Dieter F. hat geschrieben: Fr 17. Apr 2026, 15:46
@Andi, die Herausforderung liegt doch darin etwas zu erschaffen was aus dem eigentlichen Zustand eine Verbesserung wäre. Ein fertiges e-Fahrzeug kann jeder kaufen und sich das Halbwissen wie ein Bücherwurm bei Google anfressen. Wie steht es um die Zuverlässigkeit? Der Benzinmotor hat sehr viele bewegliche Teile und läuft obwohl weit komplexer zuverlässiger? Aber der Vergleich hinkt und Äpfel und Birnen sollte man nicht vergleichen. Was die e-Mobilität angeht, hierbei scheint die Elektronik einer der Fehlerquellen zu sein. Auch um die Haltbarkeit der Batterien steht es nicht gut. Die Hersteller werden ein System für diesen Markt nicht so konstruieren, dass man es leicht reparieren könnte oder gar die Ersatzteile in gleichwertiger Form für preiswertes Geld anbietet. Ich betrachte daher mein Projekt mit einem gewissen Abstand und wenn es mal nicht so funktioniert ist es ein Ansporn für mich.
...
Ich sehe das - in Teilen - etwas anders. Zunächst würde ich unterscheiden wollen zwischen E-Autos und E-Zweirädern. Im elweb-Forum hat man sich bei den E-Autos schwerpunktmäßig mit dem Mini-El beschäftigt, etwas Twike, seltener ein Franzose mit NiCd-Akkus. Im Endeffekt waren das alles Bastelbuden und kein Vergleich mit heutigen E-Autos.
Bei den Rollern und Mopeds sieht es leider anders aus. Vor 20 Jahren waren das Bastelbuden, und heute immer noch. Zuverlässiger ginge, würde aber richtig Geld kosten. Beim E-Auto zahlt man dafür, entweder als Dienstfahrzeug, oder man kauft eine Nummer kleiner, oder greift Subventionen ab, ... Beim E-Roller denkt man ein paar Mal länger darüber nach, warum man doppelt oder gar dreifach soviel Geld ausgeben sollte gegenüber einem Benziner.
Einen Chinaroller in Benzin oder 125er etc. bekommt man heute immer noch recht einfach repariert, sofern man selbst schraubt oder einen guten Mechaniker an der Hand hat. Mein Billig-Verbrenner hat allerdings schon Einspritzung, Kat, Lambdasonde und CDI. Die gleiche Maschine wird auf anderen Kontinenten mit Vergaser ohne Schnickschnack verkauft. Das Teil ist mit genug Kreativität schnell im Defektfall schnell diagnostiziert und repariert, in Europa mußt Du allerdings erstmal einen Computer an die ODB anschließen, ohne den geht nicht viel. Die Mechanik ist robust - die Karre ist auf Naturpistentauglichkeit in gebaut.
Ich bin der Meinung, dass das Mofa meiner Jugend häufiger defekt war als meine RGNT - aber die Reparatur war immer erheblich simpler.
E-Roller sind Bastelbuden. Es ist ja nicht so, dass sich da nichts in den letzten 20 Jahren verbessert hätte, wenn man mal durchs Foum schaut. Controller halten wesentlich länger, DC-Konverter auch, Ladegeräte naja ... Murks findet man immer noch bei Steckerbindungen und Wasserdichtigkeit, meist liegt es aber nicht mehr an den Steckern, sondern am Pfusch bei der Montage. Die Akkuqualität ist eigentlich ok, wenn man die richtigen Zulieferer hat. Meine ersten LiFePO4-Zellen haben lange bei mir gehalten, die NIU-Akkus habe ich nicht kaputt gekriegt, die RGNT-SE - Akkus sind wohl unkaputtbar, die der vorherigen Serie sind dagegen eine Katastrophe. Gerade Billigroller kommen heute mit Billigzellen und fallen im Forum dann damit auf.
Problem: bei vielen Akkus benötigt man (also ein Betrieb) einen HV-Schein für eine Reparatur, der kostet teuer. Dann muss der Händler für den Erfolg von Reparaturen geradestehen, oder mitunter auch für die Folgen abgebrannter Akkus, denn er haftet. Ich müßte schon sehr verzweifelt sein, wenn ich einen Reparaturbetrieb für Akkus aufmachen müßte - dann lieber weniger Verantwortung und weniger Geld, z.B. als Bäckereiverkäufer.
Nochmehr ärgert mich anderer Pfusch: wenn der Händler nach 3500km Radlager erneuern muss, oder nach den ersten 1500km das LKL. Das ging vor 40 Jahren schon besser als heute. Die Radlager vorne bei meinen NIUs hielten nicht sonderlich lange (vierstellig), bei meinem chinesischem Billigverbrennerchen sind nach 17TKm immer noch die ersten Radlager verbaut. Dabei waren die NIUs ansonsten recht ordentliche Fahrzeuge.
Und das sind eigentlich alles Konsequenzen aus Sparen an der falschen Ecke. Natürlich wären Akkus reparierbar, oder Controller, oder Ladegeräte. Die Dinger sehen aber deshalb so aus wie sie jetzt sind, weil das die Produktionskosten erheblich senkt, und im Gewährleistungsfall der Austausch von ein paar Akkus preiswerter wäre als die Reparatur und überhaupt erstmal die Reparierbarkeit zu ermöglichen. Und was nach 2 Jahren Gewährleistung passiert interessiert die Hersteller in vielen Fällen gar nicht.
Die Elektronik könnte natürlich auch haltbarer hergestellt werden. Was im Auto funktioniert, das kann auch beim E-Roller funktionieren. Allerdings: mein VAG-Händler repariert auch keine Steuergeräte, der tauscht aus. Wenn der elektrische Windabweiser des Schiebedachs Geräusche macht und nicht mehr funktioniert: da wird ein neuer Motor mit Getriebe für 850€ verbaut - meinereiner nimmt das Teil auseinander, bringt das Zahnrad auf der Motorache mit einem Hammer wieder in die richtige Position und nach 20 Minuten ist alles repariert.
"Austausch" sagt VAG, es gibt eine Anleitung für den Mechatronicer - "Reparatur" sagt der Hobby-Mechaniker in mir, der sich dazu ein YT-Video anschaut. Aber ich muss mir ja auch keine Gewährleistung auf die Reparatur geben, der VAG-Händler schon. Und deshalb macht der nur Komponententausch nach Werksvorgabe - wir lernen: nicht alle Gesetze zum Verbraucherschutz schützen das Portemonaie des Verbrauchers.
Es wäre anders möglich. Durch die Bereitschaft mehr Geld für reparierbare Ware auszugeben. Durch das rigorose Zurückfahren von Vorschriften (HV-Scheine, Vorschriften zur Fahrzeugtechnik, ...), und ein Gewährleistungsrecht, das mit gesundem Augenmaß erstellt worden ist und nicht davon ausgeht, dass der Verbraucher permanent zu blöde ist, so dass möglichst viele Risiken auf Betriebe und Hersteller umverlagert werden.
Vor 40 Jahren ist mein Auto einen Tag nach der Inspektion liegengeblieben. Ursache war ein Riss in der Verteilerkappe. Der Händer hat die Kiste am Sonntag abgeschleppt, am Montag repariert, die Fehlerursache war nicht ermittelbar (Riss aufgrund des Alters wäre möglich gewesen, falsche Handhabung am Vortag durch den Mechaniker ebenfalls) - kurzum: er hat das Abschleppen und die Arbeitszeit bezahlt, ich den Verteiler, fester Händedruck, und ich habe die Karre weiterhin zu ihm gebracht. Heute würde ich zwar nichts zahlen, kostenlos einen Leihwagen bekommen, aber dafür kostet die Werkstattstunde 180€ aufwärts ... Ich zahle eh die Werkstatthaftung über den Preis mit.