Strategie für die Langstrecke

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ms_smart
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Strategie für die Langstrecke

Beitrag von ms_smart »

Ich habe jetzt seit einem Jahr einen OBD2 Dongle an meiner Experia und habe fleissig Daten gesammelt. Energica hat ja das Problem, dass auf langen Etappen mit mehreren Ladevorgängen die Ladeleistung massiv einbricht. Ich habe mir mal Gedanken über die Ursache gemacht und mit welcher Strategie man z.B. 1000km an einem Tag bewältigen könnte.

Datenpunkt 1: Wie verhält sich die Akkutemperatur während eines Ladevorgangs:
Screenshot 2025-07-07 182229.jpg
Dies ist ein DC Ladevorgang von 10% auf 70%. Die Lufttemperatur war 24.8 Celsius. Erkenntnis:
  • Je 10% SOC erhöht sich die Akku Temperatur um ~2 Grad Celsius, oder einfacher: Ca 1 Grad pro kWh.
  • Unterhalb von 40 Grad geht es dem Akku gut mit voller Ladeleistung
  • Zwischen 40 und 50 Grad reduziert sich die Ladeleistung pro Grad um ca 1 KW.
Auch wenn man es diesem Graph nicht ansieht weiss ich ausserdem, dass ab 50 Grad die Ladeleistung noch dramatischer einbricht. Die spannende Frage ist jetzt: Wie gut kühlt der Akku während der folgenden Fahrt wieder ab.
Screenshot 2025-07-07 183330.jpg
Dieser Graph ist während der Fahrt am gleichen Tag entstanden. Interessant ist hier die gelbe Linie (Batterie Temperatur). Am Anfang ist der Akku kalt (Umgebungstemperatur) und steigt dann während der Fahrt an auf ca 37 Grad (ca 12 Grad höher als die Umgebungstemperatur). Die Batterie heizt sich also während der Fahrt auf!
Nach 230 km dann der Ladestopp mit dem Verhalten des ersten Graphen. Der Akku erhitzt sich von 37 auf 49 Grad. Wir haben jetzt ein Temperatur Delta zur Umgebungstemperatur von 24 Grad.
Während der folgenden Fahrt kühlt sich der Akku ab auf ca 43 Grad, aber dann nicht weiter. Dies ist Delta zur Umgebung von 17 Grad. Die gut 43 Grad werden nach 80 km Fahrt erreicht.
Wie verhält sich das ganze beim 2. Ladestopp?
Screenshot 2025-07-07 184441.jpg
Dieser Graph ist etwas schwieriger zu lesen weil die Umgebungstemperatur stark schwankt. Es war ein heisser Tag mit bis zu 32 Grad, aber in den Bergen ist es auf 18 Grad abgekühlt. Trotzdem kann man fundamental festhalten, dass meine unten stehende Erkenntnis einigermassen passt:
  • Es ist egal ob du wenige lange Ladevorgänge oder viele kurze Ladevorgänge machst. Die Akku Temperatur steigt um 1 Grad / geladener kWh.
  • Während der Fahrt bei einer Fahrstrecke die lang genug ist pendelt sich die Akkutemperatur bei Umgebungstemperatur + X (17?) Grad ein - unter der Annahme einer konstanten Lufttemperatur. Ist der Akku kälter steigt die Akku Temperatur während der Fahrt. Ist der Akku heisser kühlt der sich auf diesen Wert ab.
Daraus ergibt sich folgende Fahrstrategie:
  • Halte den Akku so heiss wie möglich, aber immer unter 50 Grad. Grund: Je heisser der Akku desto mehr kann er sich während der Fahrt abkühlen.
  • Lade solange bis du 50 Grad Akku Temperatur erreichst. Dann abstecken und losfahren. Wenn du die Akku Temperatur nicht messen kannst: Lade bis die Ladelesitung auf 15KW einbricht. Dann stecke ab.
  • Ab jetzt fahre nur noch 80km Stints. Längeres fahren reduziert die Akku Temperatur nicht weiter. Der Akku sollte jetzt ca 44 Grad haben.
  • Lade wieder auf 50 Grad. Die 6 Grad = 6 kWh sollten für die nächsten 80 km gut reichen.
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arden
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Re: Strategie für die Langstrecke

Beitrag von arden »

Wie Mr. Spock sagte:

Faszinierend!:-)
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Re: Strategie für die Langstrecke

Beitrag von achim »

So Langstrecke zu fahren muss ja richtig Spaß machen.... :D
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ms_smart
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Re: Strategie für die Langstrecke

Beitrag von ms_smart »

Langstrecke macht nie Spaß. Bis 500km muss man sich nicht viel Gedanken über die Fahr- und Ladestrategie machen und das ist für mich auch das Maximum wo ich noch von Spaß reden würde. Aber wenn es mal seien muss ist es gut zu wissen welche Strategie am besten ist.
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Afunker
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Re: Strategie für die Langstrecke

Beitrag von Afunker »

Marc Travels hat das bei seiner jetzigen Tour zu spüren bekommen. Der Akku seiner Energica hatte er bisher nur mit DC geladen (max. 80%)
Siehe YT Video dazu... Jetzt ist er kurz hinter der Grenze in Frankreich stehen geblieben. Zuerst Notlauf, dann nach dem laden ging nichts mehr...

Hier liegt ein Kardinalfehler eines jeden E-Motorrad oder E-Auto Fahrers vor. Das hat nichts mit dem zu tun, was Akku und BMS angeht!
Der Akku hat Einzelzellen, die mind. 1x im Monat ausbalanciert (angeglichen) werden müssen.
Das erfolgt an einer AC-Ladesäule oder AC-Wallbox oder (falls möglich) mit einem Ladegerät,
dass einen Schukostecker auf der einen Seite und einen Typ 2 Stecker auf der anderen Seite hat.
Das dauert eben mal 1 Nacht oder 8 bis 10 Std. bis der Akku 100 % hat und die Zellen ausbalanciert sind.

Die Kommentare dort strotzen nur von Bashing für Verbrenner... :evil:
Gruss Helmut

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Re: Strategie für die Langstrecke

Beitrag von freesty »

Naja, wenn qualitativ hochwertige Zellen verwendet werden, und das BMS gut programmiert und ausgelegt ist, dann braucht es nach 6TKM kein Balancing, was mehrere Stunden dauert. Er hat ja öfter über 80% geladen, dabei sollte das BMS die Zellen schon ausreichend ausgleichen können.
Dem Benutzer die Schuld dafür zu geben, ist am Ende immer sehr einfach.
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Re: Strategie für die Langstrecke

Beitrag von STW »

freesty hat geschrieben: Fr 6. Feb 2026, 22:48 Naja, wenn qualitativ hochwertige Zellen verwendet werden, und das BMS gut programmiert und ausgelegt ist, dann braucht es nach 6TKM kein Balancing, was mehrere Stunden dauert. Er hat ja öfter über 80% geladen, dabei sollte das BMS die Zellen schon ausreichend ausgleichen können.
Dem Benutzer die Schuld dafür zu geben, ist am Ende immer sehr einfach.
Nein. Selbst qualitativ hochwertige Zellen haben geringfügige Toleranzen, und bei den Stromstärken während der Enntladung wirken die sich stärker auf den Gleichlauf der Zellen aus als beim Betrieb einer Taschenlampe. Mit 80% ist bei weitem noch nicht eine Spannungslage der Zellen erreicht, die ein Balancing ermöglicht. Wir bewegen uns bei den meisten Zellchemien zwischen ca. 30 - 95% auf dem gleichen Spannungsniveau, von daher kann und wird dort kein Balancing erfolgen.
Und bei 6000km werden irgendwo zwischen 30 - 60 Ladevorgänge ohne Balancing erfolgt sein, das ist selbst bei kleinen Rollern nicht gesund.

An den technischen Gegebenheiten kommt man nicht vorbei. Nun ist eher die spannende Frage, ob es diesbezügliche Aussagen im Handbuch gibt, die den Fahrer darauf hinweisen, oder ob der Fahrer sich vorher eingehend genug einen Kopf gemacht hat, wie das Thema Balancing funktioniert oder eben nicht funktioniert. Im Zweifel gebe ich den Autofahrern auch die Schuld, die falschen Sprit in ihren Verbrenner getankt haben.
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NIU NGT ab 06/20 Km-Stand > 36000km, nach Unfall verkauft in 5/23
Niu NPro seit 09/19 Km-Stand > 8000km - Verkauft in 10/22
Ahamani Swap Bj 2007 - 2.4KW - Vario - Km-Stand > 27.000km - 40AH Thundersky ab 11/08 - CALB 70AH seit 10/11 -Verschrottung 09/19
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Re: Strategie für die Langstrecke

Beitrag von freesty »

Kann ich nicht unterschreiben und ich baue selber und repariere Niu Akkus und andere.
Manche Powertools haben gar kein Balancing und schaffen hunderte Zyklen. Und die werden oft misshandelt.
Bei DC Laden ist bei 80% oft schon 4,2V erreicht und dann werden die Amps reduziert. Also welche Spannungslage ist dann nicht erreicht? Charge Balancing ist das einzige was Sinn ergibt.
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Re: Strategie für die Langstrecke

Beitrag von Afunker »

freesty hat geschrieben: Sa 7. Feb 2026, 10:38 Also welche Spannungslage ist dann nicht erreicht? Charge Balancing ist das einzige was Sinn ergibt.
Genau das hat bei Marcs Energica Akku gefehlt. Steht im Handbuch auch so drin. Voll laden bis 100 % mit AC und damit langsam laden...
Gruss Helmut

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Re: Strategie für die Langstrecke

Beitrag von freesty »

Eurer Meinung nach 100% Anwender Fehler und das BMS arbeitet fehlerfrei?
Wieviel Inbalance hatten denn die Zellen, dass der Fehler so auftritt? 70%SoC-> 50% -> 0% - 70% ?
2019er Ecooter e2s mit 29000km SoH 90%.
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