Re: Drei-Tage-Test Saturn GT300
Verfasst: Mi 2. Sep 2026, 10:04
Erster Teil: Motor und Fahrerlebnis
Drei Tage lang konnte ich den neuen Saturn testen, zunächst in der Südheide und im Harz, dann im fränkischen Jura bei der PaceRace viewtopic.php?t=46886
Hier schildere ich nach und nach die Eindrücke vom Fahrzeug und die "Testergebnisse". In einem anderen Thread diskutieren wir technische Details viewtopic.php?t=49178.
Vielen Dank an Trinity und Reinhold Richert für das Vertrauen, die tolle Unterstützung und die interessanten Gespräche! Es waren unvergessliche Tage.
Jetzt erstmal zum Fahrverhalten:
Beim Auf- und Abbocken merkt man das Gewicht von 220kg. Soviel wog meine 1000er Suzuki V-Strom.
Die Hebelverhältnisse beim Hauptständer sind aber gut; Aufbocken ist kein großes Problem.
Beim Rangieren kommt einem der tiefe Schwerpunkt entgegen. So leicht fällt das Mopped nicht um. Auch der Seitenständer ist in Winkel und Länge genau richtig.
Beim Aufsitzen war ich überrascht, wie hoch man sitzt. Mir kommt das sehr entgegen, weil sich trotz langer Beine ein vernünftiger Kniewinkel ergibt. Die Füße konnte ich entspannt auf den Trittbrettern abstellen - alles passt auf Anhieb und auch noch nach fünf Stunden. Wenn man die Füße nach vorne auf die schräge Fläche stellt, ergibt sich ein Winkel zwischen Fuß und Schienbein von 90 Grad - beim alten Jupi 11 war alles enger. Auch der Lenker kommt einem nicht so stark entgegen. Die dauerhaft bequeme Sitzbank verzichtet - wie schon beim Jupi SL - auf die kleine Lehne hinter dem Fahrersitz. Dadurch konnte ich weiter nach hinten rutschen und mich nach langer Fahrt auch mal oben auf den Buckel setzen. Dann sind Arme und Beine lang ausgestreckt.
Beim Test-Roller wurde das hohe Windschild nachgerüstet, mit dem der Saturn jetzt ausgeliefert wird. Das sieht gut aus, ist frei von Verwirbelungen und schützt ordentlich. Zusätzlich habe ich mir noch einen kleinen MRA-Spoiler drauf gesetzt - perfekt. Jetzt konnte ich dauerhaft zugfrei mit offenem Visier mit Jethelm fahren.
Der Roller ist sehr leise. Die Dosierung mit dem Stromdrehgriff ist perfekt sensibel, auch im Rückwärtsgang.
Kraft ist scheinbar immer reichlich vorhanden. Ich habe einfach vergessen, dass es sich um einen "125er" Roller handelt. Entscheidend ist gar nicht mal, dass man ihn auf über 140km/h nach Tacho bringen kann, sondern die souveräne und gleichmäßige Beschleunigung, die auch über 100km/h nicht gequält wirkt.
Mein selbstgestecktes Ziel war beim PaceRace, möglichst nicht schneller als 80 zu fahren. Das sind nämlich ziemlich genau 80A, die er dann zieht. Anscheinend war ich nicht diszipliniert genug: der Durchschnittsverbrauch (einschl. windigen Etappen und insgesamt 2.500 Höhenmetern) lag dann bei 7kWh/100km. Es macht einfach zu viel Spaß, mal ein bisschen am "Gas" zu drehen.
Für lange Landstraßen-Etappen ist das ideal. Aber auch die beiden kurzen Autobahn-Stücke boten keinerlei Problem. Nur dass der Stromverbrauch eben exponentiell steigt. Für die Alltags-Pendler-Strecke wird der Akku aber fast immer groß genug sein.
Zwei kleine Mankos sind mir aufgefallen. Ähnlich wie beim Jupi gibt es einen Frequenzbereich, in dem der Motor knarzt und Vibrationen auf alle Teile des Fahrzeugs überträgt. Das ist ein schmales Band um 45km/h. Auf der Landstraße war das völlig irrelevant, aber wenn man sich länger durch die Stadt quälen muss, kann es nerven.
Außerdem wurde der primitive Schalter für die Schaltstufen, der bisher verbaut wurde, durch einen Taster ersetzt: 1 - 2 - 3 - 4 - boost -... und dann 1.
Wenn man also von Boost auf die Schaltstufe 2 will, muss man die 1 schnell durchschalten.
Der Taster selbst ist wie die gesamten Armaturen neu, hinterleuchtet, funktional angeordnet und deutlich wertiger. Ähnlich wie andere große Hersteller hat Efun da nachgelegt.
Das gleiche gilt für das Display. Android Auto haben wir auf dem Hof von Trinity kurz probiert. Nachdem die Kopplung geklappt hatte, erschien das Handy-Display auf dem Display des Fahrzeugs. Allerdings habe ich es nicht genutzt; ich sehe lieber die wichtigen Infos in Originalgröße. Tacho, Uhr(endlich.!), Spannungsanzeige und sogar die seitlichen "Leistungsbalken" waren hilfreich und gefallen mir gut. Das Display hat einen Touchscreen mit Menüfunktion, über die z.B. die Uhr eingestellt oder der Trip-Zähler genullt werden kann.
Auf die Daten des smarten BMS kann es nicht zugreifen. Dazu muss man die ANT-BMS-App bemühen. Aus Gründen, die ich später noch erläutere, sollte man das auch regelmäßig nutzen.
Licht und Fernlicht sind einigermaßen hell, aber - typisch für chinesische LED-Scheinwerfer - etwas zu kastig und klar umrissen, also wenig Streulicht.
Es folgen noch ein paar Artikel dieser Serie:
Fahrwerk, Fahrverhalten, Bremsen und ABS sowie TCS
Batterie und Ladevorgang
Bedienung, Stauraum und Accessoires
Aber wahrscheinlich erst am nächsten Wochenende...
Schöne Grüße, Bertolt
Drei Tage lang konnte ich den neuen Saturn testen, zunächst in der Südheide und im Harz, dann im fränkischen Jura bei der PaceRace viewtopic.php?t=46886
Hier schildere ich nach und nach die Eindrücke vom Fahrzeug und die "Testergebnisse". In einem anderen Thread diskutieren wir technische Details viewtopic.php?t=49178.
Vielen Dank an Trinity und Reinhold Richert für das Vertrauen, die tolle Unterstützung und die interessanten Gespräche! Es waren unvergessliche Tage.
Jetzt erstmal zum Fahrverhalten:
Beim Auf- und Abbocken merkt man das Gewicht von 220kg. Soviel wog meine 1000er Suzuki V-Strom.
Die Hebelverhältnisse beim Hauptständer sind aber gut; Aufbocken ist kein großes Problem.
Beim Rangieren kommt einem der tiefe Schwerpunkt entgegen. So leicht fällt das Mopped nicht um. Auch der Seitenständer ist in Winkel und Länge genau richtig.
Beim Aufsitzen war ich überrascht, wie hoch man sitzt. Mir kommt das sehr entgegen, weil sich trotz langer Beine ein vernünftiger Kniewinkel ergibt. Die Füße konnte ich entspannt auf den Trittbrettern abstellen - alles passt auf Anhieb und auch noch nach fünf Stunden. Wenn man die Füße nach vorne auf die schräge Fläche stellt, ergibt sich ein Winkel zwischen Fuß und Schienbein von 90 Grad - beim alten Jupi 11 war alles enger. Auch der Lenker kommt einem nicht so stark entgegen. Die dauerhaft bequeme Sitzbank verzichtet - wie schon beim Jupi SL - auf die kleine Lehne hinter dem Fahrersitz. Dadurch konnte ich weiter nach hinten rutschen und mich nach langer Fahrt auch mal oben auf den Buckel setzen. Dann sind Arme und Beine lang ausgestreckt.
Beim Test-Roller wurde das hohe Windschild nachgerüstet, mit dem der Saturn jetzt ausgeliefert wird. Das sieht gut aus, ist frei von Verwirbelungen und schützt ordentlich. Zusätzlich habe ich mir noch einen kleinen MRA-Spoiler drauf gesetzt - perfekt. Jetzt konnte ich dauerhaft zugfrei mit offenem Visier mit Jethelm fahren.
Der Roller ist sehr leise. Die Dosierung mit dem Stromdrehgriff ist perfekt sensibel, auch im Rückwärtsgang.
Kraft ist scheinbar immer reichlich vorhanden. Ich habe einfach vergessen, dass es sich um einen "125er" Roller handelt. Entscheidend ist gar nicht mal, dass man ihn auf über 140km/h nach Tacho bringen kann, sondern die souveräne und gleichmäßige Beschleunigung, die auch über 100km/h nicht gequält wirkt.
Mein selbstgestecktes Ziel war beim PaceRace, möglichst nicht schneller als 80 zu fahren. Das sind nämlich ziemlich genau 80A, die er dann zieht. Anscheinend war ich nicht diszipliniert genug: der Durchschnittsverbrauch (einschl. windigen Etappen und insgesamt 2.500 Höhenmetern) lag dann bei 7kWh/100km. Es macht einfach zu viel Spaß, mal ein bisschen am "Gas" zu drehen.
Für lange Landstraßen-Etappen ist das ideal. Aber auch die beiden kurzen Autobahn-Stücke boten keinerlei Problem. Nur dass der Stromverbrauch eben exponentiell steigt. Für die Alltags-Pendler-Strecke wird der Akku aber fast immer groß genug sein.
Zwei kleine Mankos sind mir aufgefallen. Ähnlich wie beim Jupi gibt es einen Frequenzbereich, in dem der Motor knarzt und Vibrationen auf alle Teile des Fahrzeugs überträgt. Das ist ein schmales Band um 45km/h. Auf der Landstraße war das völlig irrelevant, aber wenn man sich länger durch die Stadt quälen muss, kann es nerven.
Außerdem wurde der primitive Schalter für die Schaltstufen, der bisher verbaut wurde, durch einen Taster ersetzt: 1 - 2 - 3 - 4 - boost -... und dann 1.
Wenn man also von Boost auf die Schaltstufe 2 will, muss man die 1 schnell durchschalten.
Der Taster selbst ist wie die gesamten Armaturen neu, hinterleuchtet, funktional angeordnet und deutlich wertiger. Ähnlich wie andere große Hersteller hat Efun da nachgelegt.
Das gleiche gilt für das Display. Android Auto haben wir auf dem Hof von Trinity kurz probiert. Nachdem die Kopplung geklappt hatte, erschien das Handy-Display auf dem Display des Fahrzeugs. Allerdings habe ich es nicht genutzt; ich sehe lieber die wichtigen Infos in Originalgröße. Tacho, Uhr(endlich.!), Spannungsanzeige und sogar die seitlichen "Leistungsbalken" waren hilfreich und gefallen mir gut. Das Display hat einen Touchscreen mit Menüfunktion, über die z.B. die Uhr eingestellt oder der Trip-Zähler genullt werden kann.
Auf die Daten des smarten BMS kann es nicht zugreifen. Dazu muss man die ANT-BMS-App bemühen. Aus Gründen, die ich später noch erläutere, sollte man das auch regelmäßig nutzen.
Licht und Fernlicht sind einigermaßen hell, aber - typisch für chinesische LED-Scheinwerfer - etwas zu kastig und klar umrissen, also wenig Streulicht.
Es folgen noch ein paar Artikel dieser Serie:
Fahrwerk, Fahrverhalten, Bremsen und ABS sowie TCS
Batterie und Ladevorgang
Bedienung, Stauraum und Accessoires
Aber wahrscheinlich erst am nächsten Wochenende...
Schöne Grüße, Bertolt