E-Retro Blei Umbau auf LFP

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E-Bik Andi
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Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Beitrag von E-Bik Andi »

Rückmeldung nach meiner Zerlegung und Messung- Bei einem BMS hat es den Ladeport zerlegt- da kommt nix mehr durch. Also wurde ein Akku nur noch über die Ausgleichsspannung am Output über die zwei anderen Akkus versorgt- kein Wunder, dass da ohne Balancing ein extremer Drift einzelner Zellen entstanden ist :shock:
Was lernt man daraus: Nur noch BMS verbauen mit BT zur Überwachung. Sonst kommt man da nie drauf, warum, weshalb usw. Zum Glück sind die schwächeren Zellen alle noch im Bereich von 2,8V. Also da schonmal nix defekt. Jetzt rüste ich alle Akkus auf ein BT BMS um. Verdammte Axt! Geiles Wetter und evtl. nur mit zwei Akkus unterwegs.....und wieder alleszusammen bauen und danach zerlegen...wenn es kein Hobby wäre ohne Werkstatt....never ever.
Wenn ich nur überlege: Mein China- Boda in Kenya (Moped 150ccm Viertakter) ist 15 Jahre alt, hat ein hartes Leben als Boda-Boda hinter sich wo zu dritt und sogar zu viert gefahren wird und ich kaufte es letztes Jahr für umgerechnet 120 Euro....das Ding läuft. Und sollte der Motor hoch gehen- neu 300 Euro. KM kann man nur schätzen bei dem Eisen, aber 50tkm hat der Schweineeimer locker runter. Wenn ich ne Rechnung vom Hobbyroller aufmache der hier in D nur bei Schönwetter bewegt wird- gute Nacht. Nur für einen Akku kaufe ich drei Boda´s, Für nen Controller noch eins und für die Arbeit- unbezahlbar. Für mich persönlich ist die E-Mobilität bei Kleinstfahrzeugen sowas von am Arsch.
Da ich den Roller eh nicht einführen kann, wird er früher oder später entsorgt.
Liebe Grüße
Andi
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Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Beitrag von error »

E-Bik Andi hat geschrieben: Mi 8. Apr 2026, 00:03 Für mich persönlich ist die E-Mobilität bei Kleinstfahrzeugen sowas von am Arsch.
Da ich den Roller eh nicht einführen kann, wird er früher oder später entsorgt.

Hey, du bist einer meiner Helden, du kannst doch nicht einfach sowas raushauen. :shock:
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E-Bik Andi
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Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Beitrag von E-Bik Andi »

Hi error,
Naja- nach ein paar Monaten in Afrika in meiner Zweitheimat sehe ich die Sache realistisch: dort laufen alte chinesische Viertakter unter Bedingungen wo man sich nur wundert, dass die überhaupt noch funktionieren. Ölwechsel oder überhaupt Wartung kennen die nicht und hätten auch nicht das Geld dafür. Aber trotzdem laufen sie und der Fahrer ernährt damit seine Familie.
Jetzt steht mein Kleinstgefährt wohl behütet in der heimischen Werkstatt in Deutschland und zickt bzw. Bauteile geben den Geist auf.
Ich sehe es jetzt nur mal realistisch, was ich unten in Afrika damit für ein Problem hätte: Ersatzteile? Nicht verfügbar und wenn ich etwas aus China bestelle, warte ich ewig, kann bei Seefracht auch noch am Hafen korrupte Arbeiter bezahlen usw. Völlig illusorisch.
Ich kenne auch Boda-Fahrer, die von der "kenyanischen Marke Spiro" E-Motorräder geleast haben. In wirklichkeit ist es ein indischer Hersteller und das Headquarter ist auch nur von Indern besetzt- die sind in Nairobi (gut 500km von Watamu an der Ostküste entfernt wo ich lebe).
Mit einem Boda-Fahrer stehe ich in freundschaftlichen Kontakt. In den drei Monaten hatte er vier mal (!!!) ein Problem, dass er nicht mehr fahren konnte. Bis da ein indischer Techniker kommt, wäre er Pleite und könnte die Familie nicht mehr ernähren. Ich konnte bis jetzt alles fixen, da 80% Bedienerfehler waren oder miserable Endmontage.Natürlich sehe ich das Potential aber in der Praxis ist es für so einen Boda-Fahrer der finanzielle worst-case! Wir hier in D lachen über die Kosten bei Selbstreparatur....unten muss einer für ein 50 Euro BMS zwei Wochen arbeiten ohne einen KES des verdienten Geldes für Nahrungsmittel auszugeben. Klar hinkt der Vergleich mit D, aber es geht mir um die Zuverlässigkeit! Ich spielte mit dem Gedanken, für die paar Monate hier in D jetzt zum Sommer das Auto abzumelden- zwei Wohnsitze kosten Geld und warum sollte ich bei über 2 Euro für nen Liter Diesel Geld verbrennen? Aber wenn es diese Saison schon so losgeht, nein danke.
Das ist meine individuelle Entscheidung und sollte nicht auf Andere oder allgemein übertragen werden- bitte!
Liebe Grüße
Andi
Dieter F.
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Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Beitrag von Dieter F. »

@Andi, die Herausforderung liegt doch darin etwas zu erschaffen was aus dem eigentlichen Zustand eine Verbesserung wäre. Ein fertiges e-Fahrzeug kann jeder kaufen und sich das Halbwissen wie ein Bücherwurm bei Google anfressen. Wie steht es um die Zuverlässigkeit? Der Benzinmotor hat sehr viele bewegliche Teile und läuft obwohl weit komplexer zuverlässiger? Aber der Vergleich hinkt und Äpfel und Birnen sollte man nicht vergleichen. Was die e-Mobilität angeht, hierbei scheint die Elektronik einer der Fehlerquellen zu sein. Auch um die Haltbarkeit der Batterien steht es nicht gut. Die Hersteller werden ein System für diesen Markt nicht so konstruieren, dass man es leicht reparieren könnte oder gar die Ersatzteile in gleichwertiger Form für preiswertes Geld anbietet. Ich betrachte daher mein Projekt mit einem gewissen Abstand und wenn es mal nicht so funktioniert ist es ein Ansporn für mich.

Erst vor wenigen Tagen kam ein Bekannter vorbei und ich staunte nicht schlecht. Er saß auf einem gebrauchten SLi5 und ich wusste gar nicht dass der so ein Teil hat. 3kW Antrieb, dass ist schon was dachte ich mir. Meiner nur schlappe 2kW. Die Probefahrt war allerdings ernüchternd und im Berg zieht der nicht besser als meiner. Als Gegenprobe durfte er meinen LFP Umbau testen und im Sport-Modus und im Berg zieht der einfach am SLi5 vorbei. Der Fehler, wenn man von einem Fehler überhaupt sprechen kann, ist das Batteriesystem und der Controller der schon bei eingeknicktem Ladezustand den Motorstrom reduziert. Dazu viele kleine Mängel die einem die e-Mobilität doch verhageln können. Die Mängelliste ist nicht gerade kurz, im Grunde alles was man hier im Forum an Nachteilen lesen kann. Also Andi, das wurde für den Markt so gebaut und dem Kunden zum Kauf angeboten! Da schreibst Du von einem möglichen defekten BMS deines DIY Projektes was dir den Akku strubbelig haut. Nur mal so zum nachdenken wie weit man doch mit seinem DIY eigentlich ist!

Jetzt kommt ein weiterer Text.

Vorgestern war es soweit. Bei meinem LFP Projekt wurden die Daumenschrauben fester gezogen. Anvisiert war eine Strecke von ca.60km die ich aus den ersten Daten meiner Reichweitenberechnung locker erreichen sollte. Tatsächlich konnte ich nur 57,7km abstecken und beide Blöcke waren runter auf 35%. Mit dem Faktor 1,08 – 1,13% / km lässt sich eine realistische, mehr oder weniger grobe Reichweite von ca.70km errechnen die dann beide Blöcke mit noch sicheren 20% Ladestatus auslaufen lassen sollen. Als Testgrundlage war eine halbwegs ebene Strecke und nur im „Normal“ Modus wie Vollgas und eine maximalen Endgeschwindigkeit. Da steckt noch Reichweitenpotential hinter wenn nicht so schnell gefahren wird und auch der ECO Modus Anwendung findet! Bei 35% Ladestatus gab es noch keine Einbußen. Allerdings kann man sich hier die Frage stellen, ob zwischen 35% und 20% die Entladung sich genauso flach verhält was zu bezweifeln ist. Irgendwann werde ich es wissen.
Screenshot_20260415_145133_BMS.jpg
Screenshot_20260415_145145_BMS.jpg
Der Ladevorgang mit ca.1,3kw/h lässt die Serienfahrzeuge dieser Modellserie ziemlich blass aussehen und in Anbetracht der realistischen 70km Reichweite im Stresstest zeigt sich eine volle Batterie in 70Minuten! (35%-100%) Das deckt sich nicht ganz mit den errechneten Werten des BMS. Ich habe etwas weniger geladen als ursprünglich berechnet bzw. verbraucht. Über den Daumen ist das allerdings überschaubar und realistisch. Die Nachteile des JK BMS liegen wohl auch darin, dass kleine Ströme die über den Shunt gehen nicht genau erfasst werden. Das kann man an einem der Bilder aus dem BMS gut sehen, dass die Querströme zu den zwei Blöcken unterschiedlich in negativ wie positiv im Ruhezustand nach der Fahrt ausfallen. Der Controller ist abgeschaltet, da brennt kein Licht nichts mehr. Auch der 6,8kOhm Widerstand der direkt auf einer der BMS Masse liegt ist nicht der Grund. Der R6,8k ist erklärlich dafür da, dass die recht großen Kondensatoren im Controller stets vorgeladen werden um den Einschaltschock möglichst klein zu halten und die Kondensatoren zu schützen. In der Regel liegt dort die volle Batteriespannung an. Mit der künstlichen Brücke werden die Kondensatoren auf ca.52-55Volt im Ruhezustand gehalten ohne das BMS zu belasten. Der Pufferwiderstand ist so gewählt, dass kein nennenswerter Strom für eine Aktivierung vorhanden ist, aber es reicht aus um die Kondensatoren mit Spannung zu versorgen. Der Shunt im BMS ist dermaßen niederohmig, dass ein hochohmiger Widerstand keine Fehlmessung verursacht. Beide BMS sollten identisch sein, aber die Auflösung geringerer Ströme geht ans BMS vorbei. Für mein Konzept ist das uninteressant, da die Blöcke bei einer Ladung immer voll geladen werden und das BMS entsprechend das SoC neu setzt.

Also, es funktioniert! Als ich auf den analogen Tacho schaute kam ein mulmiges Gefühl auf. 31km vom Wohnort weg. Mit der Bleibatterie wäre ich schon längst bei einer Tasse Kaffee am Tisch. Die GPS Information zeigte 30km. 30km die ich auch wieder zurück fahren muss und der Gedanke ob meine Technik hält kreuzten meinen Weg virtuell schiebend zurück. Selbst wenn jetzt nur ein Block versagen würde reicht es nicht mehr für den Heimweg. Die ersten reellen Zweifel meines LFP Projektes machen sich breit, aber die Technik hat gehalten.
Gruss Dieter F.

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Schnabelwesen
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Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Beitrag von Schnabelwesen »

Cool, hat doch alles geklappt. Etwas weiter würde auch noch gehen.
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E-Bik Andi
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Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Beitrag von E-Bik Andi »

@Dieter
Top! Freut mich wenn alles so läuft wie Du es Dir erhofft hast :D
Lief bei mir auch die letzten zwei Jahre super. Keine direkten Ausfälle, dass ich liegen geblieben bin, aber bei längeren Touren an die 140km wurde es schon teilweise seeehr knapp und ohne Schleichfahrt am Schluss hätte ich geschoben. Nur muss ich es in das Verhältnis setzen, wie wenig ich an Gesamtkilometern seid dem Eigenbau gefahren bin.
Wie Du sagst- die Elektronik ist das Probem- in meinem Fall das BMS.
Klar sind das keine großen Kosten, aber genau jetzt wo ich hier in D nicht mehr Geld verbrennen will, im Sommer den Roller nutzen will und die Karre abmelden- peng! Nur vom Stehen über den Winter das BMS eines Akkus am Chargeport durch...
Ich habe meine 200er Vespa wieder aus der Halle geholt- sollte eigentlich ein Wertschaffendes Sammlerobjekt sein da mit 1200km absolut im Traumzustand.
Ich will mein Geld in Kenya "verbrennen"- nicht mehr hier in D. :D
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Liebe Grüße
Andi
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Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Beitrag von Dieter F. »

Ein kleiner Zwischenbericht wie es um den LFP Umbau steht. Die Alltagstauglichkeit soll das alles abrunden und mögliche Fehler noch aufdecken. Gestern wurden die 70km erreicht und das ohne Energiemangel! Allerdings sei erwähnt, dass ich den „ECO“ Modus hinzugezogen habe. Längere Strecken wurden so gefahren, auch wenn dann schon mal im „Vollgas“ die Tachonadel deutlich unter 40km/h ging. An der Ampel stehend wurde im „Normal“ Modus losgefahren da mir der „ECO“ zu schlapp ist. Die erste Etappe war eine Besorgungsfahrt im Stadtverkehr mit 38km. Mit einem Ladestand von ca. 61% beider Blöcke wagte ich eine zusätzliche Ausfahrt von ca. 33km. Wie schon zuvor errechnet sollten beide Blöcke runter auf 20% gehen. In der Realität zeigt sich eine Restladung von 25%. Ein guter Wert und nach 90Minuten Ladezeit waren die beiden Batterien wieder voll! Fazit, selbst bei 25% Restladung gab es keine Einbußen. Auch wurde der „Sport“ Modus zuletzt probeweise aktiviert und die Batteriespannung brach nicht ein. Da gibt es wohl noch eine stille Reserve die im BMS durch eine großzügige Berechnung sich versteckt. Ob es noch weiter geht???

PS: Ah, Bella Italia. Schönes Gefährt! So eine wolle ich früher auch, aber keine Knete dafür gehabt. Die Ersatzteilsituation von Piaggio hat sich in den letzten Jahren doch verschlechtert? Wir hatten vor Jahren einen Piaggio Sfera 1 NSL 50 in der Familie und schon direkt am Anfang Theater mit der Startautomatik. Das war ein längeres hin und her und es wurde von uns Schraubern dann gelöst. Für ein paar Mark zu dieser Zeit baute ich ein neues Dehnelement ein und schon war alles gut. Das war in der Garantiezeit und der Händler war extrem unbeholfen und hat das System wohl nicht verstanden.
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Schnabelwesen
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Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Beitrag von Schnabelwesen »

Vielen Dank für die Berichte. Du tastest dich langsam ran und klappt. Die Erfahrung zeigt, dass langsames Fahren den Verbrauch deutlich reduziert. Mit meinem Sun-S bin ich im städtischen Raum deutlich weiter gekommen, als E-Kuma angibt - ohne besonders langsam oder Eco zu fahren.
Schöne Grüße, Bertolt
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Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Beitrag von STW »

Dieter F. hat geschrieben: Fr 17. Apr 2026, 15:46 @Andi, die Herausforderung liegt doch darin etwas zu erschaffen was aus dem eigentlichen Zustand eine Verbesserung wäre. Ein fertiges e-Fahrzeug kann jeder kaufen und sich das Halbwissen wie ein Bücherwurm bei Google anfressen. Wie steht es um die Zuverlässigkeit? Der Benzinmotor hat sehr viele bewegliche Teile und läuft obwohl weit komplexer zuverlässiger? Aber der Vergleich hinkt und Äpfel und Birnen sollte man nicht vergleichen. Was die e-Mobilität angeht, hierbei scheint die Elektronik einer der Fehlerquellen zu sein. Auch um die Haltbarkeit der Batterien steht es nicht gut. Die Hersteller werden ein System für diesen Markt nicht so konstruieren, dass man es leicht reparieren könnte oder gar die Ersatzteile in gleichwertiger Form für preiswertes Geld anbietet. Ich betrachte daher mein Projekt mit einem gewissen Abstand und wenn es mal nicht so funktioniert ist es ein Ansporn für mich.
...
Ich sehe das - in Teilen - etwas anders. Zunächst würde ich unterscheiden wollen zwischen E-Autos und E-Zweirädern. Im elweb-Forum hat man sich bei den E-Autos schwerpunktmäßig mit dem Mini-El beschäftigt, etwas Twike, seltener ein Franzose mit NiCd-Akkus. Im Endeffekt waren das alles Bastelbuden und kein Vergleich mit heutigen E-Autos.
Bei den Rollern und Mopeds sieht es leider anders aus. Vor 20 Jahren waren das Bastelbuden, und heute immer noch. Zuverlässiger ginge, würde aber richtig Geld kosten. Beim E-Auto zahlt man dafür, entweder als Dienstfahrzeug, oder man kauft eine Nummer kleiner, oder greift Subventionen ab, ... Beim E-Roller denkt man ein paar Mal länger darüber nach, warum man doppelt oder gar dreifach soviel Geld ausgeben sollte gegenüber einem Benziner.

Einen Chinaroller in Benzin oder 125er etc. bekommt man heute immer noch recht einfach repariert, sofern man selbst schraubt oder einen guten Mechaniker an der Hand hat. Mein Billig-Verbrenner hat allerdings schon Einspritzung, Kat, Lambdasonde und CDI. Die gleiche Maschine wird auf anderen Kontinenten mit Vergaser ohne Schnickschnack verkauft. Das Teil ist mit genug Kreativität schnell im Defektfall schnell diagnostiziert und repariert, in Europa mußt Du allerdings erstmal einen Computer an die ODB anschließen, ohne den geht nicht viel. Die Mechanik ist robust - die Karre ist auf Naturpistentauglichkeit in gebaut.
Ich bin der Meinung, dass das Mofa meiner Jugend häufiger defekt war als meine RGNT - aber die Reparatur war immer erheblich simpler.

E-Roller sind Bastelbuden. Es ist ja nicht so, dass sich da nichts in den letzten 20 Jahren verbessert hätte, wenn man mal durchs Foum schaut. Controller halten wesentlich länger, DC-Konverter auch, Ladegeräte naja ... Murks findet man immer noch bei Steckerbindungen und Wasserdichtigkeit, meist liegt es aber nicht mehr an den Steckern, sondern am Pfusch bei der Montage. Die Akkuqualität ist eigentlich ok, wenn man die richtigen Zulieferer hat. Meine ersten LiFePO4-Zellen haben lange bei mir gehalten, die NIU-Akkus habe ich nicht kaputt gekriegt, die RGNT-SE - Akkus sind wohl unkaputtbar, die der vorherigen Serie sind dagegen eine Katastrophe. Gerade Billigroller kommen heute mit Billigzellen und fallen im Forum dann damit auf.
Problem: bei vielen Akkus benötigt man (also ein Betrieb) einen HV-Schein für eine Reparatur, der kostet teuer. Dann muss der Händler für den Erfolg von Reparaturen geradestehen, oder mitunter auch für die Folgen abgebrannter Akkus, denn er haftet. Ich müßte schon sehr verzweifelt sein, wenn ich einen Reparaturbetrieb für Akkus aufmachen müßte - dann lieber weniger Verantwortung und weniger Geld, z.B. als Bäckereiverkäufer.

Nochmehr ärgert mich anderer Pfusch: wenn der Händler nach 3500km Radlager erneuern muss, oder nach den ersten 1500km das LKL. Das ging vor 40 Jahren schon besser als heute. Die Radlager vorne bei meinen NIUs hielten nicht sonderlich lange (vierstellig), bei meinem chinesischem Billigverbrennerchen sind nach 17TKm immer noch die ersten Radlager verbaut. Dabei waren die NIUs ansonsten recht ordentliche Fahrzeuge.

Und das sind eigentlich alles Konsequenzen aus Sparen an der falschen Ecke. Natürlich wären Akkus reparierbar, oder Controller, oder Ladegeräte. Die Dinger sehen aber deshalb so aus wie sie jetzt sind, weil das die Produktionskosten erheblich senkt, und im Gewährleistungsfall der Austausch von ein paar Akkus preiswerter wäre als die Reparatur und überhaupt erstmal die Reparierbarkeit zu ermöglichen. Und was nach 2 Jahren Gewährleistung passiert interessiert die Hersteller in vielen Fällen gar nicht.

Die Elektronik könnte natürlich auch haltbarer hergestellt werden. Was im Auto funktioniert, das kann auch beim E-Roller funktionieren. Allerdings: mein VAG-Händler repariert auch keine Steuergeräte, der tauscht aus. Wenn der elektrische Windabweiser des Schiebedachs Geräusche macht und nicht mehr funktioniert: da wird ein neuer Motor mit Getriebe für 850€ verbaut - meinereiner nimmt das Teil auseinander, bringt das Zahnrad auf der Motorache mit einem Hammer wieder in die richtige Position und nach 20 Minuten ist alles repariert.
"Austausch" sagt VAG, es gibt eine Anleitung für den Mechatronicer - "Reparatur" sagt der Hobby-Mechaniker in mir, der sich dazu ein YT-Video anschaut. Aber ich muss mir ja auch keine Gewährleistung auf die Reparatur geben, der VAG-Händler schon. Und deshalb macht der nur Komponententausch nach Werksvorgabe - wir lernen: nicht alle Gesetze zum Verbraucherschutz schützen das Portemonaie des Verbrauchers.

Es wäre anders möglich. Durch die Bereitschaft mehr Geld für reparierbare Ware auszugeben. Durch das rigorose Zurückfahren von Vorschriften (HV-Scheine, Vorschriften zur Fahrzeugtechnik, ...), und ein Gewährleistungsrecht, das mit gesundem Augenmaß erstellt worden ist und nicht davon ausgeht, dass der Verbraucher permanent zu blöde ist, so dass möglichst viele Risiken auf Betriebe und Hersteller umverlagert werden.
Vor 40 Jahren ist mein Auto einen Tag nach der Inspektion liegengeblieben. Ursache war ein Riss in der Verteilerkappe. Der Händer hat die Kiste am Sonntag abgeschleppt, am Montag repariert, die Fehlerursache war nicht ermittelbar (Riss aufgrund des Alters wäre möglich gewesen, falsche Handhabung am Vortag durch den Mechaniker ebenfalls) - kurzum: er hat das Abschleppen und die Arbeitszeit bezahlt, ich den Verteiler, fester Händedruck, und ich habe die Karre weiterhin zu ihm gebracht. Heute würde ich zwar nichts zahlen, kostenlos einen Leihwagen bekommen, aber dafür kostet die Werkstattstunde 180€ aufwärts ... Ich zahle eh die Werkstatthaftung über den Preis mit.
RGNT V2 ab 01/23 > 25000km
NIU NGT ab 06/20 Km-Stand > 36000km, nach Unfall verkauft in 5/23
Niu NPro seit 09/19 Km-Stand > 8000km - Verkauft in 10/22
Ahamani Swap Bj 2007 - 2.4KW - Vario - Km-Stand > 27.000km - 40AH Thundersky ab 11/08 - CALB 70AH seit 10/11 -Verschrottung 09/19
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Re: E-Retro Blei Umbau auf LFP

Beitrag von E-Bik Andi »

@STW
wir kommen etwas "off topic" aber ich gebe Dir uneingeschränkt recht! Da ich mit einer kenianerin verheiratet bin und wir auch die halbe Zeit des Jahres unten leben, habe ich mittlerweile einen ganz anderen Blick auf die "kleinst- E-Mobilität". Unten könnte es keiner reparieren, Ersatzteile sind entweder nicht oder nur unter großem Kostenaufwand mit Zoll, Korruption etc. zu bekommen....und wann? Leisten kann es sich auch keiner, der normal arbeiten geht.
Im Umkehrschluss sehe ich, wie unten Bodas (Zweiräder meist zwischen 125 und 180ccm) jeden Tag ihren harten Job verrichten und das zu 80% auf Feldwegen, kaputten Straßen und mit Fahrer zu dritt oder sogar zu viert bei den Schulkindern! Mein E-Scooter stand diesen Winter wohlbehütet in meiner Garage und als ich zurück kam: BMS von einem Akku am Chargeport defekt- so kam unbemerkt der Fehler, da ein Akku zur Unterspannung kam.
Ich will nen Vergaser, keine CDI und einen Kolben der rauf und runter geht, wenn ich mich sicher fühlen will.
Der E-Roller ist und bleibt nur eine Spielerei solange ich noch hier bin. Aber als zuverlässiges Transportmittel bevorzuge ich einen Verbrenner wie meine alte PX200E Vespa.
Liebe Grüße
Andi
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