Zip hat geschrieben: Mi 5. Aug 2026, 08:44
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Weißt du zufällig welchen sinnvollen Hintergrund solch eine Vorschrift haben könnte?
Ob sinnvoll sei mal dahingestellt ...
Stell Dir vor, Du bist Mechaniker, sollst einfach nur einen Reifenwechsel machen, siehst da in der Nähe ein blankgescheuertes Kabel mit den Resten einer orangen Isolierung, und willst das mal eben beiseite drücken ...
Nun leben wir in einem Land, wo wir uns überregulieren, da sind wir nicht weit weg von den USA, wo man als Kunde auch nicht weiß, dass der Kaffee heiß ist und das Gemächt verbrüht, wenn man ihn darüberschüttet. Als Konsequenz verlorener Prozesse steht da jetzt auf den Kaffeebecher ein Warnhinweis. Man traut den Leuten keinen gesunden Menschenverstand mehr zu, oder möchte nicht akuzeptieren, dass der am wenigsten Blöde am längsten überlebt, und dass Eigenverantwortung etwas Gutes ist. Der Mechaniker in dem Fall macht vielleicht Aua, dann fragt der Anwalt, ob er denn überhaupt wissen konnte, dass da Strom sein kann, und wenn ihm das niemand gesagt hat, ist sein Meister haftungs- und strafrechtlich dran. Mit Glück findet der eine Ausrede, und er kann die Haftung weiterschieben, an den Werkstattbesitzer, und der an den Autohersteller, und der ...
Irgendwo gibt es dann einen in der Kette, bei dem Haftung kleben bleiben würde. Also muss eine Lösung her: wenn denn der Mechaniker eingewiesen wäre, so richtig mit Zertifikat und so, dann läge die Haftung wieder ganz unten beim Mechaniker, oder beim Zertifikatsgeber. Der also ist bemüht, sich selbst abzusichern, und dann heißt es: lieber zu viele Kurse vorschreiben als zu wenig.
Das Bemühen aller zielt also darauf ab, dass der Mechaniker selbst schuld ist, wenn es ihn am blanken Kabel erwischt - also auf gut deutsch: der hat ein Zertifikat, packt trotzdem dran, also ist er ein zertifizierter Idiot, der selbst schuld hat. Und zwar akten- und gerichtsfest. Wer an einem blanken Kabel an einem Auto umgrapscht, von dem er nicht weiß, wie der Antrieb konzipiert ist, wäre aus meiner Sicht ein Fall für die Darwin-Awards, aber bei unserer Rechtslage ist er ein zu schützendes Opfer.
In manchen Betrieben ( bei uns auch) sind jährliche Arbeitsschutzunterweisungen, Brandschutzunterweisungen, ... zwingend vorgeschrieben. Ich erkläre meinen Mitarbeitern einmal im Jahr, dass blanke Kabel gefährlich sind, Leitern auch, und was man tut wenn es brennt, und lasse mir per Unterschrift bestätigen, dass sie dabei waren. Es gehen dabei 40 Arbeitsstunden drauf - mittlerweile habe ich gelernt, dass deren Unterschrift auf dem Belehrungszettel ausreicht, um mich aus der Schusslinie zu bringen, von daher läuft das jetzt pragmatisch ab. Die wissen, weil ich da offen und ehrlich bin, dass das ganze Bohai nur dazu dient, dass die Haftungsfrage an ihnen kleben bleibt, ob mit oder ohne Brandschutzunterweisung.