Wer klappert so spät durch Nacht und Wind
Ich weiß, ihr habt alle schon sehnsüchtig darauf gewartet, endlich wieder neue Informationen zu meinem dreirädrigen Supercar zu erhalten. Ihr musstet viel Geduld aufbringen, doch jetzt ist es endlich so weit.
Vor einiger Zeit habe ich festgestellt, dass mein Lenkrad „unruhiger“ geworden ist und dass ein ungesundes Geräusch von der Vorderachse kommt. Nach einem Telefonat mit dem Händler stand die Vermutung nahe, dass die Lenkkopflagerschale die Ursache ist. Diese müsse nur vernünftig festgezogen werden. Ja, dazu gibt es eine Wartungsklappe unter dem Lenker. Um das aber richtig zu machen, müsste mehr abgebaut werden, damit man an die entsprechende Kontermutter herankommt – abgesehen davon, dass man einen entsprechenden Schlüssel braucht.
Gesagt, getan. Ich kaufte einen 32er Gelenk-Hakenschlüssel und baute, da ich auch neugierig war, fast die gesamte Innenverkleidung des Armaturenbretts ab. Es war wirklich spannend zu sehen, was da so alles langgeht. Unter anderem habe ich einen Verteilerkasten, den Frontscheibenheizlüfter und ein Gerät entdeckt, das ich bis heute nicht ganz zuordnen kann (eventuell der Lautsprecher für das Blink-Geräusch).

- Solides Gewusel

- Heizlüfter und Verteilerkasten

- Verteilerkasten

- Hinter dem Display
Was ich vielleicht vorher hätte machen sollen: Das Fahrzeug einfach mal mit bloßem Auge genauer betrachten. Dann wäre mir aufgefallen, dass das Kugellager in der vorderen Felge auf einer Seite schon zur Hälfte aufgelöst war. Die Lenkachse war auf jeden Fall in Ordnung.

- Zerriebenes Kugellager
„Clever“, wie ich war, hatte ich mir einen absolut überdimensionierten Wagenheber gekauft. Er war erstens flach genug, um unter das Fahrzeug zu passen (weniger als 10 Zentimeter), und zweitens konnte er ziemlich weit nach oben gepumpt werden (für den Fall, dass ich mal unter das Fahrzeug muss). Dass das Ding ein Riesenochs ist und 35 kg wiegt, hatte ich überlesen. Was soll's, dafür ist das Teil wirklich solide und lässt sich schön dosiert ablassen.

- Sehet: Der Wagenheber der Macht!
Na ja, immerhin habe ich bei der ganzen Aktion neue Details meines Fahrzeugs kennengelernt. Mit Hilfe eines Nachbarn konnte ich nach langem Versuch beide Kugellager (6201-2RS) aus der Felge entfernen und neue kaufen. Die Schwierigkeit bestand darin, dass man die Kugellager nicht einfach durchhauen kann, da sich das Achsloch (hier bitte nicht verlesen) der Felge nach einigen Zentimetern nach innen verjüngt. Das ist einerseits gut, weil die Positionierung der Lager dadurch klar ist, andererseits schlecht, weil die Dinger mit viel Druck hineingedrückt wurden. Glücklicherweise hatte der Nachbar viel Geduld, spezielle Haken und einen Hammer. Beim Einsetzen der neuen Kugellager hat mir eine Nuss aus meinem Nusskasten geholfen. Sie lag exakt auf der Außenkante der Kugellager auf, sodass ich die Lager hineinhauen konnte. Wichtig dabei ist, sich zu merken, auf welcher Seite der Felge welcher Abstandshalter war. Diese sind nämlich unterschiedlich lang.

- Hier hätte ich das Kugellager einfach weiter rein drücken müssen
Beim Einbau war mir nicht mehr ganz klar, wie tief die Kugellager in die Felge hinein mussten (die ganze Aktion hat mehrere Tage gedauert, da ich zuerst die falschen Kugellager gekauft hatte und auf die neuen warten musste). Also habe ich eine absolut unnötige Konstruktion gebaut, um die Vordergabel etwas auseinanderspreizen zu können, da die Abstandsstücke nicht mehr passen wollten. Doch dann stellte ich fest, dass ich die Kugellager einfach hätte weiter hineindrücken müssen. Wieder was dazugelernt.

- Wunderschön und eigentlich komplett unnötig
Beim Zusammenbau sind, das ist bei mir schon fast zur Tradition geworden, einige Schrauben übrig geblieben. Es ist immer ein gutes Gefühl, noch etwas Ersatz zu haben. Ich habe keine Ahnung, wo sie fehlen, aber es waren nur Schrauben für die Verkleidung, also eher Nebensache. Eventuell wäre es trotzdem an der Zeit, sich eine Christopherus-Plakette zu kaufen.
Ein kleiner Ausflug zum Thema Hall-Sensor
Seitdem mein kleiner Flitzer tatsächlich seine 45 km/h schafft, habe ich öfter kurze Motoraussetzer. Gerade bei Regen (also hoher Luftfeuchtigkeit) und höherer Geschwindigkeit passiert das häufig, oft mehrmals hintereinander. Der Motor verliert für den Bruchteil einer Sekunde seine Leistung. Das liegt daran, dass der Hall-Sensor, der die Position des Magneten im Motor misst, diese nicht oder falsch erkennt und dann sicherheitshalber kurz abschaltet. Das ist nicht weiter schlimm und laut KI macht das dem Motor nichts aus, aber das ganze Fahrzeug ruckt dann immer kurz. Von außen muss es wohl so aussehen, als würde ich die Gänge reinprügeln, obwohl ich gar keine wirklichen Gänge habe. Hier bin ich gerade dabei, in der Software für den Motorcontroller die einzige Option für den Hall-Sensor zu testen: „Hall Shift Angle“. Derzeit ist dort -89 eingestellt, ich teste aber gerade -85. Bislang konnte ich keine spürbare Verbesserung feststellen. Ich melde mich aber wieder, wenn es Neuigkeiten gibt.
Bis dahin warte ich gespannt auf den
Winter und seine Herausforderungen. Das liegt nicht nur an meiner speziellen Spurbreite (und aufgrund meiner Dreirädrigkeit auch daran, dass ich bei Schnee immer nur mit einem Reifen in der Spur fahren kann), sondern auch daran, dass ich nicht weiß, ob der Akku wirklich
Heizelemente verbaut hat. Ich habe da so meine Bedenken.
Das nächste Projekt wird auch sein, endlich zu verstehen, ob der Motorcontroller oder der Akku selbst mit dem Ladegerät „spricht“. Denn für das „dumme Laden“ (immer volle Leistung ohne abfallende Leistungskurve, wenn der Akku voller wird) hätte ich gerne eine bessere Lösung. Bisher weiß ich nur, dass der Ladevorgang nicht abschaltet, wenn man ein anderes Ladegerät verwendet (selbst wenn die einzelnen Zellen des Akkus schon bei 4 Volt liegen). Das ist sehr gefährlich.
In diesem Sinne, ein schönes Wochenende.