Re: Drei-Tage-Test Saturn GT300

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Schnabelwesen
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Re: Drei-Tage-Test Saturn GT300

Beitrag von Schnabelwesen »

Erster Teil: Motor und Fahrerlebnis
Drei Tage lang konnte ich den neuen Saturn testen, zunächst in der Südheide und im Harz, dann im fränkischen Jura bei der PaceRace viewtopic.php?t=46886
Hier schildere ich nach und nach die Eindrücke vom Fahrzeug und die "Testergebnisse". In einem anderen Thread diskutieren wir technische Details viewtopic.php?t=49178.
Vielen Dank an Trinity und Reinhold Richert für das Vertrauen, die tolle Unterstützung und die interessanten Gespräche! Es waren unvergessliche Tage.
Jetzt erstmal zum Fahrverhalten:
Beim Auf- und Abbocken merkt man das Gewicht von 220kg. Soviel wog meine 1000er Suzuki V-Strom.
Die Hebelverhältnisse beim Hauptständer sind aber gut; Aufbocken ist kein großes Problem.
Beim Rangieren kommt einem der tiefe Schwerpunkt entgegen. So leicht fällt das Mopped nicht um. Auch der Seitenständer ist in Winkel und Länge genau richtig.
Beim Aufsitzen war ich überrascht, wie hoch man sitzt. Mir kommt das sehr entgegen, weil sich trotz langer Beine ein vernünftiger Kniewinkel ergibt. Die Füße konnte ich entspannt auf den Trittbrettern abstellen - alles passt auf Anhieb und auch noch nach fünf Stunden. Wenn man die Füße nach vorne auf die schräge Fläche stellt, ergibt sich ein Winkel zwischen Fuß und Schienbein von 90 Grad - beim alten Jupi 11 war alles enger. Auch der Lenker kommt einem nicht so stark entgegen. Die dauerhaft bequeme Sitzbank verzichtet - wie schon beim Jupi SL - auf die kleine Lehne hinter dem Fahrersitz. Dadurch konnte ich weiter nach hinten rutschen und mich nach langer Fahrt auch mal oben auf den Buckel setzen. Dann sind Arme und Beine lang ausgestreckt.
Beim Test-Roller wurde das hohe Windschild nachgerüstet, mit dem der Saturn jetzt ausgeliefert wird. Das sieht gut aus, ist frei von Verwirbelungen und schützt ordentlich. Zusätzlich habe ich mir noch einen kleinen MRA-Spoiler drauf gesetzt - perfekt. Jetzt konnte ich dauerhaft zugfrei mit offenem Visier mit Jethelm fahren.
Der Roller ist sehr leise. Die Dosierung mit dem Stromdrehgriff ist perfekt sensibel, auch im Rückwärtsgang.
Kraft ist scheinbar immer reichlich vorhanden. Ich habe einfach vergessen, dass es sich um einen "125er" Roller handelt. Entscheidend ist gar nicht mal, dass man ihn auf über 140km/h nach Tacho bringen kann, sondern die souveräne und gleichmäßige Beschleunigung, die auch über 100km/h nicht gequält wirkt.
Mein selbstgestecktes Ziel war beim PaceRace, möglichst nicht schneller als 80 zu fahren. Das sind nämlich ziemlich genau 80A, die er dann zieht. Anscheinend war ich nicht diszipliniert genug: der Durchschnittsverbrauch (einschl. windigen Etappen und insgesamt 2.500 Höhenmetern) lag dann bei 7kWh/100km. Es macht einfach zu viel Spaß, mal ein bisschen am "Gas" zu drehen.
Für lange Landstraßen-Etappen ist das ideal. Aber auch die beiden kurzen Autobahn-Stücke boten keinerlei Problem. Nur dass der Stromverbrauch eben exponentiell steigt. Für die Alltags-Pendler-Strecke wird der Akku aber fast immer groß genug sein.
Zwei kleine Mankos sind mir aufgefallen. Ähnlich wie beim Jupi gibt es einen Frequenzbereich, in dem der Motor knarzt und Vibrationen auf alle Teile des Fahrzeugs überträgt. Das ist ein schmales Band um 45km/h. Auf der Landstraße war das völlig irrelevant, aber wenn man sich länger durch die Stadt quälen muss, kann es nerven.
Außerdem wurde der primitive Schalter für die Schaltstufen, der bisher verbaut wurde, durch einen Taster ersetzt: 1 - 2 - 3 - 4 - boost -... und dann 1.
Wenn man also von Boost auf die Schaltstufe 2 will, muss man die 1 schnell durchschalten.
Der Taster selbst ist wie die gesamten Armaturen neu, hinterleuchtet, funktional angeordnet und deutlich wertiger. Ähnlich wie andere große Hersteller hat Efun da nachgelegt.
Das gleiche gilt für das Display. Android Auto haben wir auf dem Hof von Trinity kurz probiert. Nachdem die Kopplung geklappt hatte, erschien das Handy-Display auf dem Display des Fahrzeugs. Allerdings habe ich es nicht genutzt; ich sehe lieber die wichtigen Infos in Originalgröße. Tacho, Uhr(endlich.!), Spannungsanzeige und sogar die seitlichen "Leistungsbalken" waren hilfreich und gefallen mir gut. Das Display hat einen Touchscreen mit Menüfunktion, über die z.B. die Uhr eingestellt oder der Trip-Zähler genullt werden kann.
Auf die Daten des smarten BMS kann es nicht zugreifen. Dazu muss man die ANT-BMS-App bemühen. Aus Gründen, die ich später noch erläutere, sollte man das auch regelmäßig nutzen.
Licht und Fernlicht sind einigermaßen hell, aber - typisch für chinesische LED-Scheinwerfer - etwas zu kastig und klar umrissen, also wenig Streulicht.
Es folgen noch ein paar Artikel dieser Serie:
Fahrwerk, Fahrverhalten, Bremsen und ABS sowie TCS
Batterie und Ladevorgang
Bedienung, Stauraum und Accessoires
Aber wahrscheinlich erst am nächsten Wochenende...
Schöne Grüße, Bertolt
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Schnabelwesen
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Re: Drei-Tage-Test Saturn GT300

Beitrag von Schnabelwesen »

ZweiterTeil: Fahrwerk und Fahrverhalten
Der Saturn wird serienmäßig mit der "Komfort" - Federung ausgeliefert. Das bezieht sich auf die hinteren Federbeine, bei denen Federvorspannung sowie Zug- und Druckstufendämpfung eingestellt werden können. Die Federvorspannung kann man mit der Hand einstellen, wenn man die Feder gemeinsam mit dem Ring dreht. Für meine Zwecke reichte die weiche Einstellung. Für eine Optimierung der Dämpfungseinstellung hätte ich mehr Zeit gebraucht. Ich habe die Zugstufe straffer gestellt, weil das Heck sich gerne hebt. Insgesamt ist die Federung hinten im guten Sinn unauffällig. Nur bei brutalen Straßen bügelt sie nicht alles glatt - ist halt keine Reiseeenduro.
Die Gabel ist neu, schon wegen der Aufnahme der Doppelbremsanlage. Die Standrohre sollen einen größeren Durchmesser haben als bei früheren Puma-Modellen. Sie funktioniert insgesamt gut, könnte aber feinfühliger ansprechen. Schade, dass es keine Wilbersfedern dafür gibt - damit konnte ich das Problem nämlich bei meinem Honda Crosstourer lösen.
Die Bremsanlage vorne neigte minimal zum Rubbeln. Das habe ich aber nur gemerkt - in Zusammenhang mit der Gabel -, wenn ich recht scharf in Kurven hineinbremsen musste. Da habe ich lieber hinten gebremst. Ansonsten greifen die Bremsen richtig gut zu, lassen sich gefühlvoll und mit wenig Kraftaufwand dosieren und können Gewicht und Geschwindigkeit des Großrollers händeln. Die neuen verstellbaren Bremshebel liegen super in der Hand. Für mich sind das die besten Bremsen, die ich an einem Chinaroller erlebt habe.
Reinhold Richert hat mir das ABS vorgeführt - ohne Helm auf dem Platz von Trinity einfach mal richtig reinlangen. Funktioniert prächtig, aber hätte ich mich nicht getraut. Die Regelintervalle sind deutlich erkennbar. Also mit einer modernen Boschanlage kommt es vielleicht nicht mit, aber das ABS erfüllt seinen Zweck.
Ähnlich ist es bei der Traktionskontrolle. Das TCS sprach bei mir manchmal an, wenn ich allzu forsch über schlechte Straßen geholzt bin. Auf Sand oder Laub habe ich es nicht getestet.
Am linken Lenkerende gibt es einen Menüschalter und Tasten mit der Beschriftung ABS und TCS. Vielleicht weiß hier jemand, was man da einstellt - abschalten? Das habe ich nicht untersucht.
Entscheidend für das gesamte Fahrverhalten sind die größeren Räder: vorne 15'', hinten 14''. Das trägt viel dazu bei, dass ich immer mehr wie mit einem Motorrad gefahren bin, also recht sportlich.
Überrascht hat mich, dass die jetzt serienmäßigen Michelin City Grip 2 so gut zu dem großen Roller passen. Sie sind außerordentlich verlässlich, gutmütig und berechenbar. Das schafft schnell Vertrauen.
Schöne Grüße, Bertolt
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Re: Drei-Tage-Test Saturn GT300

Beitrag von E-Driver Mero »

Jetzt bin ich ja mal auf den Teil mit der Ant-BMS-App gespannt... Die Bewertung im AppStore ist ja unterirdisch... :mrgreen:
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Re: Drei-Tage-Test Saturn GT300

Beitrag von Schnabelwesen »

Die im Appstore ist auch unterirdisch. Reinhold Richert hat mir eine werbefreie Version aufgespielt -. die macht, was sie soll.
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Re: Drei-Tage-Test Saturn GT300

Beitrag von Perrak1 »

Ich habe die ANT BMS direkt von der Homepage von ANT BMS heruntergeladen (Android und IOS) - diese ist ohne Werbung!
https://antbms.vip/download/

Android: Man erhält dort eine ZIP-/.apk-Datei, die man dann auf Android installieren kann - Android warnt generell bei .apk-Dateien, dies ignorieren und alles bestätigen.

Auf der Download-Seite ist auch eine Bedienungsanleitung in Englisch.

Bei mir war die App zuerst in Chinesisch - App öffnen (3 Optionen, die oberste wählen), auf der nächsten Seite unten auf das Icon mit der Person gehen, dann auf der "Personenseite" die 3. Option von unten anwählen, dort kann man dann auf Englisch umstellen.

Danach auf dieser Seite oben bei Authority den Berechtigungs-Level einstellen - 1 ist nur lesen, 5 ist Admin, damit kann man direkt Änderungen im BMS durchführen, Log-Dateien erstellen, etc.
Die Passwörter sind: Level1: 12345678 und Level 5: 123456789abc
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Re: Drei-Tage-Test Saturn GT300

Beitrag von E-Driver Mero »

Für welche Zwecke sollte man denn die App nutzen? -ich habe mich damit noch nicht groß beschäftigt...
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Re: Drei-Tage-Test Saturn GT300

Beitrag von didithekid »

Hallo Mero,

bei Deinem Roller ist die Einstellung im ANT-BMS ja fertig konfiguriert. Du braucht also nicht unbedingt Zugriff über BlueTooth zum BMS.
Interessant ist es aber schon, wenn man mit der App vom Smartphone aus die 20 einzelnen Zellenspannungen auslesen kann.
Insbesondere wenn man sich an den "Akku tatsächlich leer"-Punkt herantasten will, können die Informationen nützlich sein.
Die reine %-Anzeige des Ladezustandes führt ja auch mal in die Irre.

Beim Selbstbau von Akkus, habe ich viermal ein ANT-BMS eingesetzt. So viel schlechter als Andere, ist das auch nicht. Nervig trotzdem, dass vom Handy die App immer als "gefährlich" eingestuft wird, weil vermutlich die Chinesische Regierung meine Daten auch auslesen darf.
Jedenfalls ist da die Nutzung der App essentiell, um das BMS auf den Akku-Typ einzurichten.

Viele Grüße
Didi
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Re: Drei-Tage-Test Saturn GT300

Beitrag von Schnabelwesen »

Dritter Teil: Batterie und Laden
Der Akku wird mit 13,3kWh Kapazität angegeben (74Vx180Ah). Die Ladespannung auf Ladegeräten für 20s-Akkus wird meist mit 84V angegeben und liegt - spätestens nach dem Abschalten des Laders - etwas darunter.
Beim Saturn GT300 ist es anders. Die CATL-Zellen sind mit 4,3V Ladeschlussspannung spezifiziert und das Ladegerät scheint entsprechend konfiguriert zu sein. Jedenfalls hatte ich zweimal nach dem Laden 85V im Display stehen - das sind 4,25V/Zelle.
E-Driver Mero hat geschrieben: Fr 4. Sep 2026, 20:35 Für welche Zwecke sollte man denn die App nutzen?
Jetzt kommt die ANT-BMS-App ins Spiel. Der Akku ist neu und bei meinem Testroller waren die Zellen im Bereich 20-100% bestens ausbalanciert. Ausgewiesen wurden Spannungsunterschiede im Tausendstel-Bereich (0,000xV). Wenn die Zellen tatsächlich für so hohe maximale Spannungen ausgelegt sind, kann man es so machen und gewinnt geringfügig Reichweite und Leistung bei vollem Akku hinzu.
Allerdings sollte man auf Dauer - ich spreche von etlichen Jahren - nicht vergessen, die Zellspannungen mit der App zu überprüfen. Denn wenn die Zellen älter werden und auseinander driften, droht die Gefahr, dass einzelne Zellen in Überspannung geraten. Ich würde mir eine etwas zurückhaltendere Einstellung wünschen. Allerdings müsste dann auch das Ladegerät runtergeregelt werden, und das ist wohl über eine fixe Firmware konfiguriert.
Zweimal habe ich den Akku auf 0% runtergefahren. Dann driften die Zellen merklich - bis auf 2/10 V - auseinander (0,x V). Während des Ladens sind sie dann bei 20% bereits wieder optimal balanciert.
Das BMS würde wohl erst bei 2,7V/Zelle bzw. 54V Gesamtspannung abschalten. Auch das ist sportlich. Allerdings greift hier - wie es sich gehört - zunächst der Controller ein. Zwischen 65 und 60V regelt er langsam und kontinuierlich die Leistung runter. In der platten Heide fuhr der Saturn mit gut 60V noch etwa 70km/h. Bei der PaceRace allerdings klappte es mit meiner Ladeplanung nicht. An einer kilometerlangen Steigung brach die Spannung in kurzer Zeit von 65 auf 60V ein und der Roller ging aus (Fehler MCU 011). Nachdem sich der Akku erholt hatte und wieder auf über 60V gestiegen war, war der Fehler weg und der Roller ließ sich wieder einschalten. Die Geschichte erzähle ich aber noch unter Veranstaltungen /PaceRace 2026.
Das Ladegerät ist mit 3kW angegeben. Beiliegend ist ein Kabel mit Schukostecker auf der einen und Typ2 (weiblich) auf der anderen Seite. Auch mit einem Typ2-Typ2-Ladekabel (ich hatte ein Steckerbiker-Kabel mit) an der öffentlichen Ladesäule wird einphasig geladen. Das Ladegerät ist angenehm leise.
In jedem Fall startet der Ladevorgang mit bis zu 3,4kW. Allerdings wird die Ladeleistung schon nach etwa 20 Minuten nach und nach soweit heruntergeregelt, dass im Mittel nur noch 2kW bleibt. Man muss sich also keine Sorgen machen, dass die mit 16A abgesicherte Steckdose zu warm wird. Aber für schnelles Laden auf großer Tour oder auf Reisen ist der Schnelllader (40A nominell) doch nicht gemacht.
Nach der Rallye habe ich von 0-100% in der Hotelgarage geladen. Da wurden mir 14,77kWh in vier Stunden angezeigt - also dauerhaft 3,7kW. Das ist zwar die primäre Seite des Ladevorgangs, aber für einen 13,3kWh-Akku trotzdem überraschend. Nun bin ich gespannt, welche Erfahrungen andere machen.
Empfehlenswert scheint mir, den Akku nicht jedesmal ganz voll zu laden und immer mal wieder auf der App zu überprüfen, ob die Zellbalance stimmt - auch und grade nach vielen Jahren.
Den Verbrauch habe ich mit gut 7kWh/100km ermittelt. Bei 80km/h zieht der Controller ziemlich genau 80A. Auf der Balkenanzeige ist das genau die Mitte. In der Höchstgeschwindigkeit habe ich versucht, mich zurückzuhalten. Aber auf langen Landstraßen- und kurzen Autobahnetappen mit insgesamt wenig Ortschaften, etlichen Steigungen und etwas Wind schaffe ich nicht mehr als 200km - was ja schon eine ganze Menge ist. Ich bin aber sicher, dass es andere Nutzungsprofile und Fahrernaturen gibt, die wesentlich weniger verbrauchen. Regelmäßig und ohne Not würde ich den Akku auch nicht soweit leer fahren.
Schöne Grüße, Bertolt
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Re: Drei-Tage-Test Saturn GT300

Beitrag von Schnabelwesen »

Vierter Teil: Fertigungsqualität, Stauraum und Accessoires
Insgesamt wird die Fertigungsqualität chinesischer Roller immer besser. Die Spaltmaße sind gering, es klappert kaum etwas und die "Plaste"-Verkleidung fasst sich gut an und sieht gut aus.
Es gibt inzwischen wesentlich weniger Schrauben an der Verkleidung. Stattdessen (jedenfalls ist es so beim Jupiter) gibt es Steckverbinder in Gummitüllen sowie Klick- und Schnappverschlüsse.
Die Michelin City Grip 2 hatte ich schon erwähnt - ich finde, die fahren sich super.
Die Felge vom Hinterrad kann man nach dem Ausbau von der Felge lösen. Beim E-Kuma Wind, bei dem es neuerdings genauso ist, hat mir neulich ein (KFZ-)Reifenhändler das Rad perfekt ausgewuchtet. Und das Beste daran: Man muss nicht die Phasenkabel vom Controller lösen - die Verkleidung bleibt also bis auf die Schwingenabdeckung unangetastet.
Die Reifendruckkontrolle funktionierte gut. Die Anzeige liegt oben im Display im Blickfeld. Wegen der Effizienz-Rallye haben wir den Druck auf 2,4 und 2,5bar erhöht. Über diesem Wert wird wohl eine Warnung ausgegeben. Ein weiterer Vorteil bei RDKS sind die stabilen Schraubventile. Denn die alten Gummiventile chinesischer Bauart sind manchmal schon nach zwei Jahren spröde und reißen ein.
Das Display ist gut ablesbar, hell und freundlich und zurückhaltend gestaltet - man fühlt sich nicht dauernd wie auf dem Jahrmarkt ;). Man kann über Android Auto oder Apple CarPlay das Handy spiegeln. Die Grundinfos (einschl. Tacho) stehen dann in einer kleinen Zeile darunter.
Die Sitzbank hat jetzt eine Gasdruckfeder - sehr angenehm und praktisch. Beim Schließen der Sitzbank muss man allerdings genau zielen, damit man das Schloss trifft - das Scharnier hat viel Spiel. Daran gewöhnt man sich aber schnell.
Mein recht großer Schuberth-Jethelm passte unter die Sitzbank. Davor ist noch Platz für die Handschuhe und allerlei Kleinkram oder das Ladekabel. Ich hatte ein großes Topcase mit. Ich finde, es passt gut zu dem großen Roller.
Zur Sitzposition, auch zu zweit, wurde im Saturn-Thread schon positiv berichtet. Ich kann es bestätigen. Die Geometrie ist gelungen, ebenso wie die neuen hinterleuchteten Schalter, die ergonomisch angeordnet sind.
Ich bin sehr oft mit dem Tempomat gefahren. Auf Tastendruck wird die Geschwindigkeit genau gehalten. Nachjustieren kann man nicht. Wenn man den Tempomat beim Beschleunigen einschaltet, rastet er mit kurzer Verzögerung ein. Wenn man aber sozusagen von oben kommt und Strom wegnimmt, fällt die Geschwindigkeit erstmal deutlich ab, geht dann wieder hoch und bleibt dort. Anfangs hat mich das irritiert, weil ich dachte, er hat den Befehl nicht angenommen. Wenn man es weiß, braucht es nur einen Moment Geduld. Der Tempomat ist jedenfalls für lange Strecken ein echter Pluspunkt.
Um die Ladeklappe zu öffnen, muss man den eigentlichen Schlüssel aus dem Funkteil ziehen und das Schloss auffummeln. Das passt nicht so richtig zu dem ansonsten smarten Konzept mit Nearfield-Erkennung und Drehknopf zum Starten, Öffnen der Sitzbank und Schließen des Lenkradschlosses.
Die Spiegel hatte ich etwas höher, weil ich für die Handy-/Navihalter Distanzstücke drunter geschraubt hatte. Dann waren die Spiegel optimal. Wie es ohne diese Veränderung ist, kann ich leider nicht sagen.
Es gibt eine USB-Buchse, die links unter einer Klappe sitzt. Die Buchse lieferte genug Strom, um mein altes Handy mit TomTomGo-Navigation dauerhaft geladen zu halten. Die Klappe hat leider keinen Kabelauslass. Am besten passt es, wenn das Ladekabel unten beim Scharnier herausgeführt wird. Wünschenswert wäre eine leistungsfähige Universal-12V-Dose oder zumindest ein zweiter USB-Ausgang.
Alles in allem ist der Saturn ein ziemlich erwachsener Roller. Er hat genug Leistung und Kapazität für schöne Touren, auch zu zweit. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte sowas mit 16 Jahren gehabt anstatt meines gepimpten Mokicks...
Wünschenswert wäre ein Schnellladegerät - nicht 40A für die Garage, sondern 80A an der Ladesäule. Dann stünde der ganz großen Tour nichts mehr im Wege.
Schöne Grüße, Bertolt
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Re: Drei-Tage-Test Saturn GT300

Beitrag von didithekid »

Schnabelwesen hat geschrieben: Fr 4. Sep 2026, 23:16 .. .Allerdings sollte man auf Dauer - ich spreche von etlichen Jahren - nicht vergessen, die Zellspannungen mit der App zu überprüfen. Denn wenn die Zellen älter werden und auseinander driften, droht die Gefahr, dass einzelne Zellen in Überspannung geraten. Ich würde mir eine etwas zurückhaltendere Einstellung wünschen. Allerdings müsste dann auch das Ladegerät runtergeregelt werden, und das ist wohl über eine fixe Firmware konfiguriert. ....
Hallo Bertold,

im ANT-BMS kann ja sehr feinfühlig die Zellenspannung eingestellt werden, bei deren Erreichen (an einer der Zellen) der Ladevorgand "abgewürgt" wird; also egal wie hoch das Ladegerät auch eingestellt sein mag. Insofern kann da eigentlich nichts passieren, solange das BMS funktionsfähig ist. Mit Sperren des Ladezugang durch das ANT-BMS erreicht dann das Ladegerät natürlich auch sofort seine Ladeschluss-Spannung bei 0 Ampere Stromfluss und schaltet ab, wie im Normalfall.
Hier scheint ja Beides (BMS und Ladegerät) so konfiguriert zu sein, dass die Reststrom-gesteuerte Abschaltung des Ladegerätes um 85,5 Volt herum erfolgt, bei vermutlich um 500 mA Stromfluss. Wenn das Limit der Zellenspannung im BMS auf 4,299 Volt eingestellt ist und die Zellen nach der Ladung bei je etwa 4,25 Volt liegen (x20 =85 Volt) gibt es da also den Toleranzbereich für Spannungsausreißer oberhalb von 4,25 Volt Zellenspannung (aber unter 4,299 Volt) in den einzelne Zellen mal kurz geraten dürfen, die dann (auch nachdem das Ladegerät längst abgeschaltet hat) vom ANT-BMS über dessen Lastwiderstände auf das gemeiname Niveau von 4,25 Volt gebracht werden.
Das ANT-BMS kann sich da Zeit lassen, da es dazu nicht ein angeschlossenes Ladegerät benötigt. Es wird oft geschrieben, dass der Ausgleichstrom beim ANT-BMS mit 60 mA zu gering wäre. Wie Du aber festgestellt hast, liefert es perfekt ausbalancierte Zellen und schaltet dann erst danach (ggf. auch mal erst eine Stunde nach dem Ladevorgang) in den Ruhemodus.

Hier werden den Zellen aus aktueller Produktion natürlich Ladespannungen zugemutet, die all Jene von uns verunsichern, die dem Mythos folgen,
Aufladen über 80% Ladezustand (3,8Volt je Zelle) sei ein no go. Mit den Zellen von vor 10 Jahren hätte sich ja auch Niemand über 4,2 Volt hinaus getraut.
Um Reichweite in den Akku zu bekommen, ist das aber der Weg. Bei Rollern mit Wechselakkus kann man als Alternative natürlich auch zwei Akkus kaufen und die nur im Bereich 75% auf 25 nacheinander nutzen, was aber doppelte Akku-Kosten bedeutet. Mag sein, dass dieses geschonte Akku-Paar dann 15 Jahre hält und der gestesste voll (100%->0%) genutzte Akku hält im Gegensatz nur 10 Jahre. Aber in 10 Jahren ist der Akku-Ersatz für diesen dann vielleicht deutlich billiger und außerdem ist der dann wieder fabrikneu.

Viele Grüße
Didi
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