Rücklicht ist jetzt angebaut. Endlich ein freier Rücken beim fahren :D

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